Wirte gegen Grüne

Ruf nach Heizpilz-Comeback erhitzt die Gemüter

tafi

7.10.2020

Für die Grünen ist die Forderung «Unsinn»: Mit Heizstrahlern in den Aussenbereichen wollen die Schweizer Wirte den Coronawinter überstehen.
KEYSTONE/Jürg Mueller

Die eine Seite redet von Unsinn, die andere von einer Notwendigkeit: Mit beheizten Aussenbereichen will sich die Gastrobranche über die kalte Jahreszeit retten. Ein Comeback von Heizpilzen wollen die Grünen aber verhindern.

Durch den Coronasommer sind die Schweizer Wirte noch ganz leidlich gekommen – auch, weil sie ihre Gäste in grosszügigen Aussenbereichen bewirten konnten. Doch nun ist der Herbst da, und es wird ungemütlicher. In der kalten Jahreszeit befürchtet das Gastrogewerbe einen drastischen Umsatzeinbruch, weil sich kaum jemand in ein enges Lokal setzen wolle.

Für Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, gibt es eine Lösung: Der Einsatz von Heizpilzen muss wieder erlaubt werden. In beheizten Aussenbereichen könnten weiterhin Gäste bedient werden. Gerade für kleinere Lokale sei das die einzige Möglichkeit, wirtschaftlich überleben zu können: «Wir sind nach wie vor in einer ausserordentlichen Situation, deshalb bin ich klar der Meinung, dass man für Heizsysteme mit einer ausgeglichenen CO2-Bilanz zumindest für den kommenden Winter Ausnahmen gewähren sollte», fordert er bei SRF. 

Gastro und Grüne im Clinch

Doch Heizstrahler für den Aussenbereich sind umstritten, sie gelten wegen des hohen Energieverbrauchs als klimaschädlich und sind in der Schweiz sogar verboten. Platzer ist sich bewusst, dass die Forderung nach den Outdoor-Heizungen zu Kontroversen führt. Aber: «Die Covid-19-Krise ist noch nicht vorbei. Wir sind vielleicht auf dem ersten Kilometer eines Marathons.»

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Sollen Heizpilze im Winter erlaubt werden?

Viele Städte und Kantone hätten im Sommer zwar unbürokratisch Sofortmassnahmen ergriffen und etwa Aussenbereiche grosszügig erweitert. Nun jedoch seien weitere Massnahmen zur Unterstützung des Gastgewerbes unabdingbar. In Basel-Stadt sind elektrische Heizstrahler bereits wieder zugelassen. Die Stadt Bern fördert die Anschaffung von Heizkissen für Gastronomiebetriebe. 

Der Zürcher Grünen-Politiker Thomas Forrer hält Heizungen im Freien für «Unsinn». Er habe zwar Verständnis für die Probleme der Branche, aber Corona dürfe «kein Feigenblatt sein, damit man diese veraltete Technologie wieder einführt», wird er bei SRF zitiert. «Die warme Luft entschwindet draussen sofort. Das ist energetisch äusserst ineffizient.»

Gäste in der Pflicht

Für Platzer jedoch wäre alles andere als eine Bewilligung von Heizstrahlern in der derzeitigen Ausnahmesituation unverständlich: «Man hat heutzutage auch die Möglichkeit, umweltfreundliche Heizsysteme zu installieren», sagt Platzer. Diese seien sehr sparsam und könnten mit erneuerbarer Energie betrieben werden, etwa mit Holzpellets oder Biogas. «Wenn der CO2-Ausstoss kompensiert wird, dann sollte das akzeptabel sein.»

Aber auch das sieht Forrer kritisch: «Biogas ist eine derart wertvolle Energieressource, dass es wenig Sinn macht, diese als Wärme in die Luft hinauszublasen.» Der Zürcher Kantonsrat sieht vielmehr die Gäste in der Pflicht, dem Gastrogewerbe über den Winter zu helfen: «Wir als Gäste haben es in der Hand, etwas für die Gastwirte zu tun: Wir können dafür sorgen, dass die beschränkten Plätze in den Lokalitäten ausgelastet sind – und auch mal zu Randzeiten ins Restaurant gehen.»

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