Ungleichheiten wegen Ehe für alle – Lesben bekommen mehr

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7.7.2020 - 00:00

Zwei Frauen demonstrieren während der Lesbendemo für den «Tag der lesbischen Sichtbarkeit» in Bern.
Bild: Keystone

Sie soll Gleichberechtigung schaffen – und schafft doch Ungleichheit: die Ehe für alle. Frauenpaare werden finanziell gegenüber Männer- und gemischtgeschlechtlichen Paaren besser gestellt. 

2022 könnte das Jahr werden, auf dass Schwule und Lesben schon lange warten: Die Ehe für alle könnte dann auch hierzulande Realität werden – inklusive Samenspende. Dazu hat der Nationalrat kürzlich Ja gesagt, nun muss die Vorlage noch durch den Ständerat und bei einem allfälligen Referendum vors Volk.

Doch: Mit der Ehe für alle werden neue Ungleichheiten geschaffen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Wie das? Stirbt ein Partner, sind Witwen gegenüber Witwern besser gestellt. Heute schon. Und auch künftig sind Ehefrauen gegenüber Ehemännern im Vorteil.



Konkret: Sind Witwen beim Tod des Partners oder der Partnerin 45 Jahre oder älter, erhalten sie die Rente. Egal, ob sie Kinder haben. Witwer dagegen bekommen nur Geld, wenn sie für minderjährige Kinder sorgen.

«Ungleichheit beseitigen»

Witwen- oder Witwerrente
Keystone

Eine Witwen- oder Witwerrente funktioniert wie die AHV-Rente: Sie ist abhängig von der Beitragsdauer und dem Erwerbseinkommen. Ihr Minimum beträgt 948 Franken, ihr Maximum 1896 Franken. Erreicht eine Person das Pensionsalter, wird sie in eine Altersrente umgewandelt. Die Witwenrente wird wohl mittelfristig abgeschafft werden. Heisst: Auch hinterbliebene Ehefrauen bekämen nur noch mit minderjährigen Kindern eine Rente. Bis zu dieser Gleichstellung dürfte es dauern.

Kinderlose lesbische Ehepartner werden damit also anders behandelt als kinderlose schwule Ehepartner. Dieser Ungleichheit ist sich Nationalrätin Kathrin Bertschy (GLP/BE) bewusst – und sie will diese beseitigen.

An der Ungleichheit stört sich auch Nationalrat Pirmin Schwander (SVP/SZ): Die Vorlage sei einfach möglichst schnell durchgepeitscht worden, ohne Rücksicht auf Folgen, sagte er dem «Tages-Anzeiger».

Bei der eingetragenen Partnerschaft gilt für alle Paare die Witwerrente. Bei der Ehe für alle habe man aber nicht zwei Kategorien von Ehefrauen schaffen wollen, so Bertschy.

«Frauenpaare sind stärker benachteiligt»

Wieder anders sieht es Nadja Herz, Zürcher Rechtsanwältin und Co-Präsidentin der Lesbenorganisation Schweiz. Sie hält die Ungleichbehandlung von Witwen und Witwern für gerechtfertigt. «Frauen haben weniger Geld, vor allem im Alter. Ich sehe das bei meiner Arbeit immer wieder.» Die Witwenrente habe ihre Berechtigung, weil es ja immer noch keine Gleichstellung gebe bezüglich Lohn und Karrierechancen. Frauenpaare seien im Alltag stärker benachteiligt.



Keinen Widerspruch dazu gibt es vom Schwulenverband Pink Cross. Es gehe hier um Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren. Die Frage der Witwenrente müsse die Politik separat lösen, das sei jedoch ein anderes Thema.

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