Wenn Kampfjet-Hersteller zur Werbeoffensive starten

Anna Kappeler

19.11.2020 - 18:21

A Airbus Eurofighter jet takes off during a evaluating day at the Swiss Army airbase, in Payerne, Switzerland, Friday, April 12, 2019. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Ein Eurofighter startet in Payerne im April 2019.
Bild: Keystone

Am Tag 1 nach den endgültigen Offerten der Kampfjet-Hersteller laden zwei der vier Anbieter zu Medienkonferenzen. Dort machen sie: Werbung in eigener Sache.

Am Mittwoch haben die vier verbliebenen Kampfjet-Anbieter ihre Offerten eingereicht. Über diese beugen sich nun die Experten des Bundes – und zwar in einem gesicherten Gebäude in Bern. Beteiligt sind Physiker, Ingenieure und Betriebswirtschafter. Die Offerten werden nun umfangreichen Tests unterzogen. Auf der Grundlage der Experten entscheidet der Bundesrat im Frühjahr 2021, ob der Eurofighter (Airbus), der Rafale (Daussault), der F/A-18 (Boeing) oder der F-35 von Lockheed Martin das Rennen macht.

Obwohl der Ball also nicht mehr bei den Anbietern liegt, haben heute gleich zwei von ihnen die Medien zu Infoveranstaltungen eingeladen: Lockheed Martin und Airbus. Dies erstaunt, hat Verteidigungsministerin Viola Amherd doch deutlich gemacht hat, dass sie die Lobbyisten an der kurzen Leine hält. Und auch das Schweizer Volk hat seine Zustimmung zum Kampfjet-Kredit bereits gegeben – wenn auch nur haarscharf.



Warum also diese abermalige Offensive? Die sechs Milliarden Franken für neue Kampfjets will sich keiner der vier Anbieter entgehen lassen, das ist wohl die plausibelste Erklärung für den abermaligen Effort. Mit entsprechend grosser Kelle angerührt hat seine Informationsrunde der internationale Airbus-Konzern.

Gleich die vier Botschafter von Deutschland, Spanien, Grossbritannien und Italien treten vor die Medien – sowie der Geschäftsführer von Airbus Schweiz. «Es geht uns um Transparenz, auch wenn wir hier keine Details zur Offerte nennen», sagt Michael Flügger, Deutscher Botschafter in der Schweiz, als Erklärung für den Medienanlass.

Die Stossrichtung ist entsprechend deutlich: Die Medienkonferenz ist ein Loblied darauf, warum der Eurofighter das für die Schweiz geeignetste Flugzeug sei. Genaue Angaben werden indes keine gemacht, weder zur Anzahl Flugzeuge («Bis zu 40 Stück») noch zum Preis. «Dafür ist es noch zu früh», sagt Flügger.

Angriff auf Software von F-35?

Stattdessen äussert Flügger Verständnis dafür, «dass Autonomie ein zentraler Aspekt sowohl für die politischen Entscheidungen als auch für die Schweizer Öffentlichkeit» sei.

Ob das ein verbaler Seitenhieb gegen den amerikanischen Kontrahenten Lockheed Martin mit seinem F-35 ist? Der Tarnkappen-Flieger wird besonders oft kritisiert, gerade im Zusammenhang mit einer möglichen Abhängigkeit bei der Software («blue News» berichtete).

Jüngstes Beispiel? Gemäss neuen Medienberichten soll China Zugriff erhalten haben auf Software des F-35. Daraus soll sich eine Sicherheitslücke ergeben haben, namentlich bei der britischen Royal Air Force. Softwareteile hätten als Folge davon umgeschrieben werden müssen. Das könnte zur Folge haben, dass sich das Flugzeug verteuern könnte.

Von «blue News» darauf angesprochen, ob die Schweizer Offerte nun teurer würde, sagt Mike Kelley, der Geschäftsführer von Lockheed Martin Schweiz, an der Pressekonferenz: «Nein, davon gehe ich nicht aus. Die Offerte ist ein finales Angebot, der Preis würde sich nicht ändern.» Ob China tatsächlich Zugriff auf die F-35-Software gehabt hat, lässt Kelley damit offen. Doch er dementiert es auch nicht.

«Unabhängigkeit ist hier wichtig»

Lockheed Martin verrät deutlich mehr Details seiner Offerte als Konkurrent Airbus. Kelley spricht von 40 Jets. Er erklärt dieses Angebot mit folgenden Worten: Gerade auch weil die Unabhängigkeit hierzulande so wichtig sei, wie er habe lernen müssen, bestehe die Offerte nicht nur aus 36 voll funktionsfähigen Jets, sondern eben auch aus vier leeren Flugzeugen. «Das ist ein Entgegenkommen an die Schweiz», sagt Kelley. Ergänzt würden diese Jets dann in der Ruag-Halle in Emmen.

Die Offerte bewege sich im Rahmen des 6-Milliarden-Kredits. Genaue Zahlen nennt Kelley keine. Nur, dass sich diese eben innerhalb des Kostenrahmens bewegen würden. Das würde sich decken mit den Kosten aus der Pflichtveröffentlichung des US-Aussenministeriums an den Kongress. Daraus war zu entnehmen, dass sich der Betrag auf 6,58 Milliarden Dollar oder 6,04 Milliarden Franken belaufen soll.

Boeing teuer als Lockheed Martin

Zum Vergleich: Im selben US-Schreiben verlangte Boeing für seinen F/A-18 mit ebenfalls 36 vollausgerüsteten Super Hornets und vier leeren Fliegern 7,452 Milliarden Dollar. Das sind umgerechnet etwa 6,847 Milliarden Franken.

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