Medikamenten-Fliessband

Corona-Impfstoff: Warum das Wallis eine grosse Rolle spielen könnte

tmxh

6.10.2020

Das Rennen um einen Corona-Impfstoff ist in vollem Gange. Ganz vorne mitmischen will auch das Walliser Pharmaunternehmen Lonza. In Visp plant die Firma das schnellste Medikamenten-Fliessband der Welt.

Geht es nach dem Walliser Staatsrat Christophe Darbelley, soll Visp die «Welthauptstadt des Kampfes gegen Covid-19» werden. Die gewagte Prognose stammt nicht von ungefähr: Hier will der Schweizer Pharmariese Lonza den heiss ersehnten Corona-Impfstoff herstellen. Doch nicht nur das: Im Oberwallis soll das vermutlich schnellste Medikamenten-Fliessband der Welt entstehen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Die Kosten für das Fliessband, an dem einst in Rekordzeit Corona-Medikamente produziert und von dort in alle Welt geschickt werden sollen: 70 Millionen Franken. Laut «Blick» und «Tages-Anzeiger» befindet sich der Bau der Anlage in den letzten Zügen, schon ab Februar will man mit der Produktion starten. Angedacht sind drei Produktionszüge mit jährlich jeweils 100 Millionen Impfdosen, die dann ausschliesslich für Europa produziert werden sollen.

Sobald der Corona-Impfstoff kommt, könnte er auch im Wallis produziert werden (Symbolbild).
Sobald der Corona-Impfstoff kommt, könnte er auch im Wallis produziert werden (Symbolbild).
Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Unsichere Zulassung

Herstellen will man einen Impfstoff der US-Firma Moderna, der nach einer eigens entwickelten Methode schneller produziert wird als herkömmlich. Allein: Derzeit befindet er sich noch in der experimentellen Testphase, es ist nicht sicher, ob und wie er wirkt. «Der Impfstoff ist noch eine Blackbox», zitiert der «Tages-Anzeiger» den Chef des Schweizerischen Impfstoff-Forschungsinstituts, Giuseppe Pantaleo. So wisse man beispielsweise weder, bei wie vielen Menschen er in der zweiten Testphase angeschlagen habe, noch, wie er auf ältere Menschen wirke. 



Unklar ist, ob der von der Firma Moderna bei den Wallisern in Auftrag gegebene Impfstoff die aktuelle dritte Testphase der klinischen Studien überhaupt besteht – die Ergebnisse sollen Ende Oktober ausgewertet werden. Ebenso unsicher wie die Zulassung des Impfstoffes erscheint die Inbetriebnahme: Swissmedic muss die im Ibex-Komplex gelegene Anlage laut «Tages-Anzeiger» noch prüfen und genehmigen. Eine Millionen-Investition, die viele Risiken birgt.

Unterstützt von der US-Regierung

Und doch: Moderna ist am Bau der Anlage mit 140 Millionen Franken beteiligt, unterstützt wird das Unternehmen von der US-Regierung, die das Wettrennen um den Impfstoff unbedingt gewinnen will. Scheitert die Impfstoffentwicklung, werde man, voraussichtlich ebenfalls für Moderna, andere Medikamente fertigen: «Wir haben einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen für die Produktion verschiedener Impfstoffe», so Renzo Cicillini, Leiter der Lonza-Anlagen in Visp gegenüber dem «Tages-Anzeiger».



So hat man auch abgesehen vom Corona-Geschäft im Wallis grosse Zukunftsvisionen. Als weltweit schnellstes Fliessband für Medikamente will man für internationale Unternehmen produzieren – und den Grosskonzernen die Zeit zwischen Medikamentenentwicklung und -produktion verkürzen. «Das ist unser grosser Vorteil», zitiert der «Tages-Anzeiger» Cicillini. Bis Jahresende sollen 4'000 Menschen bei dem Pharmariesen arbeiten, 1'400 mehr als noch 2015. 

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