Finanzlücken

Zürcher Spitälern fehlt Geld für Renovationen

smi

24.1.2022

Nacht-Aussenansicht des Zuercher Stadtspitals Triemli, fotografiert am Dienstag, 4. Januar 2022 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Das neue Bettenhaus (vorne) des Spitals Triemli war ein Finanzskandal für sich. Weil die Einnahmen die Betriebskosten nicht decken, muss das Zürcher Stadtspital nun die Renovation des alten Bettentraktes (hinten) stark redimensionieren. 
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Viele Spitäler im Kanton Zürich kämpfen mit Finanzproblemen. Als Folge davon können sie nötige Sanierungs- und Erweiterungsprojekte nur in abgespeckter Form umsetzen – wenn überhaupt.

smi

24.1.2022

Die mögliche Überlastung der Spitäler ist ein Dauerthema der Pandemie. Trotzdem leiden diese finanziell und das nicht erst seit Corona zum Gesundheitsthema Nummer eins wurde – zumindest im Kanton Zürich, wie der «Tages-Anzeiger» darlegt.

Seit 2016 stagnieren im Kanton Zürich die Spitaltarife, die die Krankenhäuser für Behandlungen verrechnen dürfen. Der Bund senkte gar die Pauschalen für ambulante Behandlungen. Zugleich stiegen die Kosten der Spitäler als Folge der Teuerung, der Pandemie, wegen ambulant statt stationär durchgeführter Behandlungen. Zudem müssten die Spitäler, die gebaut haben, höhere Beträge abschreiben.

Der Verband der Zürcher Krankenhäuser hat für das Jahr 2020 berechnet, dass die Fallpauschalen nur 91 Prozent der Kosten deckten. Das ist gemäss Verbandspräsident Christian Schär für jene Spitäler besonders problematisch, die ihr Ausbauprojekt noch nicht realisiert haben. Spitäler brauchten Gewinn, um in die Erneuerung investieren zu können, zitiert ihn der Tages-Anzeiger.

Unispital mit Engpass, Stadtspital Triemli in Not

Darunter leidet beispielsweise das Zürcher Unispital. Dessen gemäss «Tages-Anzeiger» «längst überfällige» Gesamterneuerung steht unmittelbar bevor. Bis 2028 will das grösste Spital der Schweiz in die erste Bauetappe 800 Millionen Franken investieren. Das Unispital schrieb schon 2020 ein Defizit und erwartet für das Jahr 2021 ein weiteres.

Das Spital Triemli hatte mit seinem neuen Bettenhaus, dessen Kosten aus dem Ruder gelaufen waren, sogar den Rücktritt der Stadträtin Brigitte Nielsen mitverursacht. Weil das Stadtspital noch immer unter den finanziellen Folgen leidet – namentlich hohen Abschreibungskosten – hat der Stadtrat die Sanierung des alten Hochhauses von 235 Millionen auf 100 Millionen Franken redimensioniert.

Auch das Spital Uster will erweitern. Weil die Mittel fehlen, hat es den geplanten Erweiterungsbau verkleinert. Das Spital Bülach überarbeite seine Erweiterungspläne und das Spital Affoltern hat seine Pläne gar ganz beiseite gelegt. Das Bezirksspital im Säuliamt kämpft um den Verbleib auf der Spitalliste und damit ums Überleben.

Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge nicht

Mehrere Zürcher Spitäler bauen derzeit aus, so das See-Spital in Horgen und das GZO in Wetzikon. Erweitern wollen auch das Spital Männedorf und die Klinik Hirslanden. Dessen Klinikdirektor Marco Gugolz sieht kein Finanzierungsproblem, da seine Einrichtung überdurchschnittlich viele zusatzversicherte Patient*innen behandelt. Allerdings werde auch für die Hirslandengruppe, die 17 Privatkliniken in der ganzen Schweiz betreibt, der Spielraum enger.

Die Zusatzversicherten sind es, die mit ihren Behandlungen viele Spitäler vor noch grösseren Defiziten bewahren. Von den Krankenkassen dürfen die Zürcher Spitäler nicht mehr Geld erwarten. 55 Prozent der Fallkosten trägt der Kanton. Der Regierungsrat muss nun über den Tarif entscheiden, den die Spitäler abrechnen dürfen. Erhöht der Kanton Zürich seine Beiträge auch nur geringfügig, steigen die Ausgaben schnell in zweistelliger Millionenhöhe. Anderseits ist es unter Fachleuten unbestritten, dass die Spitäler die Mittel haben müssen, um ihre Infrastruktur erneuern können.