Grippe breitet sich in der ganzen Schweiz aus – das ist zu beachten

SDA / dpa / tmxh

16.1.2019 - 11:28

Legionellen sind in der Schweiz auf dem Vormarsch.
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Die Grippewelle ist zurück und sorgt landesweit für zahlreiche Erkrankungen. Doch auch andere krankheitserregende Keime lauern. Manche davon können tödlich sein. Das müssen Sie beachten.

Winterzeit, Krankheitszeit. Oft sind wir in der kalten Jahreszeit anfälliger, das Immunsystem ist geschwächter. Die Grippewelle in der Schweiz hat begonnen, jährlich sterben hierzulande durchschnittlich 1'500 Menschen an den Folgen der Viren.

In der zweiten Woche des Jahres wurden von 144 Ärztinnen und Ärzten des Sentinella-Meldesystems 15,5 Grippeverdachtsfälle pro 1'000 Konsultationen gemeldet, so die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Dies entspräche hochgerechnet von 121 Fällen pro 100'000 Einwohner. Damit sei der saisonale epidemische Schwellenwert von 68 Grippeverdachtsfällen pro 100'000 Einwohner überschritten .

Im Vorjahr hatte die Grippewelle die Schweiz bereits im Dezember erreicht, und die Kurve der Grippefälle zeigte bis zum Jahresbeginn steil nach oben. Nachdem in der ersten Woche 2019 noch nicht alle Regionen betroffen waren, ist die Grippe nun in der gesamten Schweiz verbreitet.

Die Verbreitung der Grippe in der zweiten Woche 2019.
BAG

1'500 Tote jedes Jahr

Oft genug kann die Grippe tödlich enden: 44'000 Menschen sterben laut WHO in Europa jedes Jahr an den Folgen. Allein in der Schweiz gibt es im Durchschnitt jedes Jahr 1'500 Grippetote. Eine rechtzeitige Grippeimpfung (Oktober bis November) kann laut BAG bis zu 60 bis 80 Prozent vor einer Ansteckung schützen.

Die Impfung sei «nach wie vor die einfachste, wirksamste und kostengünstigste Vorbeugung, um sich und zugleich seine Mitmenschen vor einer Grippeerkrankung und deren Komplikationen zu schützen». Weiter heisst es: «Bei gesunden jüngeren Erwachsenen senkt sie das Erkrankungsrisiko um 70 bis 90 Prozent, bei Seniorinnen und Senioren um 30 bis 50 Prozent. Tritt dennoch eine Grippe auf, so sind deren Symptome oft abgeschwächt und schwere Komplikationen seltener».

Die saisonale Grippe in der Schweiz im Jahresvergleich.
BAG

Wichtig ist eine gut funktionierende Lunge

Im Winter wird das Immunsystem besonders beansprucht: Grippewellen fordern die körpereigenen Abwehrkräfte. Umso wichtiger ist eine gut funktionierende Lunge. Denn auch sie kann das Einfallstor für Krankheitserreger sein.

Wer sich vor Atemwegsinfekten schützen will, sollten seine Lunge regelmässig gut durchlüften. Konkret bedeutet das, möglichst ruhig zu atmen und dabei möglichst tief Luft zu holen, erklärt Lungenfacharzt Kai-Michael Beeh in der Zeitschrift «Good Health» (Ausgabe 2/2019).

Eine gut durchlüftete Lunge ist auch gut durchblutet, was wiederum die Immunabwehr stärkt. Besonders viel frische Luft gelangt bei sportlicher Belastung in die Atemwege, regelmässige Entspannung hilft aber ebenfalls: Wer ständig gestresst und angespannt ist, atmet zu schnell und zu flach.

In der kalten Jahreszeit ist eine gut funktionierende Lunge zum Schutz vor Infekten besonders wichtig. Denn warme Heizungsluft trocknet Schleimhäute aus – der Körper ist damit insgesamt anfälliger. Ein längerer Waldspaziergang mit viel frischer Luft ist deshalb gerade im Winter eine gute Idee.

Doch auch anderswo lauern Gefahren: Laut Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sind etwa die Fälle von Legionellenerkrankungen dramatisch angestiegen. Doch wie kann man sich schützen?

Legionellen auf dem Vormarsch

Im stehenden und lauwarmen Wasser fühlen sie sich wohl: Legionellen, genauer, Legionella pneumophila. Sie ist die für uns gefährlichste Art dieser Bakterienform. In Duschen und Wassertanks, in Schwimmbädern und Boilern: Bei 25 bis 45 Grad Wassertemperatur können Legionellen fast überall auftauchen.

Im vergangenen Jahr sind in der Schweiz 567 Legionellosefälle, wie die Legionärskrankheit auch bezeichnet wird, gemeldet worden, wie aus den aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hervorgeht. Im Vorjahr waren es 490 Fälle gewesen, 2016 sogar nur 365 Fälle.

«Es handelt sich erneut um einen massiven Anstieg», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG, der Agentur Keystone-SDA. Bereits im vergangenen Sommer haben das BAG und das für Massnahmen zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ihre Empfehlungen zur Legionärskrankheit aufgearbeitet.

Nach wie vor ist keine Hauptursache bekannt. «Wir wissen, wie die Krankheit entsteht, aber meist handelt es sich um Einzelfälle, deren Ursache im Nachgang schwierig zu eruieren ist», wie Koch weiter erklärt.

Keystone

Wo lauert die Gefahr?

Gefährlich wird es, sobald das Wasser in Tröpfchenform in die Luft gerät – und dadurch in die Lungen des Menschen. Die Folge: Es droht die Legionärskrankheit, eine in fünf bis zehn Prozent der Fälle tödlich verlaufende Entzündung der Lunge.

Zuerst treten Allgemeinsymptome wie Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Appetitverlust auf. Auch Husten mit teilweise blutigem Auswurf sind möglich, manchmal begleitet von atemabhängigen Brustschmerzen und Atemnot. In einem Viertel bis zur Hälfte der Fälle kommt es zudem zu wässrigem Durchfall. Weniger oft sind Verwirrtheit als Zeichen einer schweren Hirnentzündung oder eine Niereninsuffizienz, die eine Dialyse nötig werden lässt.

Die Triade «Lungenentzündung, Durchfall, Verwirrtheit» sollte deshalb beim Arzt zur Suche nach Legionellen führen, vor allem wenn es sich um Risikopatientinnen und Patienten handelt. 

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Wer ist besonders betroffen?

Gefährdet und betroffen sind insbesondere Senioren, Raucher und Menschen, die immungeschwächt sind. In risikobehafteten Einrichtungen wie Seniorenheimen, Spitälern, Hotels und Bädern gibt es daher Wasser-Vorschriften. Ab 1'000 «koloniebildenden Einheiten» pro Liter kann demnach von einem Gesundheitsrisiko gesprochen werden.

Das Dusch- und Badewasser dieser öffentlichen Institutionen muss seit 2017 regelmässig auf Legionellen geprüft werden. Kantonschemiker prüfen in Stichproben die Einhaltung der durch Selbstkontrolle geprüften Wasserqualität. Jedoch: Jedem Kanton ist überlassen, wie oft und wo es zu Kontrollen kommt.

Die Vollzugsbehörden, also die kantonalen Laboratorien, können demnach laut BLV Anlagen, die mehr als 1'000 Legionellen pro Liter nachweisen, beanstanden. Für Sanierungsmassnahmen gibt es eine Übergangsfrist von zehn Jahren. In Sprudel- und Dampfbädern ist die Zahl der Legionellen pro Liter sogar auf 100 beschränkt.

Werden Entnahmestellen wie Duschen oder andere aerosolbildende Armaturen länger als eine Woche lang nicht benutzt, sollten sie vor einem erneuten Einsatz gespült werden, wie aus den Empfehlungen weiter hervorgeht.

Ein aktueller Fall zeigt das Problem: Seit Mitte November war in Riehen BS eine Schwimmhalle wegen Legionellenbefall geschlossen worden. Grund für den Befall war der unregelmässige Gebrauch der einzelnen Duschen im Gebäude. Inzwischen sind bei den Duschköpfen zusätzliche Filter eingebaut worden.

Während eine umfassende Kontrolle für die Kantone zu teuer wäre, gibt es bislang keine nationalen Pläne. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und wissenschaftliche Experten arbeiten jedoch an Konzepten.

Problem in Privathaushalten

Das grösste Problem liegt indes ohnehin nicht im öffentlichen Bereich, sondern in den Privathaushalten. Kontrollen der Wasseranlagen geschehen rein aus Eigeninitiative, vorgeschriebene Grenzwerte existieren nicht. Um das Risiko zu minimieren, muss man sich selbst informieren.

Im Privaten zeigt sich das Problem zum Beispiel bei den Wärmepumpen, die mit 45 bis 55 Grad Wassertemperatur laufen. Um sie vor Legionellen zu schützen, sollten sie in Perioden bis 60 Grad aufgeheizt werden. Auch das ist im Haushalt keine Vorschrift. Da es zudem mehr Energie verbraucht und die Umwelt mehr schädigt, verzichten viele darauf – und setzen sich einem grösseren Risiko aus.

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Gefährliche mulitresistente Keime

Zu den grössten Gesundheitsgefahren weltweit gehört zudem die Ausbreitung von Keimen, gegen die kaum noch ein Antibiotikum wirkt. Man spricht von multiresistenten Erregern. Solche besonders gefährlichen Keime kommen vor allem in Spitäler, Praxen, aber auch in der Umwelt vor, unter anderem an Badeseen, Flüssen und Bächen.

Bereits im November 2015 hat der Bundesrat die Nationale Strategie Antibiotikaresistenzen der Schweiz (StAR) ins Leben gerufen. Die Schwerpunkte würden dabei klar auf dem Gesundheitsmanagement in Spitälern, Arztpraxen sowie in der Tierhaltung liegen.

Im vergangenen Jahr breiteten sich auch in Schweizer Spitälern Bakterien aus, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Es handelte sich dabei um Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), die vermutlich insbesondere von Reisenden aus Australien und Neuseeland in die Schweiz gebracht wurden.

Erstmals gab es im letzten Jahr auch offizielle Zahlen: Dem Schweizerischen Zentrum für Antibiotikaresistenzen zufolge starben 2015 276 Menschen infolge Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien. Insgesamt betrug die Zahl der Infektionen  7156.

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