USA

Mann versteckt sich aus Angst vor Corona drei Monate auf Flughafen

tsha

18.1.2021

A traveler wears a face mask as he walks through Terminal 3 at O'Hare International Airport in Chicago, Sunday, Nov. 29, 2020. Friday's total of new cases is the next-to-lowest daily number in the past 12 days, but Illinois state officials are bracing for another surge after many people around the country traveled for Thanksgiving and celebrated with family and friends. (AP Photo/Nam Y. Huh)
Reisender am Flughafen O'Hare: Drei Monate lang blieb ein Mann unbemerkt im Sicherheitsbereich des Airports.
Bild: Keystone

Drei Monate lang hat ein Mann unbemerkt auf dem Flughafen von Chicago gelebt – bis er vor wenigen Tagen aufgeflogen ist. Die zuständige Richterin spricht von einer «Gefahr für die Gemeinschaft».

Die Geschichte von Aditya Singh erinnert ein wenig an den Film «Terminal»: In der Komödie von Steven Spielberg spielte Tom Hanks 2004 einen Mann, der mehrere Jahre in einem Flughafen lebt, weil er nach einem Bürgerkrieg in seiner Heimat nicht mehr ausreisen darf. Auch Singh hat sich auf einem Flughafen häuslich eingerichtet – allerdings nicht für Jahre, sondern «lediglich» für drei Monate. Der Grund: Singh hatte Angst, ein Flugzeug zu besteigen – weil er fürchtete, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Wie die «Chicago Tribune» berichtet, musste sich Singh am vergangenen Sonntag vor einem Gericht in Cook County verantworten. Singh, ein 36-jähriger Mann aus Orange, einem Vorort von Los Angeles, soll am 19. Oktober am Chicagoer Flughafen O’Hare angekommen sein. Seitdem soll er sich unerkannt im Sicherheitsbereich des Airports aufgehalten haben. 

Erst am vergangenen Samstag wurde Singh entdeckt. Zwei Mitarbeiter von United Airlines hätten ihn angesprochen und nach seinem Ausweis gefragt. Singh habe ihnen daraufhin eine Dienstmarke gezeigt, die ein Flughafenmitarbeiter Wochen zuvor als vermisst gemeldet hatte. Wenig später wurde Singh verhaftet.

«Schockierende» Vorgänge

Vize-Staatsanwältin Kathleen Hagerty zufolge habe Singh angegeben, den Ausweis gefunden zu haben. Er habe bei seiner Verhaftung gesagt, er habe den Flughafen aus Angst vor dem Coronavirus nicht verlassen wollen. Andere Passagiere hätten ihn während der drei Monate mit Essen versorgt.

Die zuständige Richterin, so die «Chicago Tribune», habe die Vorwürfe gegen Singh zunächst nicht glauben können: «Wenn ich Sie richtig verstehe», zitiert die Zeitung Richterin Susana Ortiz, «dann sagen Sie mir, dass ein Mann, der dazu nicht autorisiert war und nicht am Flughafen arbeitet, vom 19. Oktober 2020 bis zum 16. Januar 2021 im Sicherheitsbereich eines Terminals des Airports O'Hare gelebt hat – und nicht entdeckt wurde?» Die Vorgänge seinen «schockierend», so Ortiz weiter.



Aditya Singh wird nun vorgeworfen, mit krimineller Energie in den Sicherheitsbereich einen Flughafens eingedrungen zu sein; ausserdem wird ihm Diebstahl in einem nicht schweren Fall zu Last gelegt. Singh, der nicht vorbestraft ist, muss Ende Januar erneut vor Gericht erscheinen.

In der ersten Anhörung bezeichnete Richterin Ortiz Aditya Singh als «Gefahr für die Gemeinschaft». Anders sieht das die für den Flughafen zuständige Behörde: Singh habe «kein Sicherheitsrisiko für den Flughafen oder seine Passagiere» dargestellt, heisst es in einer Stellungnahme, aus der die BBC zitiert.

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