Aviatik-Experte Moser: «Die Tante Ju fliegt auch in 50 Jahren noch»

Von Silvana Guanziroli

6.8.2018

Die Ju-52 zerschellte am Piz Segnas. 17 Passagiere, eine Flugbegleiterin und zwei Piloten kamen dabei ums Leben.
Bild: Keystone

Der Absturz der Ju-52 von vergangenem Samstag mit 20 Todesopfern hat die Schweizer Luftfahrt erschüttert. Von einem Aus für den Traditionsflieger wollen Aviatik-Experten aber nichts wissen. «Die Flugzeuge sind extrem robust gebaut», sagt Sepp Moser. «Sie können auch in 50 Jahren noch fliegen.»

Auf die Unglücksermittler wartet eine schwierige Aufgabe. 20 Menschen verloren am Samstag beim Absturz der Ju-52 am Piz Segnas ihr Leben. Sie waren auf der Rückreise von einem Wochenendausflug ins Tessin. Eine schnelle Aufklärung der Unfallursache ist derzeit nicht zu erwarten, die abgestürzte Maschine war bereits 79 Jahre alt, im Flieger gab es keinen Flugschreiber oder Stimmrecorder. «Über die Absturzursache kann deshalb nur spekuliert werden», sagt der Zürcher Aviatik-Experte und Journalist Sepp Moser (72).

Das Problem aber beim Alter der Maschine zu suchen, findet Moser zum jetzigen Zeitpunkt nicht richtig. «Die Flugzeuge der Ju-Air sind extrem robust gebaut. Sie wurden zudem enorm gut gewartet», sagt er. Mehrfach sass er selber als Passagier in einer Tante Ju. «Materialermüdung halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich bin davon überzeugt, dass die Flugzeuge auch in 50 Jahre noch fliegen können. Ich würde mich deshalb jederzeit wieder reinsetzen.»

Doch das Flugzeug kann nicht von jedem Piloten geflogen werden. «Die Tante Ju zu fliegen ist anspruchsvoll. Das kann man mit dem Lenken eines alten Lastwagens ohne Servolenkung vergleichen. Am Ende des Fluges spürt man definitiv, was man körperlich und geistig geleistet hat.»

Der Zürcher Aviatik-Experte Sepp Moser.
Bild: Keystone

Piloten wählten keine Ausweich-Route

Nach ersten Erkenntnissen stürzte das Flugzeug senkrecht in den Boden. Das lässt einen Strömungsabriss vermuten. Eine mögliche Ursache könnte die anhaltende Hitze sein, doch das ist für Moser derzeit eine zu einfache Erklärung. «Bei den Piloten hat es sich um sehr erfahrene Männer gehandelt, die genau wussten, was die Hitze für Auswirkungen auf die Dichtehöhe haben kann», sagt er. «So werden vor jedem Start dem Wetter entsprechende Berechnungen gemacht, die dann die Flugroute mitbestimmen.»

Für ihn steht fest: «Hätte die Hitze den Flug über den Piz Segnas nicht ermöglicht, dann wären die Männer über das Rheintal ausgewichen und so nach Dübendorf geflogen.» Doch auch der Aviatik-Experte muss anfügen: «Leider kann derzeit keine Unfallursache ausgeschlossen werden. Dazu gehört auch das menschliche Versagen.»

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