China legalisiert Handel mit Nashorn- und Tigerknochen

SDA/DPA

2.11.2018

Ein Siberischer Tiger sitzt im «Siberian Tiger Park» im chinesischen Harbin. China lockerte den zuvor verbotenen Handel mit Tiger- und Nashorn-Knochen.
Source: Diego Azubel

Die Knochen von Tigern und Nashörnern sollen künftig wieder in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden dürften. Naturschützer sind entsetzt von Pekings Kehrtwende.

 Chinas Lockerung des Handels und der Nutzung von Tigerknochen und Nashorn-Hörnern hat scharfe Kritik von Tierschützern ausgelöst. Als einen «enormen Rückschlag» für den Artenschutz verurteilte am Dienstag die Umweltstiftung WWF die angekündigte Aufhebung des bislang geltenden Verbots. China lockerte mit der Entscheidung ein 25 Jahre altes Gesetz. Der Staatsrat in Peking erlaubt nun den Handel mit Tigerknochen und den Hörnern von Nashörnern von gezüchteten Tieren unter «besonderen Umständen».

Nach der Mitteilung der Regierung soll die Verwendung von Nashornhörnern und Tigerknochen für Forschung und Heilung in der traditionellen chinesischen Medizin gestattet werden. Die Ausnahme für das 1993 in Kraft gesetzte Verbot gilt demnach für zertifizierte Krankenhäuser und Ärzte. Sie dürfen künftig Teile von Tieren nutzen, die in Gefangenschaft auf Farmen gezüchtet wurden. Der Handel werde «strikt kontrolliert» werden.

Bedrohte Tierarten

Tier- und Naturschützer kritisierten die neue chinesische Strategie. Der WWF warnte, dass die Wiederaufnahme eines legalen Marktes auch Tiere in freier Wildbahn in grosse Gefahr bringe. Es sei zu befürchten, dass nun auch illegale Produkte in den Handel fliessen. Gleichzeitig müssen davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage angeheizt wird und so der Wildereidruck auf freilebende Tiere weiter steigt. WWF-Chef für Wildlife Policy, Leigh Henry, nannte die Entscheidung «verheerend».

Widerspruch zu Chinas bisheriger Position

Der Schutz gefährdeter Arten sei Chinas «konsistente Position», erwiderte der chinesische Aussenamtssprecher Lu Kang am Dienstag auf die Kritik. Die Änderungen zielten darauf ab, Lücken in früheren Verordnungen zu schliessen. China habe die Bedenken zur Kenntnis genommen und sei bereit, den Austausch mit anderen Ländern zu intensivieren.

Nashorn- und Tigerteile wurden seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, um etwa Fieber, Lebensmittelvergiftungen oder Impotenz zu behandeln. Während führende Stimmen in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahren offiziell von der Verwendung von Nashorn- und Tigerteilen abgeraten haben, gab es jedoch weiterhin einen Untergrundhandel.

Die Tierschützer bezeichneten Pekings plötzliche Entscheidung als einen «deutlichen Widerspruch» zur bisherigen Haltung der chinesischen Führung. China hatte im vergangenen Jahr viel Lob geerntet, weil es den Handel mit Elfenbein nach Jahrzehnten verboten hatte.

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