Chinesischer Professor verschwindet nach Radiointerview

dpa

3.8.2018

Polizei in Peking (Archivbild)
Keystone

Ein regierungskritischer chinesischer Professor ist nach einem von der Polizei unterbrochenen Radiointerview eines staatlichen US-Senders verschwunden.

Sun Wenguang galt am Freitag weiter als vermisst. Er hatte am Mittwochabend mit dem Sender Voice of America gesprochen, als seiner Aussage nach ein halbes Dutzend Beamte in seine Wohnung in der ostchinesischen Stadt Jinan kamen. Es war zu hören, wie er sagte, er habe das Recht auf freie Meinungsäusserung, bevor die Kommunikationsverbindung verloren ging.

Voice of America meldete, Sun habe nicht auf Kontaktversuche reagiert. Vom Sender nicht identifizierte Quellen hätten aber gesagt, dass Sun in einem vom Militär betriebenen Hotel in Jinan festgehalten werde.

Der frühere Physikprofessor Sun kritisiert die kommunistische Regierung Chinas seit langem. Zuletzt protestierte der 84-Jährige gegen hohe Ausgaben für Entwicklungsprojekte im Ausland zu einer Zeit, da viele Chinesen arm seien. Eine Initiative des chinesischen Präsidenten Xi Jinping hat geschätzt eine Billion Dollar (mehr als 860 Milliarden Euro) für Häfen, Stromanlagen und andere Projekte eingeplant, die China mit Teilen von Asien, Europa und Afrika verbinden.

Sun hatte auch das Dokument «Charta 08» unterzeichnet, in dem demokratische Reformen gefordert wurden. Dessen Co-Autor Liu Xiaobo wurde 2010 der Friedensnobelpreis zugesprochen. Er starb vor einem Jahr in Haft. Wegen seiner Ansichten ist gegen Sun eine siebenjährige Gefängnisstrafe verhängt worden. Hinzu kommt, dass ihm ein Pass verweigert und seine Rente gekürzt wurde. Der US-Abgeordnete Chris Smith aus New Jersey forderte am Donnerstag die sofortige Freilassung des Professors.

Zurück zur Startseite