Bund warnt vor Ausbruch der Schweinepest in der Schweiz

Von Silvana Guanziroli

22.11.2019 - 11:43

In Deutschland wird bereits der Ernstfall geübt: Männer in Schutzanzügen tragen bei einer Übung einen Kadaver (Dummy) eines Wildschweins zum Entsorgungs-Container.
Keystone

Sie ist in Europa auf dem Vormarsch. Die Afrikanische Schweinepest befällt Wild- und Hausschweine und lässt sie elendig verenden. Der Bund befürchtet einen baldigen Ausbruch in der Schweiz.

Die neusten Schweinepest-Meldungen stammen vom Dienstag. In Polen, nahe der Grenze zu Deutschland, konnte bei zwei toten Wildschweinen der Erreger nachgewiesen werden. Damit steigt die Zahl der registrierten Fälle im Land auf deren 22. Tatsächlich tritt die Seuche auch schon weiter westlich in Erscheinung. Anfang November bestätigte das belgische Veterinäramt bei einem toten Wildschwein die Krankheit.

Es sind Meldungen, die Schweizer Experten beunruhigen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat mittlerweile für die Seuche die höchste Warnstufe ausgerufen. «Das Risiko für eine Einschleppung in die Schweiz ist hoch», sagt Nathalie Rochat, Leiterin der BLV-Medienstelle. «Um eine mögliche Ansteckung von heimischen Wildschweinen rasch zu erkennen und eine Ausbreitungzu verhindern, werden schweizweit alle tot aufgefundenen Wildschweine sowie Abschüsse von kranken Tieren und Unfallwild im Rahmen des nationalen Früherkennungsprogramms auf ASP untersucht.»

Bisherige Ausbreitung der Seuche (rot, rosa und blau). Die Afrikanische Schweinepest dringt immer weiter in Richtung Westeuropa vor. Es gibt Ausbrüche in Belgien und Polen.
Indicative map of EU Commission

Was ist die Afrikanische Schweinegrippe genau?

Für erkrankte Haus- und Wildschweine endet diese Virusinfektion fast immer tödlich. Gegen die Krankheit gibt es keine Schutzimpfung. Zur Verhinderung von einer weiteren Ausbreitung müssen infizierte Bestände komplett getötet werden.

Bei einem akuten Verlauf treten bei den Tieren folgende Symptome auf: hohes Fieber, plötzliche Todesfälle im Stall, Blauverfärbungen der Ohrspitzen und Extremitäten, Blutungen auf der Haut.

Treten diese Symptome auf, muss der Schweinehalter sofort die Behörden informieren.

Wie stecken sich die Tiere an?

Das Virus wird durch direkten Tierkontakt übertragen, dabei können auch Wildschweine die Seuche verbreiten. 2018 forderte der Deutsche Bauernverband 2018 deshalb die Tötung von 70 Prozent des landesweiten Wildschweinbestandes. Gegen die Massnahme formte sich grosser Widerstand.

Doch nicht nur die Tiere sind Gefahrenquelle. So ist das Virus in der Umwelt und in schweinefleischhaltigen Produkten lange ansteckend, es kann über Geräte, Transportfahrzeuge aber auch über den Menschen und seine Kleidung verschleppt werden.

Die Schweiz hat deshalb bereits die Einfuhr von lebenden Schweinen, Genetikprodukten, Fleisch, Fleischprodukten und tierischen Nebenprodukten von Schweinen aus Tschechien, Polen, Litauen, Estland, Lettland und Sardinien eingeschränkt. 

Diese Darstellung zeigt, wie das Virus übertragen werden kann. Von Wildschweinen, von anderen Hausschweinen, über die Kleidung des Menschen aber auch über Fleischprodukte.
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

Wie kann man sich vor der Seuche schützen?

Grundsätzlich gilt: Der Mensch kann sich mit dem Virus nicht anstecken, bei der Übertragung spielt er aber eine grosse Rolle. Auf diese Schutzmassnahmen muss er deshalb achten. 

So gelten für Reisende aus ASP-betroffenen Gebieten, insbesondere Tierhalter und Saisonarbeiter auf landwirtschaftlichen Betrieben die Regeln:

- Bringen Sie keine Fleisch- und Wurstwaren aus den betroffenen Gebieten mit.

- Das verfüttern von Küchenabfällen an Haus- und Wildschweine ist verboten.

- Entsorgen Sie Speiseabfälle generell in verschlossenen Müllbehältern.

- Reinigen Sie nach Jagden in betroffenen Ländern Jagdkleidung und Jagdgeräte intensiv.

- Führen Sie keine Jagdtrophäen ein. 

Was passiert bei einem Ausbruch? 

«Falls die Afrikanische Schweinepest in der Schweiz diagnostiziert wird, muss die Seuche durch enge Zusammenarbeit aller betroffenen Behörden im Veterinärwesen, in der Land- und Forstwirtschaft und in der Jagdaufsicht wirksam bekämpft werden», sagt Rochat. Und das hätte dann auch Auswirkungen auf den Menschen. 

«Die Schweinehaltung in der Schweiz wäre vorübergehend nur erschwert möglich», erklärt die BLV-Mediensprecherin. «In Waldabschnitten, wo die ASP bei Wildschweinen vorkommt, wäre die Jagd und die Waldwirtschaft eingeschränkt. Und beim Spaziergang im Wald gilt dann die Pflicht, auf dem Weg zu bleiben und den Hunde an der Leine zu führen.»

Bilder des Tages
Zurück zur Startseite