Erste Untersuchungsergebnisse nach Knochenfund im Vatikan-Konsulat 

SDA/APA/phi

23.11.2018

Polizei vor der vatikanischen Vertretung im Rom Ende Oktober 2018.
Keystone

Es ist der Stoff, aus dem Verschwöungstheorien gemacht sind: Roms Polizei hat die Knochen aus der Vatikan-Vertretung untersucht und präsentiert nun erste Erkenntnisse.

Die Knochen, die vor drei Wochen in einem Nebengebäude der diplomatischen Vertretung des Vatikan in Rom entdeckt wurden, gehören nicht der 1983 verschwundenen 15-jährigen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi. Sie stammen aus den Jahren vor 1964, wie die ersten Analysen der Funde gezeigt haben, die von der römischen Staatsanwaltschaft durchgeführt wurden.

Erinnerungen an Orlandi

Arbeiter hatten die Knochen bei Renovierungsarbeiten entdeckt: Die Überreste könnten zwei verschiedenen Personen gehören. Eine der beiden ist wohl ein Mann, zeigten nun die Untersuchungen, die andauern. Die Gebäude befinden sich auf exterritorialem Gebiet des Vatikans. Sowohl der Vatikan als auch die römische Staatsanwaltschaft hatten Untersuchungen eingeleitet.

Demonstranten frodern 2012 im Vatikan Aufklärung im Fall Orlandi.
Keystone

Nach dem Knochenfund war spekuliert worden, dass es sich um die Überreste Orlandis handeln könnte. Die Tochter eines Vatikanbeamten war am 22. Juni 1983 nach dem Musikunterricht nicht mehr nach Hause gekommen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. In den vergangenen Jahren hatte es teilweise abenteuerliche Spekulationen über die Hintergründe des Falls gegeben.

Von türkischen Nationalisten und mafiösen Strukturen

So wurde vermutet, dass Orlandi von der rechtsextremen türkischen Gruppe «Graue Wölfe» entführt worden sei, um die Befreiung des Papst-Attentäters Mehmet Ali Agca zu erreichen, der 1981 festgenommen worden war. Eine weitere These lautet, dass sie von Mitgliedern einer Verbrecherorganisationen entführt wurde, um Druck auf Vatikanverantwortliche auszuüben, geliehenes Geld zurückzuzahlen.

Selten, aber wahr – Papstbesuche in der Schweiz:

Emanuelas Bruder Pietro wirft dem Vatikan Vertuschungsversuche vor. Offiziell liegen keine konkreten Erkenntnisse über das Schicksal Orlandis vor. 40 Tage zuvor war ein weiteres Mädchen, Mirella Gregori, in Rom verschwunden. Nach Angaben ihrer Mutter hatte sie ihren Eltern nach einem Gespräch über die Gegensprechanlage gesagt, ein Schulfreund wolle sie kurz sprechen, sie gehe nur schnell nach draussen. Sie kam nie zurück. Die Ermittler schlossen damals einen Zusammenhang der beiden Fälle nicht aus.

Die Bilder des Tages:

Zurück zur Startseite