«Der ganze Ort steht in Flammen»

dpa

1.7.2021 - 11:00

Mit fast 50 Grad Celsius wurde im Dorf Lytton Kanadas «Allzeit-Temperaturrekord» gebrochen. Nun steht der Ort in Flammen. Unterdessen wird die Extrem-Hitze in Nordamerika für Hunderte Todesfälle verantwortlich gemacht. 

dpa

1.7.2021 - 11:00

Nach tagelangen Hitzerekorden haben die Bewohner der kanadischen Ortschaft Lytton wegen lodernder Flammen aus ihren Häusern fliehen müssen. Bürgermeister Jan Polderman habe am Mittwochabend die Evakuierung des Ortes in der Provinz British Columbia angeordnet, berichtete der TV-Sender CBC.

«Es ist schrecklich. Die ganze Stadt steht in Flammen», sagte er dem Sender. «Es dauerte etwa 15 Minuten von den ersten Rauchanzeichen bis zu dem Punkt, an dem plötzlich überall Feuer war.» Zuvor hatte Lytton drei Tage in Folge Hitzerekorde verzeichnet.

49,6 Grad Celsius hatte das Thermometer nach Angaben der Wetterbehörde am Dienstag in dem Ort mit etwa 250 Einwohnern angezeigt, ein «Allzeit-Temperaturrekord». Lytton liegt rund 260 Kilometer nordöstlich von Vancouver. Wegen der Brände mussten sich nun viele Bewohner teils ohne ihr Hab und Gut in Sicherheit bringen, wie CBC berichtet. Die Feuerwehr meldete auf Twitter mehrere Brände in der Gegend. Angaben zu den Ausmassen lagen zunächst nicht vor.

Die anhaltende Hitzewelle im Westen Kanadas hat nach Angaben der Behörden bereits zu Hunderten Todesfällen beigetragen. Von Freitag bis Mittwoch waren in British Columbia 486 plötzliche und unerwartete Todesfälle gemeldet worden, hatte die Gerichtsmedizin der Westküsten-Provinz mitgeteilt. Diese Zahl werde vermutlich noch steigen. Sie liege 195 Prozent über dem üblichen Durchschnitt eines vergleichbaren Zeitraums. Die Behörde ging davon aus, dass der starke Anstieg mit der extremen Hitze zusammenhängt. 

Kais Bothe relaxes in the cool in the city hall pool, as temperatures hit 37 degrees Celsius in Edmonton, Alberta, on Wednesday, June 30, 2021. (Jason Franson/The Canadian Press via AP)
In Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta suchen Einwohner am Mittwoch im kühlen Nass Erholung von der Hitze. 
Bild: Keystone/The Canadian Press via AP/Jason Franson

Dutzende Tote auch in USA

Neben Kanadas Westen erleben derzeit auch die benachbarten US-Staaten Washington und Oregon eine Hitzewelle mit zahlreichen Toten. Allein im Bezirk Multnomah County, der mit Portland die grösste Stadt Oregons einschliesst, seien seit Beginn der grossen Hitze am Freitag 45 Menschen im Zusammenhang mit den exzessiven Temperaturen gestorben, teilte die Behörde für Gerichtsmedizin am Mittwoch (Ortszeit) mit. In Oregons nördlichem Nachbarstaat Washington stieg die Zahl der Toten auf 13, wie die Zeitung «The Seattle Times» am Mittwoch berichtete.

The remains of vehicles at one of two garages that were burned in Church fire in downtown Kelseyville, Calif., Saturday, June 26. 2021. The National Weather Service said unprecedented heat will not only threaten the health of residents in the Inland Northwest but will make our region increasingly vulnerable to wildfires and intensify the impacts of our ongoing drought. (Kent Porter/The Press Democrat via AP)
Auch im Westen der USA, wie hier im kalifornischen Kelseyville, sorgen Feuer derzeit für Verwüstungen. 
AP

Viele der Toten in und um Portland seien im Alter zwischen 44 und 97 Jahren gewesen und hätten bereits gesundheitliche Probleme gehabt, hiess es im Bericht der Gerichtsmedizin weiter. Sie seien alleine und ohne Klimaanlage oder Ventilator tot aufgefunden worden. Die vorläufige Todesursache lautet demnach Hyperthermie – eine gefährliche Überhitzung des Körpers durch Einwirkung von aussen.

In Portland waren die Temperaturen zeitweise auf 47 Grad geklettert. Multnomah County öffnete am vergangenen Freitag drei «Kühlungszentren», darunter das Kongresszentrum von Portland. In den Lokalitäten übernachteten dem Bericht der Gerichtsmedizin zufolge mehr als 1000 Menschen, mehrere Hunderte hätten tagsüber dort Zuflucht vor der Hitze gefunden und seien auch mit Wasser und Mahlzeiten versorgt worden. Am Mittwochmorgen wurden die Zentren wieder geschlossen, weil die Temperaturen auf ihr für die Jahreszeit übliches Niveau sanken.

dpa