Die nächsten Gewitter sind schon unterwegs

sda

21.6.2021 - 22:54

Unwetter mit Hagel haben die Einsatzkräfte in den letzten Tagen beschäftigt und Schäden von Dutzenden Millionen Franken verursacht. Die nächsten Gewitter sind schon unterwegs.

sda

21.6.2021 - 22:54

Am Montagabend haben Unwetter in verschiedenen Regionen der Schweiz für Überschwemmungen und Behinderungen des Zugverkehrs gesorgt. Ein Unwetter mit Hagelschauern hielt die Feuerwehr im Kanton Luzern auf Trab. Fast 300 Feuerwehrleute standen im Einsatz.

Auch im Kanton Zug gab es nach einem Gewitter mit Hagel zahlreiche Schadensmeldungen. 220 Meldungen gingen am Abend bei der Einsatzleitzentrale nach einem heftigen Hagelschauer ein, wie die Zuger Polizei auf Twitter mitteilte. Innert einer Stunde standen in sechs Zuger Gemeinden etliche Keller, Tiefgaragen und Strassen unter Wasser. Personen wurden keine verletzt.

Der Bahnhof Rotkreuz stand gemäss Zuger Polizei aufgrund des heftigen Gewitters am Abend unter Wasser. Der Bahnverkehr wurde teilweise eingestellt. Zwischen Rotkreuz und Cham sowie zwischen Rotkreuz und Immensee verkehrten Ersatzbusse. Kurz vor Mitternacht war die Strecke zwischen Luzern und Zug wieder frei.

115 Meldungen in eineinhalb Stunden

Im Kanton Luzern gingen 115 Meldungen wegen Unwetterschäden allein zwischen 18 Uhr und 19:30 Uhr bei der Luzerner Polizei ein, wie diese am Abend mitteilte. Neben umgestürzten Bäumen betrafen die Meldungen auch überschwemmte Unterführungen und Keller.



Das Unwetter mit Hagelschauern überzog Teile des Kantons Luzerns, vom Entlebuch über die Region Rothenburg/Emmenbrücke bis ins Rontal. Am stärksten betroffen waren gemäss Polizei die Gemeinden Root, Meierskappel, Ebikon, Dierikon Emmen und Buchrain. Aus dem nördlichen Kantonsteil gab es dagegen keine Schadensmeldungen. Insgesamt waren 14 Feuerwehrkorps mit rund 300 Personen an mehr als 130 Ereignisorten im Einsatz.

Nächste Gewitter ziehen auf

Am frühen Dienstagmorgen kam es laut «SRF Meteo» in den Kantonen Waadt und Freiburg bereits zu den nächsten Gewittern. Im Laufe des Tages steige die Gewitterneigung gemäss Meteonews schweizweit wieder an – einzige Ausnahme sei Graubünden. 

In den nächsten Tagen soll es ähnlich weiter gehen. Gemäss SRF Meteo bleibt bis am Donnerstag die Gefahr von lokal kräftigen Gewittern erhöht.

Millionen-Schäden wegen grossen Hagelkörnern

Die teils golfballgrossen Hagelkörner haben Schäden von Dutzenden Millionen Franken verursacht. Dass der Hagel in der Schweiz nach den Überschwemmungen die «zweitteuerste» Naturgefahr sei, habe das Unwetter deutlich gezeigt, schreibt die Versicherungsgesellschaft Mobiliar. Einige Minuten genügten, um Schäden in Millionenhöhe zu verursachen – an Fahrzeugen, Gebäuden und in der Landwirtschaft.

Die Versicherung Schweizer Hagel, welche landwirtschaftliche Kulturen von rund 30'000 schweizerischen Landwirtschaftsbetrieben versichert, geht nach den Unwettern von Freitag bis Montag von 2500 Meldungen mit einer Schadensumme in der Höhe von 18 Millionen Franken an versicherten Kulturen aus, wie sie am Dienstag mitteilte.

Die AXA geht gemäss Hochrechnung von 11'000 Meldungen mit Schäden in Höhe von geschätzt 45 Millionen Franken für die vergangenen Tage aus. Die Versicherung Allianz Suisse wiederum rechnet mit rund 7000 bis 8000 Schadenfällen und einer Schadensumme von rund 20 Millionen Franken.

Superzelle bringt grosse Hagelkörner

Dass derart grosse Hagelkörner zu Boden prasselten – welche etwa Scheiben von Autos einzuschlagen vermochten – ist auf eine sogenannte «Superzelle» zurückzuführen, wie SRF Meteo am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Bei einer solchen nimmt der Wind mit der Höhe stark zu und ändert deutlich seine Richtung. Sie hat so einen rotierenden Aufwindbereich.

Diese spezielle dreidimensionale Anordnung in der Wolke von Auf- und Abwindbereichen begünstigt die mehrfache auf- und abwärts gerichtete Zirkulation von Niederschlagsteilchen. Die Teilchen haben so genügend Zeit, um zu grossen Hagelkörnern von mehreren Zentimetern heranzuwachsen. Zudem bringen sie in ihren Abwindbereichen manchmal schwere Sturmböen mit sich – und ihre typischen bodennahen Strömungsmuster bieten gute Voraussetzungen zur Entstehung von Tornados.