Ist «Sniffy» bereits in der Schweiz? Frankreich will koksähnliches Pulver verbieten

dmu

17.6.2024

Frankreich erwägt ein Verbot des weissen Pulvers «Sniffy», das wie Kokain durch die Nase konsumiert wird.
Frankreich erwägt ein Verbot des weissen Pulvers «Sniffy», das wie Kokain durch die Nase konsumiert wird.
Smybolbild: Imago

Die französischen Behörden wollen «Sniffy» verbieten. Das weisse Energiepulver erinnert in Aussehen und Konsumart stark an Kokain. Auch Schweizer Suchtexperten warnen vor dem Produkt.

dmu

17.6.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das weisse Pulver «Sniffy» wird wie Kokain durch die Nase geschnupft.
  • Obwohl die Inhaltsstoffe legal sind, ist das Produkt ins Visier der französischen Behörden geraten.
  • Schweizer Suchtexperten warnen vor möglichen gesundheitlichen Risiken und einer Normalisierung des Kokainkonsums.

«Sniffy» heisst das weisse Pulver, das der französische Staatssekretär für Gesundheit, Frédéric Valletoux, verbieten lassen will. Der Grund: Die Anwendung erinnere stark an den Konsum von Kokain. Der Hersteller werbe auf der Website auch damit, das Pulver mit einem Strohhalm zu schnupfen. Das bezeichnet Valletoux als «Schweinerei», wie die «Tribune de Genève» berichtet.

Das weisse Pulver besteht aus Koffein, Taurin, Kreatin und weiteren Substanzen wie Beta-Alanin und Maltodextrin – alles legale Stoffe. Mit dem Konsum sollen gemäss Hersteller «die Muskelmasse erhöht und die Erholung verbessert» werden. «Sniffy ist völlig legal. Auch wenn es sich um ein weisses Pulver handelt, das durch die Nase inhaliert wird, darf man keine falschen Schlüsse ziehen», schreibt der Hersteller auf der Webseite.

Über eine mögliche Verbreitung in der Schweiz ist bislang nichts bekannt. Dennoch sind Suchtexperten alarmiert: «Für diejenigen, die bereits illegale Substanzen schnupfen, normalisiert es die Handlung, und für Anfänger stellt es eine Einladung dar», sagt Jean-Michel Imhof, Verantwortlicher des Hilfe- und Präventionszentrums (CAP) der Stiftung Le Levant in Lausanne, zur «Tribune de Genève».

Fehlende Daten zur Schädlichkeit

Störend sei auch, dass die Zielgruppe vor allem Jugendliche seien und das Produkt aufgrund der tiefen Kosten (rund 15 Euro) relativ einfach zu erhalten sei. «Jugendliche zu einer Konsummethode zu ermutigen, die der Methode gleicht, die auch für Kokain verwendet wird, und die ebenfalls süchtig machende Eigenschaften hat, sollte als Straftat angesehen werden», so Imhof.

Zur tatsächlichen Schädlichkeit des Pulvers fehle gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Datengrundlage noch. BAG-Sprecherin Céline Reymond sagt aber zur Zeitung: «Es ist sicher, dass das Schnupfen die Nasenschleimhäute reizen kann und dass wiederholter Konsum in dieser Form morphologische und funktionelle Veränderungen der Schleimhäute verursachen kann. Daher ist es besser, auf den Konsum solcher Produkte zu verzichten.»

Gemäss Jean-Michel Imhof können auch Herzprobleme nicht ausgeschlossen werden: «Wir hatten Fälle von Unwohlsein bei jungen Menschen, die zu viele Getränke wie Red Bull konsumiert hatten.» Die «Sniffy»-Hersteller bewerben die Wirksamkeit des Pulvers mit «Eine Linie entspricht drei Red Bull».


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