2018 – kein gutes Jahr für Hellseher

18.12.2018 - 11:40, Ira Schaible, DPA

Ein Verein von Skeptikern überprüft jedes Jahr die Vorhersagen von Wahrsagern. Die Zunft lag demnach auch 2018 oft völlig daneben und wird in ihren Prognosen zugleich diffuser. Der Astrologen-Verband kritisiert die Vorgehensweise.

Deutschland wird wieder Fussballweltmeister. Das war 2018 eine Vorhersage, die nicht falscher hätte sein können. Und das war kein Einzelfall. «Auch 2018 lag die Augurenzunft oft spektakulär daneben», teilte die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) unlängst mit.

«Wie gewohnt, fielen die Weltuntergänge aus, und die Katastrophenprognosen waren so schwammig, dass sie nicht zu bewerten waren», stellt die GWUP fest. Verschiedene Katastrophenszenarien seien zwar erneut ein Schwerpunkt der Vorhersagen gewesen – allerdings oft ganz allgemein oder diffus. «Erdbeben in Asien, Wirbelstürme in der Karibik, Waldbrände in Kalifornien – das alles gibt es in jedem Jahr, doch ohne genauere Hinweise auf Zeit und Ort sind solche Voraussagen vollkommen wertlos», sagt der Mathematiker Michael Kunkel.

Kunkel hat in diesem Jahr knapp 100 Texte aus Büchern, astrologischen Almanachen, von Webseiten, aus YouTube-Videos und Presseartikeln für die GWUP unter die Lupe genommen.

Geburt einer rosa Kuch in China

Manche Vorhersagen dienten bestenfalls der Belustigung des Publikums, schreibt die GWUP. Als Beispiel nennt sie «das kanadische Medium Nikki Pezaro». Die Frau habe unter anderem die Entdeckung eines etwa drei Meter grossen Riesenkaninchens, die Geburt einer rosa Kuh in China und einen Banküberfall eines Papageien vorausgesagt.

«In Deutschland sind genaue oder unterhaltsame Prognosen sehr selten», sagt Kunkel. Aber auch für ausländische Hellsehern, Astrologen, Zukunftsdeuter und Wahrsager gelte: «Es ist noch unkonkreter geworden.» So gebe es vor allem «vieldeutige Aussagen im Konjunktiv, in die man alles oder nichts hineininterpretieren kann», so die GWUP.

Bei der Hochzeit des britischen Prinzen Harry und der US-Schauspielerin Meghan Markle seilte sich – entgegen einer Vorhersage – nicht der Ex-Freund der Braut vom Dach der Hochzeitskirche ab. Er lieferte sich auch keinen Boxkampf mit dem Bräutigam. Die ebenfalls prognostizierte Schwangerschaft der Herzogin von Sussex sei zwar zutreffend, hält die GWUP fest. Aber: «Ein spektakulärer Prognosetreffer sieht anders aus.»

Bei der WM 2018 Kater Achilles das offizielle Orakel.

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Branche schämt sich für unseriöse Vorhersagen

Der Mainzer Kunkel hat im Laufe der Jahre festgestellt: «Es wird das vorausgesagt, was man kennt und schon einmal erlebt hat.» So habe die Vorhersage von Tsunamis erst nach der Katastrophe an Weihnachten 2004 mit rund 230'000 Toten begonnen. Attentate auf Päpste sähen die Hellseher erst seit dem Angriff auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 voraus.

Es gebe eine Reihe unseriöser Vorhersagen, die für die eigene Zunft peinlich seien und die der GWUP ruhig durch den Kakao ziehen könne, sagte der Vorsitzende des Deutschen Astrologen-Verbands (DAV), Klemens Ludwig. Fussball-WM-Prognosen halte er ohnehin für fragwürdig, denn normalerweise gehe es bei Fussballvorhersagen um den Aszendenten der Heim- und den Deszendenten der Auswärtsmannschaft. Eine Prognose sei nur auf der Basis eines konkreten Horoskops möglich, etwa eines Geburtstags, einer Stadtgründung oder eines anderen Ereignisses.

Wenn Kunkel und die GWUP vorurteilsfrei an die Vorhersagen gingen, «müssten sie jedoch merken, dass nicht alles Unsinn war», behauptet Ludwig. Als Beleg dafür verweist der Astrologe auf zwei seiner eigenen Prognosen von Anfang des Jahres: 2018 werde friedlicher als die vorherigen Jahre, und die neue Bundesregierung werde auf schwachen Füssen stehen.

Glaube versetzt Berge

Die Astrologie habe keine Belege für ihre Konzepte oder ihre Vorhersagegüte, sagte dagegen Fredi Lang vom Berufsverband Deutscher Psychologen. Der Glaube versetze vielmehr Berge und führe zu allerlei Überzeugungssystemen. Viele Menschen fühlten sich zu solch einfachen Systemen hingezogen, weil sie Unsicherheiten abbauen wollten, Orientierung oder eine positive Antwort auf alle Fragen des Menschen suchten. In ihren persönlichen Vorhersagen bedienten viele Wahrsager das Wunschdenken ihres Gegenübers. «Sie fühlen sich ein, um was es demjenigen geht», so Lang.

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