Paläontologie

Geheimnis um Steinzeit-Babys von Krems gelüftet

SDA/uri

6.11.2020 - 13:57

Die Kremser Steinzeit-Zwillinge – ein einzigartiger Fund, da sonst keine Zeugnisse von Säuglingsbestattungen aus der Zeit des frühen Homo sapiens existieren. Dank dem Umstand, dass die sterblichen Überreste mit einer Mammutschulter zugedeckt waren, gab es erstaunlich gutes Genmaterial. (zVg)
Source: Österreichische Akademie der Wissenschaften

Im Jahr 2005 wurde beim österreichischen Krems eine rund 31'000 Jahre alte Grabstätte mit zwei Neugeborenen entdeckt. Wissenschaftler konnten nun mit modernsten Methoden das Schicksal der Kinder ergründen.

Einem interdisziplinärem Forscherteam ist es gelungen, die Hintergründe der weltweit einzigartigen steinzeitlichen Grabstätte von Krems in Niederösterreich zu klären.

Der Fund sei «einzigartig»,  sagte Christine Neugebauer-Maresch vom Instituts für Orientalische und Europäische Archäologie (OREA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Bislang habe man nämlich noch keine Skelette von Kleinkindern bis drei Jahren aus der Zeit des frühen Homo sapiens gehabt. Zudem seien es die ersten Skelette aus der Altsteinzeit, die man in Österreich gefunden hat», so Neugebauer-Maresch.

Männliche eineiige Zwillinge

Die Genomanalyse der Forscher ergab, dass es sich bei den Säuglingen um männliche eineiige Zwillinge handelte. Der eine starb kurz nach der Geburt, der andere nach ein paar Wochen; er wurde nachbestattet. Durch den Nachweis von Barium im Zahnschmelz konnte festgestellt werden, dass beide Kinder gestillt wurden, der früh verstorbene allerdings nur versuchsweise.



In der Nähe der Zwillinge wurde auch ihr etwa drei Monate alter Cousin beigesetzt. Bei ihm war das sogenannte Bariumsignal nicht vorhanden, er wurde also nicht gestillt, was möglicherweise seinen Tod mitverursachte.

«Leidvolle Episode»

Die genetischen Nachweise von Geschlecht, Alter und Verwandtschaft waren keine Selbstverständlichkeit: «Eine Mehrlingsbestattung aus paläolithischer Zeit zu entdecken, ist an sich schon eine Besonderheit. Dass sich aus den fragilen, kindlichen Skelettresten ausreichend und qualitativ hochwertige alte DNA für eine Genomanalyse extrahieren würde lassen, übertraf allerdings alle unsere Erwartungen und kann mit einem Lotto-6er verglichen werden», so die Anthropologin Maria Teschler-Nicola.

Insgesamt würden die Untersuchungsergebnisse auf «eine vermutlich leidvolle Episode der Nahrungsversorgung einer paläolithischen Jäger-Sammler-Gruppe hindeuten, die vor etwas mehr als 30'000 Jahren am Wachtberg ihr Lager errichtet hatte», so die Anthropologin


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