Die Mutter aller Seuchen? Pest wütete bereits vor 5'000 Jahren in Europa

tghi

7.12.2018

In den Überresten einer Steinzeit-Skandinavierin fanden Forscher Hinweise auf eine Pestinfektion.
Karl-Göran Sjögren/Univ. of Gothenburg

Ein 5'000 Jahre altes Massengrab in Schweden förderte eine schreckliche Erkenntnis zu Tage: Schon damals wütete eine hochinfektiöse Version der Pest!

Knochen über Knochen: Im westschwedischen Gökhem wurden Ende der 90-er die Überreste von 78 Menschen entdeckt, die dort vor rund 5'000 Jahren begraben wurden. Darunter befand sich das bislang wohl älteste bekannte Opfer der Pest, wie Wissenschaftler der Universität Kopenhagen nun herausgefunden haben.

In der aus den Zähnen einer jungen Frau extrahierten DNA fand das Forscherteam einen Stamm von Yersinia pestis, dem Bakterium, das die Pest verursacht. Spuren des gleichen Stammes mit den genetischen Merkmalen der hochinfektiösen Lungenpest wurden auch bei einer anderen Person aus dem Massengrab gefunden.

Pandemie in der Jungsteinzeit

In ihrem Artikel für die Fachzeitschrift «Cell» deuten die Wissenschaftler den Fund als Beleg für eine verheerende Pandemie, die die Bauern der Jungsteinzeit heimsuchte und damit die Voraussetzung für eine massive Migration aus dem Osten schuf. «Dies ist die früheste Form der Pest, von der wir wissen», erklärt Simon Rasmussen von der Universität Kopenhagen seine Erkenntnisse. «Der massive Bevölkerungsrückgang ermöglichte es den Menschen, nach Europa zu wandern», sagte Rasmussen. «Als das passierte, veränderte es die genetische Ausstattung der frühen Europäer völlig. Es hat die Europäer zu dem gemacht, was sie heute sind.»

Vergleiche des neu entdeckten Bakterienstammes mit anderen alten und modernen Stämmen lassen zudem darauf schliessen, dass sich der Pest-Erreger aus dicht besiedelten Landwirtschaftsgemeinden im heutigen Rumänien und Moldawien über frühe Handelsrouten in andere Länder verbreitete – sowohl östlich nach Sibirien als auch nordwestlich nach Europa bis nach Skandinavien. In diesen eurasischen Mega-Siedlungen sollen zehntausende Menschen unter schrecklichen hygienischen Bedingungen und in engem Kontakt mit Tieren gelebt haben – «ein klassisches Beispiel dafür, was nötig ist, damit sich neue Krankheitserreger entwickeln und verbreiten können», so Rasmussen.

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