Häftling nimmt Wärter als Geisel – Polizei erschiesst Täter

dpa/phi

16.10.2020 - 13:25

Einsatzkräfte ziehen nach der beendeten Geiselnahme auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Münster ab. 
Source: Bernd Thissen

Grosseinsatz der Polizei in Münster. Im Gefängnis bedroht ein Häftling eine Bedienstete. Nach gut drei Stunden ist die Geisel befreit, der Täter wird erschossen. Der Mann wäre bald entlassen worden.

Ein Häftling ist bei einem Polizeieinsatz in der JVA Münster erschossen worden, nachdem er vorher eine Bedienstete als Geisel genommen hatte. Das bestätigte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Justizministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Der Mann wäre demnach in gut drei Wochen entlassen worden. Laut «Bild» soll er die Bedienstete mit einer Rasierklinge bedroht und einen Hubschrauber verlangt haben. Die Polizei hatte gegen 10 Uhr via Twitter mitgeteilt: «Einsatzlage beendet. Geisel unverletzt befreit. Der Täter ist bei dem Einsatz ums Leben gekommen.» Die Polizei war gegen 6:30 Uhr alarmiert worden. Sie war mit einem Grossaufgebot an der JVA im Einsatz.

Die Justizvollzugsanstalt Münster liegt mitten in der Stadt. Wegen des Einsatzes war der Strassenverkehr im Umfeld gestört. Der Täter soll laut «Bild» eine viermonatige Haftstrafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte abgesessen haben. Laut Justizministerium wäre er am 10. November bereits wieder entlassen worden. Sein Motiv ist noch unklar. Die Geisel blieb nach ersten Angaben unverletzt: Es handelt sich um eine 29-jährige Justizbeamtin.

Das Gefängnis in Münster ist nur noch zum Teil mit Gefangenen belegt. Seit Jahren ist ein Neubau im Osten der Stadt geplant. Der Bau soll 2025 bezogen werden. 2016 musste ein Teil der JVA innerhalb von 48 Stunden geräumt werden, weil Teile des denkmalgeschützten Gebäudes als einsturzgefährdet galten.

16.10.2020, Nordrhein-Westfalen, Münster: Mitarbeiter der Spurensicherung besprechen sich vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster. Ein Häftling ist bei einem Polizeieinsatz in der JVA Münster ums Leben gekommen, nachdem er vorher eine Person als Geisel genommen hatte Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Bernd Thissen)
Mitarbeiter der Spurensicherung besprechen sich am 16. Oktober vor dem Eingang der Justizvollzugsanstalt Münster. 
Bild: Keystone

Die Evakuierung des 160 Jahre alten Bereiches hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die rund 500 Häftlinge wurden kurzfristig auf andere Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen verlegt.

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