Häusliche Gewalt – täglich kommt es in der Schweiz zu 50 Angriffen

Silvana Guanziroli

25.3.2019 - 14:13

Über die Hälfte aller Tötungsdelikte in der Schweiz geschieht in den eigenen vier Wänden. (Symbolbild)
Bild: Keystone

2018 ist es im Bereich der häuslichen Gewalt zu deutlich mehr Vorfällen gekommen. Über 18'000 Mal schlugen, nötigten oder vergewaltigten die Täter ihre Opfer. In 27 Fällen endeten die Angriffe tödlich. Das zeigt die neue polizeiliche Kriminalstatistik.

In den eigenen vier Wänden kommt es jeden Tag zu mindestens 50 Angriffen. Und die Täter gehen mit roher Gewalt vor. Es kommt zur Vergewaltigung, einfacher Körperverletzung, Drohung und Erpessung. Bei Polizei und Staatsanwaltschaft wurden 2018 insgesamt 18'522 Anzeigen erstattet. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 8,8 Prozent. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn längst nicht alle Opfer von häuslicher Gewalt melden sich bei den Behörden, heisst es von Experten der Gewaltprävention.

Bevor die Opfer eine Anzeige erstatten, haben sie in der Regel ein jahrelanges Martyrium hinter sich. Gerade bei emotionalen Beziehungen, wie bei einem Ehepaar, kann sich die Gewalt über die Jahre massiv steigern. Im schlimmsten Fall führt die Auseinandersetzung sogar zum Tod. Im Bereich der häuslichen Gewalt kam es 2018 zu 27 Tötungsdelikten.

Es ist eine Zahl, die aufschreckt. Denn sie zeigt, mehr als die Hälfte aller tödlichen Angriffe passieren in den eigenen vier Wänden. 50 Menschen wurden in der Schweiz 2018 ermordet.

Tatmittel Messer

Die Kriminalstatistik zeigt auch auf, mit welchen Mitteln die Täter handelten. Die häufigste tödliche Attacke erfolgte demnach mit einer Schneid- oder Stichwaffe (54 Prozent), gefolgt von Körpergewalt (22,1 Prozent) und dem Einsatz von Schusswaffen (11,1 Prozent).

50 Menschen sind 018 in der Schweiz ermordert wurden. Diese Waffen haben die Täter eingesetzt.
Polizeiliche Kriminalstatistik PKS

Nach polizeilicher Kriminalstatistik sind 2018 in der Schweiz insgesamt 547'467 Straftaten verübt worden. Der Hauptteil davon sind Verstösse gegen das Strafgesetzbuch, gefolgt von Delikten im Betäubungsmittelbereich und solchen gegen das Ausländergesetz. 

Der Hauptteil der Straftaten waren Verstösse gegen das Strafgesetzbuch (432'754 Straftaten).
Polizeiliche Kriminalstatistik PKS

Den grössten Anteil machen hier Vermögensdelikte aus, mit insgesamt 288'655 Anzeigen. Auffallend hier: Die Betrugsdelikte haben am deutlichsten zugenommen. Um 23,1 Prozent auf total 16'319 Fälle. 

Frauen werden in der Schweiz deutlich weniger straffällig.
Polizeiliche Kriminalstatistik PKS

Und auch zu den Täterprofilen gibt es spannende Erkenntnisse aus der Kriminalstatistik. Am häufigsten werden männliche Teenager zwischen 15 und 19 Jahren straffällig. Gefolgt von jungen Männer im Alter von 20 bis 29 Jahren. Frauen dagegen geraten deutlich weniger mit dem Gesetz in Konflikt.

Und wo finden die meisten Straftaten im Verhältnis zur Wohnbevölkerung statt? Auch hier liefert die Kriminalstatist Antworten. In den Grenzstädten Basel und Genf liegt die Anzahl Delikte pro 1'000 Einwohner bei über 100. Im Bündnerland dagegen liegt die Quote bei unter 40. 

In Genf und Basel kam es 2018 gemessen an der Wohnbevölkerung zu den meisten Delikten (rot).
Polizeiliche Kriminalstatistik

Und auch auf die Frage, welche Nationalität besonders häufig mit dem Gesetz in Konflikt kommt, gibt es eine Antwort. 60,5 Prozent der Beschuldigten waren Schweizer Staatsangehörige (38'596 Beschuldigte), 39,5 Prozent ausländische Staatsangehörige mit einer Niederlassungsbewilligung oder einer Jahresaufenthaltsbewilligung (25'148 Beschuldigte). Und im Asylbereich ist die Zahl der Beschuldigten mit 3'607 im Vergleich zum Vorjahr stabil gebieben. 

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