Kältewelle in USA

Tote und vier Millionen Menschen ohne Strom

ap/dpa

16.2.2021 - 03:43

Snowboarden in der Innenstadt der texanischen Stadt Austin, wo Schnee selten liegen bleibt. (15. Februar 2021)
Snowboarden in der Innenstadt der texanischen Stadt Austin, wo Schnee selten liegen bleibt. (15. Februar 2021)
Bild: Keystone/Jay Janner /Austin American-Statesman via AP

Texas ist eher für Hitzewellen im Sommer bekannt. Die arktische Kaltfront hat mehrere US-Staaten im Griff. In Minnesota war es mit minus 39 Grad Celsius am kältesten.

Ein Kälteeinbruch hat im US-Teilstaat Texas vermutlich zwei Menschen das Leben gekostet. Für mehr als vier Millionen Menschen fiel die Stromversorgung aus. Zumindest am Dienstag könnten viele Häuser wohl nicht beheizt werden, erklärten die Behörden. Die Lieferung von Coronavirus-Impfstoffen kam zum Erliegen. 3000 Flüge wurden abgesagt, 1600 davon an den Flughäfen Dallas/Fort Worth und Bush Intercontinental in Houston.

Beide Flughäfen wurden am Montag bis mindestens Dienstagnachmittag (Ortszeit) geschlossen. Auch die grösste Raffinerie der USA in Port Arthur machte wegen der Kälte dicht. In Dallas/Fort Worth wurden Temperaturen um minus 15 Grad Celsius gemessen. Das waren drei Grad weniger als in Moskau.

Eine arktische Kaltfront hat weite Teile der USA im Griff. Die Gouverneurin von Kansas, Laura Kelly, rief bei Temperaturen um minus 34 Grad Celsius den Katastrophenfall aus. Ebenso Gouverneur Greg Abbott für ganz Texas. US-Präsident Joe Biden schaffte die Voraussetzung für zusätzliche Bundeshilfe, indem er am Sonntagabend für Texas den Notfall ausrief. Zudem wurden in Texas, Oklahoma und Arkansas Einheiten der Nationalgarde aktiviert, um etwa liegengebliebenen Autofahrern zu helfen.

Die beiden Toten wurden an Strassen im Gebiet von Houston gefunden. Die Todesursache stand noch nicht fest, die Behörden gingen jedoch davon aus, dass sie wegen der niedrigen Temperaturen gestorben sind. Die Kälte gehe selbst über Extremszenarien hinaus, für die Texas vorgesorgt habe, sagte der Einsatzleiter des Netzbetreibers Electric Reliability Council of Texas, Dan Woodfin.

Wärmestuben ohne Heizung

In Houston wärmten sich mehr als 500 Menschen in Notunterkünften auf. Wärmestuben mussten geschlossen werden, weil auch dort wegen Stromausfällen nicht geheizt werden konnte, wie Bürgermeister Sylvester Turner sagte. In Austin und San Antonio mussten Supermärkte schliessen, weil die Kommunen nicht genügend Maschinen hatten, um die Strassen zu räumen. 

Die «New York Times» und örtliche Medien berichteten, dass ein Teil der Stromausfälle auf eingefrorene Windräder zurückzuführen war. Windkraft ist in dem Bundesstaat eine wichtige Energiequelle. Bürgermeister Turner forderte die Führung des Bundesstaats auf, die Verantwortung für die «Grössenordnung dieser Stromausfälle» zu übernehmen und eine Erklärung vorzulegen.

In Minnesota wurde in Hibbings/Chisholm mit minus 39 Grad ein Kälterekord gemessen, in Sioux Falls/South Dakota sank das Thermometer auf minus 26 Grad.

Die meisten Behörden und Schulen waren am Presidents Day – einem Feiertag zu Ehren aller US-Präsidenten – geschlossen. Dennoch wurden zahlreiche Verkehrsunfälle gemeldet, in Louisiana allein 75, die auf die Wetterverhältnisse zurückgeführt wurden. Der Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, warnte vor unnötigen Fahrten: «Es ist glatt und gefährlich.»

Millionen Haushalte in Mexiko ohne Strom

Die Kältewelle traf die USA während eines langen Wochenendes mit den meisten Flugreisenden seit dem Jahreswechsel. Mehr als eine Million Menschen passierten Sicherheitskontrollen der Flughäfen am Donnerstag und Freitag. Das war immer noch weniger als die Hälfte der Zahl von vor einem Jahr, bevor die Corona-Pandemie sich in den USA ausbreitete.

Auch in Mexiko waren in den an Texas grenzenden Teilstaaten Nuevo León, Chihuahua, Coahuila, Tamaulipas, Durango und Zacatecas am Montag fast fünf Millionen Haushalte zeitweise ohne Strom, wie der staatliche Stromanbieter CFE erklärte. Bei etwa zwei Drittel der Anschlüsse sei die Versorgung inzwischen wiederhergestellt, hiess es. Das Frieren von Pipelines habe zu einer Unterbrechung der Gaszufuhr geführt, hiess es.

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ap/dpa