Niederlande: Polizei entdeckt mutmassliche Folterkammer

dpa/tsha

7.7.2020 - 20:00

Grausiger Fund: Niederländische Ermittler haben eine mutmassliche Folterkammer entdeckt.
Bild: Keystone

Der niederländischen Polizei gelingt derzeit Schlag um Schlag gegen die Unterwelt. Sie profitiert davon, dass französische Kollegen Tausende Handynachrichten von Kriminellen entschlüsselt haben.

Niederländische Ermittler haben mehrere selbstgebaute Gefängniszellen und eine mutmassliche Folterkammer entdeckt und sechs Männer festgenommen. Sieben Frachter-Container seien in einem Lagerhaus im Ort Wouwse Plantage umgebaut worden, teilten die Behörden am Dienstag mit. In der Folterkammer habe es einen Zahnarztstuhl, Zangen, Skalpelle und Handschellen gegeben.

Die Polizei habe die Folterkammer entdeckt, bevor sie habe genutzt werden können. Potenzielle Opfer seien kontaktiert worden. Die Hinweise dafür bekamen die Ermittler den Angaben nach aus verschlüsselten Handydaten von Kriminellen, die französische Polizisten zuvor knacken konnten. Auf Grundlage dieser Daten haben Ermittler in den Niederlanden und in Grossbritannien bereits hunderte Verdächtige festgenommen. Die sieben Männer wurden demnach bereits am 22. Juni gefasst.



Die Ankündigung vom Dienstag gab einen Einblick in die zunehmend gewalttätige Unterwelt in den Niederlanden, die in die Drogenherstellung und den Handel mit illegalen Substanzen verwickelt ist.

«Es werden noch viele Ergebnisse folgen»

«Sechs der Container waren als Zellen gedacht, um Leute zu fesseln, und ein Container war als Folterkammer geplant», sagte Andy Kraag, Leiter der zentralen Ermittlungsabteilung der niederländischen Polizei. Der Einsatz habe «eine Reihe von Kriminalverbrechen» verhindert. Videoaufnahmen zeigten, wie schwer bewaffnete Polizisten eine Tür in einem Lagerhaus aufrissen und das selbstgebaute Gefängnis entdeckten. Ein weiteres Polizeiteam wurde bei der Festnahme eines Verdächtigen in Rotterdam gezeigt.

Mit Blick auf die mutmasslichen Folterinstrumente teilte die Polizei mit, die Geräte hätten wahrscheinlich für die Folter von Opfern benutzt werden sollen «oder mindestens, um sie unter Druck zu setzen».

In der vergangenen Woche hatte die niederländische Polizei bereits von einem Schlag gegen Drogenhändler berichtet. Mehr als 100 Verdächtige seien nach dem Hack der Handydaten festgenommen worden. Zudem wurden mehr als acht Tonnen Kokain und 1'200 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt. Es seien 19 Drogenlabore ausgehoben und Dutzende Waffen beschlagnahmt worden. Die Ermittlung namens 26Lemont habe bereits grossartige Ergebnisse gebracht, lobte Polizeichef Kraag. «Und glauben Sie mir, es werden noch viele Ergebnisse folgen.»

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