Reiche flüchten nach Dubai – Luxushäuser-Markt boomt

Von Isabel Debre, AP

7.5.2021 - 04:51

A woman watches the view of Marina district towers from the observation deck of
Eine Frau schaut auf die Hochhäuser des Marina-Distrikts in Dubai. (Archivbild)
KEYSTONE

Jeder ist Corona leid und die damit verbundenen Beschränkungen. Aber wer viel Geld hat, kann es sich schöner machen. Wie wäre es mit einem Umzug nach Dubai?

Von Isabel Debre, AP

7.5.2021 - 04:51

Der Franzose Christophe Reech hat fast drei Jahrzehnte lang in London gewohnt. Dann kam die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns, und der Unternehmensmagnat war die Beschränkungen schliesslich leid. Er verkaufte kürzlich sein Luxusreihenhaus und flog ins Wüstenscheichtum Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um dort mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Reechs superreiche ausländische Freunde taten dasselbe – und trugen damit zu einem noch nie da gewesenen Anstieg der Verkäufe von Dubais exklusivsten Immobilien bei.

«Hier in Dubai gibt es nur eine Strategie: Business as usual», sagt Reech, Vorsitzender einer Gruppe, die Immobilien und Finanztechnologie-Unternehmen besitzt. Die Philosophie laute: «Jeden impfen und alles offen lassen», so Reech, und «natürlich zieht das Leute wie mich an».

Immobilienpreise explodieren

Und andere Reiche der Welt: Ausländische Käufer mit Tonnen an Bargeld haben in den vergangenen Monaten den Nobelimmobilienmarkt in Dubai überflutet. Sie erwerben Luxusvillen und Penthouses in Rekordzahlen, was die Preise in die Höhe katapultiert. Allein im ersten Quartal dieses Jahres haben die Verkäufe von Highend-Immobilien im Vergleich zum selben Zeitraum 2020 um 230 Prozent  zugelegt, die Preise in einigen besonders noblen Gegenden stiegen um bis zu 40 Prozent, wie Property Finder, die grösste Immobilien-Webseite, angibt.

Der Immobilienberaterfirma Property Monitor zufolge haben im April 90 Häuser und Eigentumswohnungen im Durchschnittswert von umgerechnet 2,2 Millionen Euro den Besitzer gewechselt, was einen neuen Rekord setzt. Bereits im März gab es 84 solcher Transaktionen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2020 waren es 54.

«Leute kommen tonnenweise und kaufen Multimillionen-Häuser im Handumdrehen, ohne sich Zeit für eine sorgfältige Prüfung zu nehmen», sagt Matthew Cook von der Beraterfirma Knight Frank, der Penthouse-Verkäufe in Dubais künstlicher Inselgruppe Palm Jumeira abwickelt.

Wechselbad der Gefühle

Wie lange dieser Boom anhalten wird, ist unklar. Die Preise für Häuser auf der mittleren Ebene des Immobilienmarkts, der in den vergangenen sieben Jahren wegen zu vieler Neubauten starke Wertverluste verzeichnet hat, sind weiter am Fallen. Die Durchschnittspreise für Wohnungen im Burdsch Chalifa, dem höchsten Gebäude auf der Welt, fielen diesen Monat auf umgerechnet 3518 Euro pro Quadratmeter, während es 2013 stolze 11 650 Euro waren. 

«Der Markt erlebt eine Boom-Zeit, aber Leute sind sich sehr dessen bewusst, dass Dubai sich überhitzen kann und dann alles zusammenbricht», sagt Jackie Johns von der Immobilienfirma Premier Estates. Sie bezog sich dabei auf die Schuldenkrise von 2008, die die Häuserpreise in der Stadt abstürzen liess.

Die heisse Phase auf dem Luxusmarkt ist nicht auf Dubai beschränkt, ultraniedrige Zinsen und der Wunsch nach mehr Wohnraum haben auch Reiche in Städten wie New York und Paris zum Umzug in Villen in den Vororten bewogen. Aber in den mondänen Emiraten spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Seit Dubai im vergangenen Sommer nach Corona-Restriktionen wieder für den Tourismus öffnete, hat es sich als freundlichsten Ferienort in Pandemie-Zeiten vermarktet. Es gibt keine Quarantäne-Vorschriften für ankommende Besucher aus dem Ausland, sie können jetzt in Dubais pulsierenden Bars und an den Stränden nach Herzenslust feiern und neiderweckende Selfies nach Hause schicken.

Der Touristenzustrom hat zu einem deutlichen Anstieg der Infektionen in den Emiraten im Januar beigetragen. Aber insgesamt ist das Land mit seiner jungen Bevölkerung bislang relativ gut durch die Pandemie gekommen, die Sterberate ist niedrig geblieben. Und bereits 10,6 Millionen Impfstoff-Dosen wurden injiziert, bei einer Gesamtzahl von über neun Millionen Einwohnern. 

Sicherer Hafen für zweifelhaftes Geld

Dubai ist ein globales Finanzzentrum, das als Oase im unbeständigen Nahen Osten gilt, und hat daher seit langem von Kapitalflucht profitiert. Zu den Hauseigentümern im Palm-Jumeira-Archipel, auf das 43 Prozent der Immobilien-Verkäufe im April entfielen, zählen afghanische Kriegsherren und die politischen Eliten von Ländern wie Nigeria, Syrien und dem Libanon – alle auf der Suche nach einem sicheren Ort, um ihr Vermögen zu parken. Aber neuerdings kommt ein grosser Teil der reichen Hauskäufer auf der Inselgruppe oder in anderen exklusiven Villengemeinden Dubais aus Europa, Indien, China und Russland, Leute, die vor der Pandemie fliehen und eine bessere Lebensqualität wollen. 

Im März verzeichnete Palm Jumeira seine bisher zweitgrösste Immobilien-Transaktion: Eine Schweizer Familie kaufte eine Villa am Wasser für umgerechnet 25 Millionen Euro. Im April erwarb eine nicht identifizierte europäische Familie das bislang drittteuerste Haus in Dubai zum Kostenpunkt von knapp 24 Millionen Euro.

Grosse Impfstoffvorräte stützen die Nachfrage. Verwendet Dubai zum grossen Teil das Vakzin des chinesischen Herstellers Sinopharm, sind auch die Stoffe im Angebot, die Pfizer und Biontech beziehungsweise die Universität von Oxford und Astrazeneca entwickelt haben. Alles, was man für die Impfung benötigt, ist ein Aufenthaltsvisum – das die Stadt Nobelhaus-Käufern und Investoren nur zu gern erteilt. Reech etwa, der in Dubai ein Grundstück kaufen und sich darauf sein Traumhaus bauen lassen will, buchte unmittelbar nach seiner Ankunft einen Impftermin für das Vakzin von Pfizer und Biontech. In Grossbritannien, so sagt er, hätte er noch vier Monate darauf warten müssen. 

Bislang deutet sich keine Abkühlung des heissen Immobilienmarkts an. Und sollte er nach dem meteorischen Anstieg abstürzen, wären es wahrscheinlich nicht die Reichen, die das Schlimmste abbekämen, sagen Analysten wie Robert Mogielnicki vom Arab Gulf Institute in Washington. «Die Leute, die verlieren, befinden sich am unteren Ende.»