Rückkehr nach Fukushima

AP

14.4.2019

Im März 2011 kam es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu Kernschmelzen. Acht Jahre später dürfen die Bewohner der nahe gelegenen Stadt Okuma nun in ihre Häuser zurückkehren. Aber wollen sie das auch?

Erstmals seit der Atomkatastrophe von 2011 hat Japan Teile einer Räumungsanordnung für einen der zwei Orte am zerstörten Kernkraftwerk Fukushima aufgehoben. Die Massnahme von Mittwoch ermöglicht Bürgern die Rückkehr auf rund 40 Prozent der Fläche der bisherigen Geisterstadt Okuma. Der andere Ort Futaba bleibt aber tabu, ebenso andere Kleinstädte in der Umgebung.

Die Strahlungsbelastung in der rund sieben Kilometer südwestlich vom Meiler gelegenen Gegend konnte durch Entseuchungsmassnahmen erheblich gesenkt werden. Dennoch sträuben sich viele einstige Anwohner gegen eine Rückkehr, zumal das Prozedere um eine sichere Stilllegung des Kraftwerks andauert. Kritiker einer Aufhebung der Evakuierungen argumentieren, dass es der Regierung vor den Olympischen Spielen in Tokio 2020 mit der jüngsten Massnahme nur um die Aussenwirkung gehe. So solle die Rückkehr der Menschen demonstrieren, dass es dort wieder sicher sei.

Stadtvertreter sagen, die Aufhebung der Anordnung in Okuma werde zum Wiederaufbau beitragen. «Wir stehen endlich auf einer Startlinie des Wiederaufbaus», sagte der Bürgermeister von Okuma, Toshitsuna Watanabe, zu Reportern. Das Stadtzentrum nahe einem wichtigen Bahnhof bleibt wegen zu hoher Strahlungswerte geschlossen. Auch ein Spital wird voraussichtlich zwei weitere Jahre lang nicht in Betrieb sein.



Geringes Interesse an einer Rückkehr?

Ein Erdbeben und ein Tsunami hatten im März 2011 zu Kernschmelzen in drei der sechs Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi geführt. Grosse Mengen radioaktiver Strahlung wurden freigesetzt. Auf dem Höhepunkt der Evakuierungen mussten rund 160'000 Menschen ihre Häuser verlassen. Mit Stand März konnten mehr als 40'000 Personen noch nicht nach Hause zurückkehren, darunter die 10'000 Bürger von Okuma.

40 Prozent von Okuma könnten wieder bezogen werden. Doch die Zahl der Rückkehrer ist bisher gering.
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Nur 367, weniger als vier Prozent der Bevölkerung von Okuma, haben sich als Bewohner der zwei Bezirke registriert, wo die Evakuierungsanordnung aufgehoben wurde. Eine Umfrage im vergangenen Jahr ergab, dass nur 12,5 Prozent der früheren Bewohner zurückkehren wollten.

Grosses Misstrauen

Die Skepsis, ob die Dekontaminierungsmassnahmen ausreichen, ist gross.
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In Japan sind die Bedenken wegen radioaktiver Strahlung noch hoch. Viele Menschen misstrauen Erklärungen von Regierung und Energiewerkbetreibern zur Sicherheit. Die Risiken, Krebs und andere Krankheiten wegen niedriger, langfristiger Strahlungsaussetzung zu bekommen, sind noch unbekannt.

Die Regierung hat sich um eine Säuberung verstrahlter Gebiete bemüht, indem Erdschichten entfernt, Bäume gefällt und Häuser und Strassen gewaschen wurden. Experten sagen aber, dass damit die radioaktive Verseuchung nur von einer Stelle an eine andere gelangt sei.

Bilder aus dem Reaktor von Fukushima
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