In diesen Schummel-Packungen ist bis zu 83 Prozent Luft drin

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22.11.2018

Viel Verpackung, wenig dahinter: Mondamin schnitt beim Röntgentest am schlechtesten ab.
Verbraucherschutzzentrale Hamburg

Auf knuspriges Muesli, leckere Kekse und cremigen Griessbrei sind die Käufer eigentlich aus. Doch in Wahrheit landet Verbraucherschützern zufolge in vielen Fällen vor allem eins im Einkaufswagen: grosszügig verpackte Luft.

Dass Produkte nicht immer so aussehen, wie sie auf der Verpackung abgebildet sind, ist den meisten Verbrauchern bewusst. Doch auch in anderer Hinsicht können Verpackungen trügerisch sein: nämlich in Bezug auf die Menge. Um herauszufinden, wie viel Luft den Konsumenten eigentlich verkauft wird, hat sich die Verbraucherschutzzentrale Hamburg 14 Produkte genauer angesehen – mit dem Röntgengerät.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: «Die Höhe des tatsächlich gefüllten Teils der Verpackung lag im Mittel bei nur 41 Prozent», stellten die Verbraucherschützer fest. Das heisst im Umkehrschluss: Mit grosszügigen Verpackungen gaukeln Unternehmen den Käufern die doppelte Menge vor.

Die grössten Mogelpackungen

Der grösste Schummler unter den 14 Stichproben: der Lieblingsgriessbrei Klassische Art der Firma Mondamin aus dem Hause Unilever. Die 18 Zentimeter hohe Tüte ist keine vier Zentimeter hoch mit Pulver gefüllt, 83 Prozent der Verpackung sind demnach unnütz. Ähnlich dreist gaukelt Reinigungsmittelhersteller Reckett Benckiser den Käufern ihrer Finish Powerball All in 1 Citrus-Tabs mehr vor, als vorhanden ist: 74 Prozent der Tüte sind leer.

Auch die Verpackung der Bounty Coconut Hot Chocolate erwies sich auf dem Röntgenbild als mehr Schein als Sein: Kakaopulver macht nur 35 Prozent des Inhaltes aus, die restlichen 65 Prozent sind nur Luft. Und die Crisp & Thin-Variante der beliebten Oreo-Kekse macht ihrem Namen alle Ehre. Sie sind so dünn, dass sie in ihrer Verpackung nur 58 Prozent des vorhandenen Platzes einnehmen. Gegen solche Schummler sind die Muesli-Packungen von Kelloggs' Disney Kitchen und Mymueslis Paleo Kokos Nuss Chrunchy Muesli mit «nur» 36 Prozent beziehungsweise 26 Prozent Leerstand noch vergleichsweise gut gefüllt.

So viel Abfall

Doch nicht nur die Täuschung der Konsumenten stösst den Verbraucherschützern angesichts dieser Mogelpackungen sauer auf: «Alle reden davon, dass Verbraucher bewusster konsumieren und Abfall vermeiden sollen, doch in den Supermarktregalen ändert sich seit Jahren nichts. Dort stehen nach wie vor viele Produkte, deren Inhalt sich in einer übermässig grossen Packung verliert», beklagen sie. «Dabei liesse sich viel Verpackungsmaterial einfach einsparen, wenn die Verpackungen vollgefüllt wären».

Am Beispiel des Lenor Vollwaschmittels Weisse Wasserlilie, in dessen Flaschen 37 Prozent leer bleiben, machen die Verbraucherschützer die Rechnung auf: «Der Hersteller Procter & Gamble könnte nach unseren Berechnungen auf 20 Tonnen Plastik verzichten, wenn er die gleiche Menge seines flüssigen Lenor Vollwaschmittels Weisse Wasserlilie nicht – wie derzeit – in 1'000'000 Flaschen mit niedrigerem Füllstand, sondern in 800'000 vollen Plastikflaschen auf den Markt bringen würde.»

Aus den Ergebnissen ihrer Röntgenstichprobe ziehen die Verbraucherschützer Konsequenzen: «Wir fordern, dass grundsätzlich jede Packung bis zum Rand oder zur Naht befüllt werden muss und ein Freiraum von maximal 30 Prozent nur dann erlaubt ist, wenn es sich technisch nicht anders umsetzen lässt.»

Selbstversuch: Einen Monat keinen Abfall produzieren – geht das?
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