Warum gerade gefühlt ganz Finnland Trump zeigt, was eine Harke ist

Philipp Dahm

20.11.2018

Donald Trump hat sich mit Aussagen über Finnland zum Narren gemacht und dafür gesorgt, dass die Skandinavier nun Bilder twittern, auf denen sie den Wald kehren.

Die Finnen posten dieser Tage jede Menge Bilder von sich, die zeigen, wie sie ihren Wald kehren, beharken oder sonstwie säubern. Es mutet beinahe so an, als hätte das eine lange, lange Tradition in dem nordeuropäischen Staat:

Aber je mehr Bilder man sich ansieht, die unter dem Hashtag #haravointi (harken, kehren) verbreitet werden, desto mehr gewinnt man den Eindruck, dass der Ernst unter den Teppich gekehrt werden soll.

Und spätestens nach solchen Fotos ahnt man, dass das Ganze mit diesem Mann zu tun haben könnte, der dann und wann mal in den Medien auftaucht.

Nein, Homer Simpson meinen wir natürlich nicht – auch wenn das, was die Finnen aufgestachelt hat, durchaus auch von ihm hätte kommen können. Aber die Rede ist eigentlich von einem gewissen Donald Trump – der Name könnte Ihnen bereits untergekommen sein. Die Geschichte beginnt mit einem Besuch des US-Präsidenten in Paradise in Kalifornien: Der Bundesstaat wird derzeit von üblen Waldbränden heimgesucht.

Der 72-Jährige informiert sich dort am 17. November über die Schäden, die die Feuer verursacht haben. «Niemand hätte gedacht, dass so etwas passieren kann», beginnt der Republikaner – notabene in einem Gebiet, dass Jahr für Jahr mit lodernden Wäldern zu kämpfen hat. «Die Bundesregierung steht hinter Ihnen, wir stehen alle hintereinander», geht es holprig weiter.

«Wir erledigen echte Arbeit»: Er werde mit den lokalen Politikern und Beamten zusammenarbeiten, fährt Trump fort: «Ich glaube, wie sind alle auf demselben Pfad.» Und weiter parliert der Präsident: «Ich setze mich dafür ein, dass hier alles aufgeräumt und geschützt wird. Wir müssen uns um die Böden kümmern. Wisst ihr, die Böden des Waldes sind sehr wichtig.»

Dann kommt endlich Finnland ins Spiel: «Wenn man auf andere Länder schaut, die es anders machen, ist das eine ganz andere Geschichte. Ich war beim finnischen Präsidenten und er sagte: ‹Wir machen es ganz anders. Wir sind Wald-Nation.› Er nannte es Wald-Nation. Und sie verwenden sehr viel Zeit aufs Harken und aufs Aufräumen und darauf, Dinge zu tun. Und sie haben keine Probleme. Ich weiss nicht, was es ist, aber es ist ein sehr kleines Problem. Ich weiss, dass alle darauf schauen. Es wird gut funktionieren.»

Gut, es ist wohl nicht der allerbeste Redebeitrag des früheren TV- und Geschätfsmannes – und natürlich redet niemand ausschliesslich in geschliffenen Sätzen. Aber Trumps Vortrag ist ein Fehlschlag ins Löschwasser – nicht nur, weil er widersprüchlich und zum Teil sinnlos ist, sondern vor allem, weil der Inhalt auch noch vollkommen falsch ist.

So meldet sich Finnlands Präsident nach der Trump-Visite zu Wort, um zu betonen, dass er mit seinem Amtskollegen nie über das Harken geredet hat. «Ich habe ihm gegenüber erwähnt, dass Finnland von Wäldern bedeckt ist und wir ein gutes Überwachungsnetzwerk haben. Wir kümmern uns um unsere Wälder», zitiert «Politico» Sauli Niinistö

Hoppla! Wie konnte der Amerikaner den Finnen bloss so missverstehen? Vielleicht hat der Mann einfach bloss das verstanden, was er verstehen wollte: Ein Tweet, den er eine Woche zuvor verfasst hat, impliziert zumindest, dass der Republikaner keine hohe Meinung von Forstbehörden hat. Missmanagement im Wald sei der Grund für den Ausbruch der Brände, der Klimawandel habe «nur wenig beigetragen».

Naja, zumindest eines ist jetzt klar: Warum die Finnen nun so genüsslich vor der eigenen Haustüre kehren und dabei den einen oder anderen Seitenhieb verteilen. Wenn Sie denn Zeit dafür finden: Da Wald 75 Prozent des Landes abdeckt und auf jeden Bewohner laut «Newsweek» vier Hektar zur Verfügung stehen, haben die Menschen natürlich kaum Zeit für andere Dinge.

Es gab aber auch einige Leute, die sich über Trumps Blödsinn gefreut haben. Da wäre zum einen die Harken-Industrie, die Kehrichtabfuhr – und natürlich die amerikanischen Late-Night-Gastegeber, denen wir gerne das Abschlusswort überlassen. 

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