Verwahrloste Kinder wurden offenbar zu Terrorsiten ausgebildet

dpa

14.8.2018

Die in New Mexico in einem Lager gefundenen Kinder sollen an Waffen ausgebildet und auf Angriffe vorbereitet worden sein. Dennoch will die zuständige Richterin die Verdächtigen nicht in Untersuchungshaft halten.

Im Fall der elf verwahrlost in einem Lager in New Mexico aufgefundenen Kinder gibt es neue Details zu dem Vorwurf, wonach die Minderjährigen dort ein Waffentraining erhalten haben sollen. Neben einer Unterweisung im Umgang mit Schusswaffen hätten sie in dem abgelegenen Camp taktisches Vorgehen gelernt, erklärten Staatsanwälte am Montag bei einer Anhörung im Ort Taos. Das Training habe die Kinder darauf vorbereiten sollen, Lehrer, Polizisten und Vertreter von anderen als korrupt betrachteten Institutionen zu beseitigen.

Am 4. August waren die Minderjährigen bei einer Polizeirazzia aus dem heruntergekommenen Lager befreit worden. Ermittler berichteten von schlimmen sanitären Verhältnissen vor Ort, Lebensmittel waren demnach Mangelware. Die Kinder kamen in staatliche Obhut. Zudem wurden fünf Erwachsene festgenommen, darunter der Mann, der die Kinder angeblich an Waffen üben liess. Ihnen soll wegen Kindesmisshandlung der Prozess gemacht werden.

Anwälte widersprechen Extremismus-Vorwürfen

Die Staatsanwälte präsentierten im Lager gefundene Bücher sowie Dokumente, die auf eine Saudi-Arabien-Reise des Hauptverdächtigen hindeuteten. Zudem legten sie einen Block mit handschriftlichen Notizen vor, die ihm offenbar als Anleitung dienten. Zudem verwiesen die Staatsanwälte auf Beweise, wonach der Hauptverdächtige im Staat Georgia an mehreren Waffenkursen teilgenommen haben soll.

Anwälte der fünf Erwachsenen - zwei Männer und drei Frauen - argumentierten, dass die Staatsanwaltschaft ihre Mandanten zu Unrecht als militante Extremisten darzustellen versuche. Bei den im Lager entdeckten Gewehren und Pistolen handele es sich um gewöhnliche Waffen, die man auch in Geschäften kaufen könne. Ihre Mandanten hätten das Camp zudem nicht gewaltsam zu verteidigen versucht, als die Polizei mit Durchsuchungsbefehlen angerückt sei.

«Es gab keinen Schusswechsel, es gab keinen Widerstand», sagte Tom Clark, der Anwalt des Hauptverdächtigen. Sein Mandant habe die Erlaubnis gehabt, seine Waffen bei sich zu tragen, sowie kein Vorstrafenregister. Ein Grund für das Vorgehen gegen die Verdächtigen sei, dass sie schwarz und islamischen Glaubens seien, sagte Clark. Wären sie weisse Christen, die Waffen besässen, würde das als keine grosse Sache behandelt, fügte er hinzu.

Laut Richterin keine konkrete Bedrohung

Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft für die Verdächtigen, die von der zuständigen Richterin Sarah Backus jedoch abgelehnt wurde. Es gebe zwar einige beunruhigende Sachverhalte, sagte sie. Die Staatsanwälte hätten es aber nicht geschafft, sie von konkreten Bedrohungen für die Öffentlichkeit zu überzeugen. Stattdessen legte die Richterin eine Kaution in Höhe von jeweils 20'000 Dollar (19'800 Franken) fest und ordnete an, dass die fünf Erwachsenen elektronische Fussfesseln tragen sowie sich wöchentlich bei ihren Anwälten melden müssen.

Trotz der Entscheidung von Backus dürfte der Hauptverdächtige in Gewahrsam bleiben: Gegen ihn liegt in Georgia ein Haftbefehl vor, in dem ihm vorgeworfen wird, seinen eigenen Sohn von der Mutter des Kindes entführt und mit ihm nach New Mexico geflüchtet zu sein. Die anderen vier Erwachsenen könnten in Kürze in den Hausarrest entlassen werden.

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