Unschuldige für Täter gehalten –Zornige Mobs verbrennen Menschen 

sda/afp/phi

31.8.2018

Selbstjustiz ist in Mexiko keine Seltenheit: Das Archivbild aus San Juan Ixtayopan zeigt, wie im November 2004 aufgebrachte Menschen zwei Polizisten erschlagen und verbrannt haben, denen Kindesmissbrauch vorgeworfen wurde.
Keystone

Bittere Selbstjustiz in Mexiko: Zwei wütende Mobs haben vier Personen bei lebendigem Leibe verbrannt. Doch es waren zum Teil nicht die, für die man sie hielt.

Aufgebrachte Menschen in Mexiko haben vier Menschen lebendig verbrannt, denen sie fälschlicherweise Kindesentführungen für den illegalen Handel mit Organen unterstellten. In einem Dorf im zentralen Bundesstaat Hidalgo wurden am Donnerstag ein Mann und eine Frau gelyncht, wie die örtlichen Behörden mitteilten.

Ein Mob habe die beiden erst verprügelt und dann gefesselt und bei lebendigem Leibe angezündet. Bis die Polizei eintraf, sei der Mann schon tot gewesen, hiess es weiter. Die Frau sei später im Spital ihren Verletzungen erlegen. Die Polizei wies die gegen die beiden Lynchopfer erhobenen Vorwürfe zurück. Bislang lägen keinerlei Anzeigen vor, die auf Kindesentführung und Organhandel hindeuteten, hiess es.

Am Vortag hatte in San Vicente Boquerón im ostmexikanischen Bundesstaat Puebla eine Menschenmenge zwei Männer wegen der gleichen Vorwürfe gejagt und lebendig verbrannt. Nach Angaben der Behörden handelte es sich um zwei Bauern, einen 53-Jährigen und dessen 21-jährigen Neffen, die ins Nachbardorf gekommen waren, um Baumaterial zu kaufen.

Lynchjustiz ist insbesondere in Dörfern im Zentrum und Süden Mexikos weit verbreitet. Allein in Puebla gab es seit Jahresbeginn mehr als hundert Lynchversuche.

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