Angst vor Crash: «Finanzkollaps ist nicht nur ein leichter Schnupfen»

11.10.2018 - 12:19, dpa

Den New Yorker Verlusten von rund 3 Prozent folgen Japan und Südostasien in verstärkter Tendenz. In China sind es sogar 5,6 Prozent. Für Trump ist die Fed mit ihren Zinserhöhungen schuld. Aber auch seine Zollpolitik dürfte eine Rolle spielen.

Der kräftige Kursrutsch an der Wall Street vom Mittwoch hat sich am Donnerstag mit verstärkter Tendenz an den asiatischen Finanzmärkten fortgesetzt. Nachdem in New York der Dow-Jones-Index und der Nasdaq zwischen drei und vier Prozent verloren hatten, waren es in Shanghai sogar über fünf.

US-Präsident Donald Trump machte die amerikanische Notenbank für den Kursrutsche verantwortlich. Die sei mit ihrer Kampagne von Zinserhöhungen - kürzlich erfolgte die dritte in diesem Jahr - «verrückt geworden», sagte er vor Journalisten in Pennsylvania. Die Zinserhöhungen seien «ein Fehler». Zugleich nannte er die Kursverluste «eine Korrektur, auf die wir seit einer langen Zeit gewartet haben». Trump hat Rekorde am Aktienmarkt in seiner Amtszeit oft als Beleg für seine Erfolge herangezogen.

Analysten rund um den Globus befürchten, dass es an den Finanzmärkten weiter zu Kurskorrekturen nach unten kommen wird.
Keystone

Globale Epidemie befürchtet

Ein Analyst des Finanzdienstleisters Oanda, Stephen Innes, sagte, Trump habe mit seinen Äusserungen die Unruhe an den Finanzmärkten verstärkt. «Dieser Finanzkollaps ist nicht nur ein leichter Schnupfen, er legt die Vermutung nahe, dass der jüngste Nieser vom US-Kapitalmarkt sich zu einer globalen Epidemie an den Märkten entwickeln könnte», sagte er.

Die jüngsten US-Zinserhöhungen, guten Wirtschaftsdaten und positive Einschätzungen der Fed haben eine Verkaufswelle von US-Staatsanleihen begünstigt, insbesondere langfristigen: Die Finanzmärkte erwarten höhere Zinsen.

Alec Young von FTSE Russel sagte, Anleger befürchteten auch, dass steigende Zinsen die Unternehmensgewinne im nächsten Jahr schmälern würden. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen betrug 3,20 Prozent, deutlich mehr als die Ende August verzeichneten 2,82 Prozent.

Besonders unbeliebt waren Technologiewerte. Amazon-Aktien verbilligten sich um 6,2 Prozent und die Titel von Microsoft um 5,4 Prozent. Sears Holdings stürzte um 16,8 Prozent auf 0,49 Dollar ab. Das «Wall Street Journal» berichtete, der angeschlagene Einzelhändler habe Berater mit der Vorbereitung eines Insolvenzantrags beauftragt. Vor fünf Jahren hatte die Aktie noch mehr als 40 Dollar gekostet.

Zollerhöhungen spielen eine Rolle

Aber auch die im Handelsstreit mit China und der EU von Trump eingeschlagene Weg von Zollerhöhungen für Importe spielen Analysten zufolge eine Rolle, denn die US-Technologiegiganten machen viele Geschäfte in China. Andere verweisen darauf, dass Technologiewerte eine Phase rasanter Kursanstiege gehabt haben. Apple beispielsweise hat von Juli bis September 13,3 Milliarden Dollar verdient, gut 6 Millionen die Stunde. Auch andere Tech-Werte haben sich zum Teil vervielfacht. «Wir gehen immer noch optimistisch in die Bilanzen für das dritte Quartal, was Technologie angeht», sagt die Investment-Strategin Lindsey Bell von der Analysefirma CFRA.

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