AstraZeneca-Chef weist Kritik wegen Lieferproblemen zurück

SDA

30.4.2021 - 14:16

epa04204995 Pascal Soriot (C), Chief Executive of AstraZeneca, leaves Portcullis House after attending a parliamentary science committee hearing on the possible takeover of AstraZeneca, in London, Britain, 14 May 2014. Others are not identified. Pfizer has been in touch with AstraZeneca to discuss a possible merger of the two companies. A few weeks ago the US group Pfizer reportedly failed in its bid to buy British rival AstraZeneca, which is valued at more than 60 billion pounds (100 billion dollars). EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA
Pascal Soriot, CEO von AstraZeneca, wird bei einem Termin in London von Pressefotografen belagert. 
Bild: Keystone/EPA

Der Chef von AstraZeneca verteidigt trotz des holprigen Starts das Impfstoffgeschäft des britisch-schwedischen Pharmakonzerns: «Wir bedauern nichts.»

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30.4.2021 - 14:16

«Wir haben nie zu viel versprochen, wir haben das kommuniziert, was wir zu dem Zeitpunkt für möglich gehalten haben», sagte Pascal Soirot am Freitag bei der Präsentation der Quartalszahlen von AstraZeneca. Auch wenn er unzufrieden sei, weil nicht noch mehr des Coronavirus-Impfstoffs geliefert worden sei, könne er stolz auf die Leistungen seines Unternehmens bei der Entwicklung und Produktion des Vakzins sein. «Wir bedauern nichts, weil wir einen grossen Unterschied gemacht haben.»

Zugleich stellte er steigende Impfstofflieferungen in Aussicht. Das Unternehmen sei auf Kurs zu dem Ziel, monatlich 200 Millionen des Impfstoffs auszuliefern. Die Produktion ziehe an.

AstraZeneca war in den vergangenen Monaten wegen immer wieder gekürzter Impfstoffzusagen in der EU in die Kritik geraten. Statt der ursprünglich für das erste Halbjahr angepeilten 300 Millionen Dosen hat das Unternehmen im März angekündigt, nur etwa ein Drittel zu liefern. Für die Impfkampagne der EU ist das ein Rückschlag. Inzwischen hat die EU rechtliche Schritte gegen AstraZeneca eingeleitet, ein Entscheid wird für Juni angepeilt.

In der Schweiz ist die Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs noch immer in Prüfung bei Swissmedic. Die Zulassungsbehörde wartet nach eigenen Angaben immer noch auf Studiendaten. 

68 Millionen Impfstoffdosen ausgeliefert

Im ersten Quartal habe AstraZeneca weltweit etwa 68 Millionen Impfstoffdosen des mit der Universität Oxford entwickelten Medikaments ausgeliefert und damit Erlöse von 275 Millionen Dollar erwirtschaftet, teilte der Konzern mit. Pro Impfdosis entspricht das einem Preis von vier Dollar.

Das Mittel von AstraZeneca kostet deutlich weniger als das der Rivalen Pfizer/Biontech und Moderna. Allein Pfizer hat in Aussicht gestellt, 15 Milliarden Dollar mit seinem Anteil an dem Mittel erwirtschaften zu wollen, Biontech rechnet mit knapp zehn Milliarden Euro, Moderna mit 18,4 Milliarden Dollar.

AstraZeneca hat angekündigt, während der Pandemie kein Geld mit seinem Impfstoff verdienen zu wollen. Allein im ersten Quartal sei wegen des Vakzins der Gewinn je Aktie um drei Cent geringer ausgefallen. Insgesamt stieg der Umsatz um elf Prozent währungsbereinigt auf 7,32 Milliarden Dollar, der Kerngewinn je Aktie lag bei 1,63 Dollar.

Die Zahlen fielen besser aus als Analysten erwartet hatten. Für die zweite Jahreshälfte sagte Soirot eine Geschäftsbelebung voraus, wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückgingen. An der Börse kamen die Zahlen gut an. Die Aktien legten in der Spitze 4,4 Prozent zu und steuerten damit auf ihren grössten Tagesgewinn seit einem halben Jahr zu.

Hoffnungsträger für Entwicklungs- und Schwellenländer

Der AstraZeneca-Impfstoff galt als Hoffnungsträger insbesondere für Entwicklungs- und Schwellenländer im Kampf gegen die Pandemie. Neben dem niedrigeren Preis liegt das auch daran, dass er im Kühlschrank gelagert und leicht transportiert werden kann.

Zumindest in den ersten drei Monaten des Jahres gingen jedoch die meisten der Impfstoffdosen an europäische Kunden: Ihr Anteil am gesamten Umsatz mit dem Medikament lag bei mehr als 80 Prozent.

In den ersten drei Monaten entfiel auf Schwellenländer ein Umsatzanteil von 15 Prozent. Soirot verwies dennoch auf Indien, wo die Pandemie derzeit besonders stark wütet und wo AstraZeneca 90 Prozent des verfügbaren Impfstoffs liefert.

Stellen Sie sich vor, wie Indien ohne unsere Impfstoff aussehen würde», sagte er. Auf dem Subkontinent meldeten die Gesundheitsbehörden allein am Freitag 386.452 Neuinfektionen, so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Die Impfkampagne wird unterdessen von einem Impfstoffmangel ausgebremst, mehrere Bundesstaaten verschoben den Start der Impfungen aller Erwachsenen.