Betrüger drehen US-Streitkräften Technik «made in China» an

phi

11.11.2019

Hard- und Software aus China könnte militärische Geheimnisse verraten, warnen US-Behörden: Die Streitkräfte haben fragwürdige Technik in den eigenen Reihen gefunden – wegen eines Betrugs.

Es fiel Fachleuten der US Air Force auf, dass etwas mit dem neuen Material nicht stimmte. Die Luftstreitkräfte hatten bei der amerikanischen Firma Aventura Technologies Inc. 25 Bodycams bestellt, doch Sicherheitsexperten stellten verwundert fest, dass die Kameras ungefragt Downloads durchführten – darunter auch das Logo des chinesischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit.

Eigentlich hatte Aventura Technologies dem Militär versichert, dass die Ware ausschliesslich in den USA hergestellt worden sei. Seit 1999 stellt das Unternehmen Hard- und Software her, beides lieferte sie auch an andere staatliche Institutionen und die Privatwirtschaft. Der Bodycam-Vorfall liess das Militär alle Lieferungen von Aventura unter die Lupe nehmen – und nun ist die Sache ein Fall für die Strafverfolger.

Am Donnerstag hat Staatsanwalt Richard Donogue nun Anklage gegen Firmenboss Jack Cabasso und sechs weitere Mitarbeiter erhoben und ihre Bankkonten teilweise eingefroren. Ausserdem wurde eine 21 Meter lange Jacht beschlagnahmt, die Cabasso und dessen Ehefrau gehört. Der Vorwurf: Verschwörung zum Betrug. Die Firma soll systematisch chinesische Produkte als amerikanische verkauft haben, die dann in militärischem Material verbaut worden sind.

Chinesen wussten, wer der Kunde ist

Die Anklage suggeriert, dass das Material möglicherweise verwanzt ist. Ein Software-Spezialist analysierte im Fall der Bodycams, dass dem Hersteller im Reich der Mitte «bewusst war, dass die US Air Force der geplante Abnehmer der Kameras war», zitiert die «Military Times» aus der Anklageschrift. Nun machten sich die Behörden «grosse Sorgen» um die Cybersicherheit.

Staatsanwalt Richard P. Donoghue stellt am 7. November 2019 in New York die Anklage gegen Aventura Technologies vor.
Bild: Keystone

Der Grund: «Das vorgeblich in den USA hergestellte [Zubehör] wurde in Dutzenden Stützpunkten der Army, Navy und Air Force, in Einrichtungen des Energieministeriums und neben anderen Orten auch auf US-Flugzeugträgern installiert.» Und es könnte wie ein trojanisches Pferd auf elektronischem Wege militärische Geheimnisse nach China verraten.

Was die Army in dieasem Jahr beschaffen will

20 Millionen Dollar habe die Firma seit 2010 vom Staat kassiert, deren Besitzer Cabasso enge Kontakte nach China pflegt, wie die «New York Times» berichtet. Insgesamt wurden zwölf Konten von ihm mit etwa drei Millionen Dollar Vermögen eingefroren. 80 Prozent der seit 2012 aufgedeckten Fälle von Wirtschaftsspionage in den USA gehen auf chinesische Konten, so die «New York Times».

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