Darum erzielen Frauen tiefere Renditen als Männer

tafi

22.2.2021 - 18:06

Bank teller discussing paperwork with customer at bank counter wearing protective gloves and face mask. Office with acrylic glass partition on desk. Acrylic glass wall - protection against coughs and spitting, protection against viruses.
Frauen agieren in Vermögensangelegenheiten eher zurückhaltend. Eine Studie hat untersucht, warum das so ist.
Bild: Getty Images

Bei Aktiengeschäften agieren Frauen vorsichtiger als Männer. Nur weil sie mehr Gebühren zahlen und weniger Rendite bekommen, sind sie aber nicht ahnungslos, wie eine Studie belegt.

Weniger geschickt im Umgang mit Finanzen sind Frauen nicht, das stellt Christine Laudenbach klar. Dennoch kommt eine von der Professorin am Institut für Finanzen und Statistik der Universität Bonn mitverfasste Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen für Aktien höhere Gebühren zahlen und weniger Rendite bekommen. Die Autorinnen haben für die Untersuchung bei einer deutschen Grossbank 27'000 Beratungsgespräche mit 13'000 Kunden ausgewertet, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Eine Bestätigung des überholten Vorurteils, dass Frauen von Geldanlagen keine Ahnung haben, sei das Ergebnis nicht, sagt Laudenbach. Die Studie des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung (Safe) in der deutschen Finanzmetropole Frankfurt liefere aber einige Erkenntnisse über den sogenannten Gender-Gebühren-Gap.

Sicherheit geht vor Risiko

Zum einen seien Frauen, so Laudenbach, mehr auf Sicherheit bedacht. Sie investierten eher in sichere Anlageprodukte als in riskante Aktienfonds. Dadurch sinkt freilich auch die Rendite. Auch dass Frauen bereit sind, mehr Gebühren zu zahlen, liesse sich darauf zurückführen: Frauen stellten häufiger fest als Männer, dass sie sich ohne Berater bei Anlageentscheiden nicht sicher fühlten.

Finanzielle Entscheide zu delegieren, sei für die Mehrheit der in der Studie untersuchten Frauen eine Erleichterung. Sie würden daher den Vermögensberatern mehr bankeigene Anlagen abkaufen, die oftmals teurer sind als Fremdprodukte. Männer hingegen kämen oft mit konkreten Vorstellungen ins Beratungsgespräch: Sie sähen «den Vermögensberater eher als Zulieferer für eine bereits entwickelte Strategie», bestätigt Karl Flubacher vom VZ Vermögenszentrum die Ergebnisse der deutschen Studie.

«Frauen wissen mehr, als sie denken»

Deren Ergebnisse liessen sich grundsätzlich auf die Schweiz übertragen, auch wenn Flubacher betont, dass die Einordnungen nicht für alle Kundinnen und Kunden gleichermassen gelten würden. Frauen würden bei der Vermögensberatung mehr Wert auf ein vertrauensvolles Verhältnis und eine gute Betreuung legen und eher zugeben, keine Erfahrung in Finanzgeschäften zu haben.

Keine Erfahrung bedeutet aber nicht keine Ahnung. So sei in der Studie zwar ersichtlich geworden, dass Frauen bei Finanzfragen häufiger als Männer zugeben, die Antwort nicht zu kennen: «Werden Frauen zu einer Antwort gezwungen, ist die Wissenslücke deutlich kleiner – Frauen wissen also mehr, als sie denken», sagt Christine Laudenbach.

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