Darum solltest du jetzt schon die Geschenke für Weihnachten besorgen

Von Philipp Dahm

9.10.2021

Personen mit Schutzmasken und Einkaufstaschen an der Zuercher Bahnhofstrasse, fotografiert am 27. November 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Die Zürcher Bahnhofsstrasse Ende November 2020: Wer dieses Jahr mit dem Geschenke-Kauf zu lange wartet, könnte böse Überraschungen erleben.
KEYSTONE

Auch das Christkind muss der Pandemie Tribut zollen: Wer nicht jetzt schon gewisse Geschenke kauft, könnte im Dezember vor leeren Regalen stehen. Auch Schweizer Firmen raten, nicht abzuwarten.

Von Philipp Dahm

9.10.2021

Die Pandemie hat unseren Alltag einschneidend verändert. Nicht nur, dass die Welt gut 4,8 Millionen Tote zu beklagen hat: Auch die internationale Wirtschaft hat schwer an der Seuche gelitten. Und nun droht Corona auch noch das Weihnachtsfest zu vermiesen – es sei denn, du reagierst rechtzeitig.

Wer sich unter dem Tannenbaum Kindertränen oder den Frust eines enttäuschten Partners ersparen will, sollte deshalb schon jetzt damit anfangen, die wichtigsten Geschenke zu besorgen, solange diese noch vorrätig sind. Denn beim Nachschub hapert es an den verschiedensten Ecken und Enden.

Die Liste der Betroffenen reicht von Bekleidungsfirmen wie H&M und Adidas über diverse Spielzeughersteller bis hin zu Unternehmen aus dem Elektronik-Bereich. Kunden sollten deshalb frühzeitig reagieren, wenn sie beim Fest der Liebe keine bösen Überraschungen erleben wollen.

Auch Schweizer Unternehmen betroffen

Empfehlen auch Schweizer Unternehmen potenziellen Käufern, in diesem Jahr früher auf Geschenke-Jagd zu gehen? «Ja, dieser Hinweis ist richtig und wir geben den Kunden diesen Rat», bestätigt etwa Roger Bühler, CEO von Franz Carl Weber, auf «blue News»-Nachfrage. «Zuwarten bis eine Woche vor Weihnachten ist allgemein nicht zu empfehlen, dieses Jahr aber erst recht nicht.»

Inside the toy shop Franz Carl Weber on Bahnhofplatz 9 in Zurich, Switzerland, on September 25, 2018. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Franz-Carl-Weber-Sortiment: Spielzeug mit Elektronik hat 2021 beim Geschenke-Kauf «Prio 1».
KEYSTONE

Das Problem ziehe sich «durch das gesamte Sortiment», weiss der Chef des  traditionsreichen Spielzeuggeschäfts: «Von den Engpässen sind alle Lieferanten weltweit betroffen.» Einen Tipp hat er dennoch für die Kunden: «Produkte mit elektronischen Komponenten» sollten mit höchster Priorität besorgt werden.

Auch Brack.ch spürt diese Entwicklung. «Bislang konnten wir Engpässe relativ gut durch gleichwertige Alternativen abfedern», antwortet uns der Schweizer Onlinehändler. «Für das vierte Quartal rechnen wir damit, dass die Verfügbarkeit weiter abnimmt – bei gleichzeitig steigender Nachfrage im Weihnachtsgeschäft. Eine frühere Bestellung kann deshalb empfehlenswert sein.»

Gründe für den Mangel

Was sind die Gründe für die plötzliche Knappheit? Mitunter sind die Probleme hausgemacht: Der Schweizer Nahrungsmittel-Gigant Nestlé etwa hat deshalb in Grossbritannien Probleme, weil es dort nach dem Brexit an Lastwagen-Fahrern fehlt. Doch auf der Makro-Ebene gibt es ein ähnliches Dilemma: Die Schifffahrt steckt in einer Krise.

epa09105217 A handout satellite image made available by MAXAR Technologies shows , the Ever Given container ship after it has been moved away from the eastern bank of the canal and tugboats trying to reposition the ship, in the Suez Canal, Egypt, 29 March 2021. The head of the Suez Canal Authority announced on 29 March that the large container ship, which ran aground in the Suez Canal on 23 March, is now free floating after responding to the pulling maneuvers. EPA/MAXAR TECHNOLOGIES HANDOUT --MANDATORY CREDIT: SATELLITE IMAGE 2020 MAXAR TECHNOLOGIES -- the watermark may not be removed/cropped -- HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES
Schifffahrt am Anschlag: Auch der Stau am Suezkanal, den die «Ever Given» im März verursacht hat, wirkt noch nach.
KEYSTONE

Anbieter wie Maersk oder Hapag-Lloyd warnen schon seit Längerem vor Verzögerungen: Es fehlt demnach an Containern und Kapazitäten, weil beispielsweise grosse chinesische Häfen wegen Corona-Fällen geschlossen waren. Die Folge: Die Transportkosten von China in die USA, aber auch nach Europa explodieren.

Der Preis für die Verschiffung eines 12,2-Meter-Standardcontainers auf acht Ost-West-Routen sei im Vergleich zum August 2019 um 360 Prozent gestiegen, rechnet CNN vor. Noch mehr wird aber auf die Route nach Europa aufgeschlagen: Der Trip von Schanghai nach Rotterdam kostet mit 13'698 Dollar satte 659 Prozent mehr.

«Einfach nicht genug Kapazität»

Das zweite Problem beeinflusst auch noch das erste: Offenbar haben viele Unternehmen nicht damit gerechnet, dass der Kunde so schnell wieder in Kauflaune kommt. «Die derzeitigen hohen Frachtkosten werden von dem Umstand verursacht, dass es eine unbefriedigte Nachfrage gibt», meint Maersk-CEO Soren Soku. «Es gibt einfach nicht genug Kapazität.»

Mangel an Halbleitern: Ein Bild der Chip-Fabrik der japanischen Firma Renesas, die im März Opfer der Flammen wurde.
Bild: Renesas

Und so fehlt es nicht nur an Produkten, sondern auch an Material für deren Fertigstellung. Diese «Periode der Einschränkungen» hat im März begonnen, sagt Analyst Eric Oak dem Magazin «Fortune»: «Der Stau wird definitiv noch länger werden.» Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen ergänzt: «Wir erwarten derzeit, dass sich die Situation am Markt frühestens im ersten Quartal 2022 entspannt.»

Was die Lage weiter zuspitzt, ist der Mangel an Chips und Halbleitern, der durch den Brand einer Fabrik in Japan und durch Wassermangel in Taiwan angeheizt wird. Diese fehlen bei der Produktion verschiedenster Artikel – vom Auto bis zur Xbox. Wer Christkind spielen will, sollte das im Hinterkopf haben.