Der Ex-Manager, die Millionen und die lukrativen Posten

tafi

2.8.2020 - 12:01

Jürg Stöckli (rechts, mit dem damaligen SBB-CEO Andreas Meyer), wechselte von der Immobiliensparte der SBB in die Verwaltungsräte mehrerer Baukonzerne, die zuvor Millionenaufträge vom Staatskonzern erhalten hatten.
KEYSTONE/Lukas Lehmann

Der ehemalige Immobilienchef der SBB sitzt mittlerweile in den Verwaltungsräten mehrer Baufirmen, die in seiner Amtszeit Millionen-Aufträge vom Staatsbetrieb bekommen haben. Jürg Stöckli hält Filz-Vorwürfe für  nicht gerechtfertigt.

Laut einer Meldung des «SonntagsBlick» mehren sich die Anzeichen für Filz bei den SBB. Ihr ehemaliger Immobilienchef heuerte bei Baukonzernen an. Jürg Stöckli war von 2010 bis Ende 2018 Chef von SBB Immobilien. Unter seiner Ägide investierte der Staatsbetrieb mehr als vier Milliarden Franken in neue Bauprojekte und stieg zu einem der grössten Immobilienfirmen der Schweiz auf.

Laut «SonntagsBlick» hätten die SBB im Jahr 2019 etwa 559 Millionen Franken Miete eingenommen, bis 2037 soll der Ertrag auf mehr als 1,25 Milliarden Franken steigen. Mit den Einnahmen aus dem Immobiliensektor würde das Bahnsystem subventioniert.

Stöckli habe massgeblichen Einfluss darauf gehabt, was, wann, wo gebaut wurde und wer die Aufträge erhalten habe. Nach seinem Abgang bei den SBB habe Stöckli fleissig Verwaltungsratsmandate erhalten. Unter anderem sitze er imVerwaltungsrat von Allreal: Das Generalunternehmen baut in Zürich den «Letzi Turm» – ein 70 Millionen Franken-Projekt.

Auch in der Erne-Gruppe und bei Vebego sei Stöckli engagiert. Beide Unternehmen hätten während und nach Stöcklis Amtszeit millionenschwere Aufträge von den SBB an Land gezogen.

Stöckli wehrt sich gegen Quasi-Berufsverbot

Die Beteiligten wehren sich aber gegenüber dem «SonntagsBlick» gegen den Vorwurf von Filz und Vetternwirtschaft. «Die Verwaltungsratsmandate von Jürg Stöckli hatten und haben keinen Einfluss auf die Vergaben der SBB», sagte ein SBB-Sprecher zu der Zeitung.

Stöckli selbst sagt, er habe die Mandate durch seine Leistungen erhalten und nicht durch Filz. Die Beziehungen zu seinen ehemaligen Arbeitskollegen habe er beendet. Er wehrt sich auch gegen ein Quasi-Berufsverbot: «Sollten Mitarbeiter der SBB Immobilien nach dem Austritt nicht bei Firmen tätig sein dürfen, die mit SBB Immobilien in einem Auftragsverhältnis standen, so wäre dies quasi ein Berufsverbot, da fast alle Firmen im Immobilienbereich mit der SBB in irgendeiner Weise eine Geschäftsbeziehung pflegen.»

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