Markt und BörseFinanzmärkte zum Wochenstart erneut im Sinkflug erwartet
hr
28.2.2022 - 07:12
Der Ukraine-Krieg dürfte auch am Montag die Märkte weltweit belasten. (Archivbild)
Keystone
Die jüngsten Entwicklungen im Ukraine-Krieg dürften am Montag für einen erneut volatilen Handelstag sorgen. So zeichnet sich für den Schweizer Aktienmarkt ebenso wie die wichtigsten europäischen Börsenplätze eine verlustreiche Eröffnung ab.
Keystone-SDA, hr
28.02.2022, 07:12
SDA
Auch die Futures für die Wall Street werden aktuell deutlich tiefer gestellt. Damit würden die Märkte einen Grossteil ihrer Erholung vom vergangenen Freitag zunichtemachen und ihre ausgeprägten Schwankungen seit Ausbruch des Krieges am vergangenen Donnerstag fortsetzen.
Am Wochenende haben die USA zusammen mit der EU und Kanada weitere Sanktionen gegen Russland beschlossen wie etwa den Ausschluss einiger russischer Banken aus dem Zahlungssystem Swift und das Einfrieren des Zugangs der russischen Zentralbank zu ihren im Westen gehaltenen Devisenreserven. Im Gegenzug hat der russische Präsident Wladimir Putin mitgeteilt, die Atomstreitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen. Vor diesem Hintergrund wirke die Börsenerholung vom vergangenen Freitag verfrüht. «Niemand ist so naiv, zu glauben, dass dieser Konflikt vorbei ist und nicht weiter eskalieren kann», kommentiert ein Händler.
Aktuell deuten sich laut Indikation vom Broker IG Eröffnungsverluste von mehr als 2 Prozent an. Auch der Deutsche DAX oder der französische Cac-40 werden erneut deutlich tiefer erwartet. Für den US-Index Dow Jones sacken die Futures aktuell um etwa 500 Punkte ab.
Gleichzeitig ziehen die Ölpreise erneut an. So klettert der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wieder über die Marke von 100 Dollar, nachdem er am Freitag unter diesen Wert gefallen war. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuert sich um knapp sechs Prozent. Am Freitag waren die Preise für Öl wegen der vagen Hoffnung auf Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine etwas unter Druck geraten, nachdem sie am Donnerstag infolge des russischen Angriffs auf Mehrjahreshochs geklettert waren.
Dass Investoren erneut die Flucht in sichere Häfen angetreten sind, zeigt sich auch am Devisenmarkt. So ist der Schweizer Franken neben dem japanischen Yen und dem US-Dollar erneut im Aufwind.
STORY: Das Münchener Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft herabgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 0,8 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent wachsen, sagten die Münchner Forscher am Donnerstag voraus. Im September waren sie noch von 1,3 und 1,6 Prozent ausgegangen. Die deutsche Wirtschaft passe sich dem Strukturwandel nur langsam und kostspielig an, hiess es zur Begründung. Zusätzlich würden Unternehmen und Neugründungen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert. Auch die US-Handelspolitik belastet die deutsche Exportwirtschaft demnach weiter spürbar. Die geplanten staatlichen Investitionen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher wirken dem Ifo-Institut zufolge nur verzögert. Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert von der Bundesregierung nun einen «Frühling der Reformen». O-Ton Clemens Fuest, Ifo-Präsident: «Ja, der Herbst der Reform hat leider in die falsche Richtung gesteuert. Was gemeint war, das waren ja Reformen, die das Wachstum stärken. Was wir bekommen haben, das sind überwiegend Reformen, die das Wachstum schwächen, zum Beispiel die Rentenreform, die einfach nur bedeutet, dass wir künftig höhere Steuern werden zahlen müssen. Das ist nicht der richtige Weg. Also, wir brauchen jetzt einen Frühling der Reformen, die in die richtige Richtung steuern.» Ansetzen sollte die Regierung bei Arbeitsmarkt, Investitionen und Bildung, so Fuest. Überflüssige Regulierung und Berichtspflichten müssten abgebaut werden. Helfen könne auch ein flexibleres Arbeitsmarktrecht. Für hochqualifizierte Arbeitskräfte sei ein weniger rigider Kündigungsschutz notwendig, damit neue Unternehmen auch mal Dinge ausprobieren und Leute einstellen könnten.
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STORY: Bundesaussenminister Johann Wadephul hat bei seinem nachgeholten Besuch in Peking nach eigenen Angaben in Wirtschaftsfragen Fortschritte verbuchen können. Unter anderem äusserte er sich dort am Montag zum Thema Versorgung Deutschlands und Europas mit den Seltenen Erden. O-Ton Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister: «Es ist gut, dass so ein substanzieller Kontakt stattfinden kann. Es waren heute offene und intensive Gespräche; Gespräche, die dazu da sind, immer wieder auszuloten, wie man gerade bei schwierigen Fragen vorankommen kann. Wir haben gute, konstruktive Gespräche geführt.»://: «Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein. Wir hören, dass die chinesische Seite durchaus Verständnis hierfür hat. Wir wissen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen. Aber unsere chinesischen Gesprächspartner wissen auch, dass die Europäische Kommission die Wettbewerbsbedingungen genau beobachtet und sich auch immer vorbehalten muss, selbst aktiv zu werden.»://: «Es ist gut zu hören, dass dies auch im chinesischen Interesse ist. Man will einander ein verlässlicher Handelspartner und ein verlässlicher Wirtschaftspartner sein und auch als ein solcher gelten. Und es ist auch gut, von chinesischer Seite zu hören, dass man sich besonderen Engpässen auf deutscher und europäischer Seite mit besonderer Priorität widmen will.»://: «China hat versichert, dass man sehr konstruktiv an die Prüfung dieser Anträge herangehen wird und dass es keinerlei Bestrebungen gibt, gerade deutsche Unternehmen hier mit grösseren Problemen zu belasten. Das halte ich für eine gute Zusage und ermutige jetzt die deutsche Wirtschaft, hier jetzt konkret in die Beantragung hineinzugehen.»://: «Wir wollen Handelsbarrieren abbauen, aber das setzt voraus, dass auch China hier Massnahmen ergreift, die die Effekte der Überproduktion in Europa nicht zu stark werden lassen.» Bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe er hingegen keine nennenswerten Zugeständnisse der chinesischen Führung erhalten.
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Die EU dreht den Gashahn zu: Bis spätestens Ende 2027 will Brüssel vollkommen unabhängig von russischem Erdgas sein. Damit wollen sich die EU-Staaten langfristig unabhängig von Energieimporten aus Russland und damit weniger erpressbar machen. Zudem wird es Russland erschwert, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit den Milliardengewinnen aus Energielieferungen zu finanzieren.
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