Gamestop-Aktie läuft wieder heiss – und irritiert Börsen-Altmeister

Von Hannes Breustedt, dpa

25.2.2021 - 17:42

Die Kurskapriolen bei Aktien des Videospielhändlers Gamestop und anderer US-Unternehmen ziehen weitere Rechtskonflikte nach sich.
Spekulanten haben sich auf die Aktie des Videospielhändlers Gamestop eingeschossen. 
Bild: Pat Mazzera/SOPA Images via Zuma Wire/dpa

Der Börsenkrimi um die Gamestop-Aktie nimmt kein Ende: Der Kurs schoss am Donnerstag weiter in die Höhe. Ein Vertrauter von Star-Investor Warren Buffett warnt, das müsse ein böses Ende nehmen. 

Der Videospielhändler Gamestop mag in einer tiefen Krise stecken, doch die Aktie des Unternehmens sorgt am US-Finanzmarkt weiterhin für ein Kursfeuerwerk: Nach starken Verlusten in den Vorwochen ging die Aktie am Donnerstag mit einem Plus von sagenhaften 85 Prozent in den Handel.

Der Kurs der Aktie hatte sich bereits am Mittwoch mehr als verdoppelt, ohne dass auf Anhieb ein klarer Grund ersichtlich gewesen wäre. Es dürften also Spekulanten am Werk sein. Angesichts der Geschehnisse warnt der langjährige Partner von Staranleger Warren Buffett, Charlie Munger, nun vor Exzessen.

«Irritierende Blase»

Der Vizechef von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway sieht die jüngsten Turbulenzen am US-Finanzmarkt mit grosser Sorge. Kurskapriolen wie bei den Gamestop-Aktien seien Anzeichen einer «irritierenden Blase», die ein böses Ende nehmen müsse, sagte der 97-Jährige bei der jährlichen Hauptversammlung des US-Medienkonzerns Daily Journal Corporation.

Die Aktien von Gamestop waren am Mittwoch vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden und hatten letztlich mit einem Plus von 104 Prozent bei fast 92 Dollar geschlossen. Nachbörslich ging es mit heftigen Schwankungen weiter, zeitweise schoss der Kurs um weitere 100 Prozent nach oben.



Am Vortag hatte Gamestop den Abgang von Finanzchef Jim Bell angekündigt, ohne einen Grund zu nennen. US-Medien berichteten später, dass der Manager auf Druck einflussreicher Anteilseigner seinen Hut habe nehmen müssen, weil es Unstimmigkeiten über die Strategie gegeben habe.

Dabei soll Investor Ryan Cohen eine Schlüsselrolle gespielt haben, der im Januar einen Posten im Verwaltungsrat übernommen hatte. Er gilt vielen Spekulanten als Hoffnungsträger für ein Comeback, weil er bereits den Tierbedarfshändler Chewy erfolgreich umgekrempelt hatte.

Kritik an Zocker-Mentalität

Börsen-Altmeister Munger hält vom Gamestop-Hype gar nichts. Der Spekulationsrausch offenbare, so seine Kritik, eine gefährliche neue Kultur, bei der Menschen von Billig-Brokern wie Robinhood ermutigt würden, wie bei Pferdewetten mit Aktien zu zocken.

Tatsächlich steckt Gamestop eigentlich schon schon länger in der Krise, doch angetrieben von im Internet organisierten Kleinanlegern hatten die Aktien der Firma im vergangenen Monat eine atemberaubende Rally hingelegt.

Umfrage
Handeln Sie mit Aktien?

Das wiederum brockte einigen Hedgefonds, die auf einen Kursverfall gewettet hatten, milliardenschwere Verluste ein. Ende Januar hatte die Aktie ein Rekordhoch von über 483 Dollar erreicht, doch der Höhenflug war rasch wieder vorbei. Die Kursturbulenzen rund um Gamestop und einige andere Unternehmen an den US-Börsen haben bereits ein Nachspiel: US-Behörden untersuchen die Vorfälle und ermitteln wegen möglicher Marktmanipulationen.

Robinhood in der Kritik

In die Kritik geriet auch der mit seiner einfach zu bedienenden App beliebte Discount-Broker Robinhood, der vor allem bei jüngeren Leuten beliebt ist. Vor allem die Tatsache, dass Robinhood den Handel mit heissgelaufenen Aktien wie jenen von Gamestop während der Kursexplosion im vergangenen Monat so beschränkte, dass diese nur noch verkauft werden konnten, sorgt für Ärger. Den Verdacht von Absprachen mit Hedgefonds wies Robinhood jedoch entschieden zurück.



Charlie Munger übte nun ebenfalls heftige Kritik an Robinhood, aber nicht wegen der Handelsbeschränkungen, sondern weil er die App eher für eine Art Glücksspiel-Anbieter hält als für einen seriösen Broker. Robinhood betreibe ein «dreckiges» Geschäft, bei dem Nutzer mit Gebührenfreiheit gelockt würden, während das Unternehmen für die Vermittlung ihrer Transaktionen Geld von Wall-Street-Akteuren erhalte und deshalb zu möglichst viel und auch riskantem Handel ermutige.

Robinhood wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück. Munger habe auf einen Schlag eine ganze neue Generation von Anlegern angegriffen, seine Kritik sei «enttäuschend und elitär», sagte ein Firmensprecher dem Sender CNBC. Robinhood sei geschaffen worden, um Menschen den Aktienmarkt zu erschliessen, die keinen Zugang zu vererbten Vermögen und Ressourcen hätten. Tatsächlich sei die neue Vielfalt von Investoren am Finanzmarkt ein Grund zur Freude.

Den Höhenflügen des Elektroautobauers Tesla und der digitalen Währung Bitcoin kann der Buffett-Vize auch nichts abgewinnen. Er wisse nicht, welche Kursrally er schlimmer finde, so Munger. Der Bitcoin tauge wegen seiner starken Kursschwankungen nicht als Zahlungsmittel. Tesla-Chef Elon Musk ist grosser Fan von Kryptodevisen, das Unternehmen hatte zuletzt für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft und den Kurs der bekanntesten Digitalwährung so weiter befeuert.

Gamestop-Anhörung: Hedgefonds-Chefs verteidigen ihre Geschäftsmodelle

Gamestop-Anhörung: Hedgefonds-Chefs verteidigen ihre Geschäftsmodelle

Der US-Kongress untersucht, wie Aktien von Gamestop und anderen Titeln in schwindelerregende Höhen getrieben werden konnten. Auch Kleinanleger-Plattformen mussten sich kritischen Fragen stellen.

25.02.2021

Zurück zur Startseite