EnergieIn jeder zweiten Schweizer Gemeinde sind Solaranlagen unrentabel
ceel, sda
2.2.2023 - 10:00
Die Installation von Solaranlagen auf Dächern, wie hier in Freiburg, rentiert sich in jeder zweiten Schweizer Gemeinde laut einer neuen Studie nicht. (Archivbild)
Keystone
In jeder zweiten Schweizer Gemeinde machen Privatpersonen mit Solaranlagen auf dem Hausdach Verlust. Laut einer neuen Studie von Forschenden der Universität Bern und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich bremst das den Solarausbau in der Schweiz.
Keystone-SDA, ceel, sda
02.02.2023, 10:00
SDA
Um ihre Klimaziele zu erreichen, müsse die Schweiz ihre Stromerzeugung aus Sonnenenergie massiv erhöhen. «Dafür müssen wir das Potential auf den Dächern nutzen», sagte Studienleiter Tobias Schmidt von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Dies werde durch die teilweise schlechten Rahmenbedingungen verhindert. Die am Donnerstag veröffentlichte Studie wurde im Rahmen des Projekts «Sweet Edge» durchgeführt und vom Bundesamt für Energie (BFE) in Auftrag gegeben.
Insgesamt fänden sich in den Kantonen und Gemeinden nur wenige Beispiele von wirklich ehrgeizigen Massnahmen zur Förderung des Photovoltaik-Zubaus, schrieben die Autoren in der Studie. Auch auf Kantonsebene würden nur wenige ihren politischen Spielraum nutzen, um Haushalten und Investoren mehr finanzielle Anreize für Solaranlagen zu bieten.
Die Unterschiede zwischen Gemeinden und sind dabei laut der Studie beträchtlich. Während man in den Gemeinden Emmetten (NW) oder Ennetbürgen (NW) bei derzeitigen Tarifen mit einer Solaranlage über eine Lebenszeit von 30 Jahren fast 18'000 Franken Gewinn machen kann, würde man in Kappel am Albis (ZH) mit der gleichen Anlage theoretisch über 6000 Franken Verlust machen.
Mit Wärmepumpe besser
Beeinflusst werden diese unterschiedlichen Preise laut der Studie durch diverse Faktoren. So spielen unterschiedliche Politiken in Kantonen und Gemeinden bei Bauvorschriften, Subventionen und der steuerlichen Behandlung von Photovoltaikanlagen eine Rolle.
«Den grössten Einfluss hat aber eine Kombination aus den Strompreisen und dem Erlös, den man für die Einspeisung von Solarstrom erhält», erklärte Schmidt. So bieten die 630 Stromversorgungsunternehmen in der Schweiz sehr unterschiedliche Einspeisetarife für Solarenergie (5 bis 22 Rappen pro Kilowattstunde) sowie Strompreise (10 bis 32 Rp/kWh) an.
Da der Einkaufspreis von Strom höher ist als Einspeisetarif, lohne sich eine Solaranlage grundsätzlich für Häuser mit einer Wärmepumpe – und damit einem höheren Eigenbedarf an Strom – eher, als bei Häusern mit einer Gasheizung. Zudem spiele auch die Grösse des Hauses eine Rolle. «Bei Mehrfamilienhäusern mit grösseren Dächern lohnt sich eine Solaranlage fast immer», sagte Schmidt.
Wenige Kilometer entscheidend
Wegen der grossen Rolle der Netzbetreiber entschieden teilweise innerhalb eines Kantons bereits wenige Kilometer darüber, ob der eigene Solarstrom rentabel ist, hiess es in einer Mitteilung der ETH Zürich. So auch im Kanton Zürich: In Rümlang würde bei derzeitigen Tarifen eine Anlage für ein Einfamilienhaus mit einer Leistung von 12 kW über eine Lebenszeit von 30 Jahren eine Rendite von 6 Prozent oder 7000 Franken abwerfen.
Im 6.5 Kilometer entfernten Kloten würde man mit der gleichen Anlage einen leichten Verlust machen. Ausschlaggebend dafür ist neben dem Strompreis erneut die stark unterschiedliche Vergütung der lokalen Netzbetreiber: So erhält man in Rümlang 2022 16,97 Rappen pro Kilowattstunde, während man in Kloten nur 6,10 Rappen pro Kilowattstunde bekommt.
Die Studienautoren haben dabei keine Tendenzen feststellen können, sagte Schmidt: «Es ist wirklich ein Flickenteppich.» Untersucht haben sie etwa, ob es einen Stadt-Land-Graben gäbe, oder einen Unterschied zwischen Bergregionen und dem Mittelland.
Harmonisierung als Lösung
Um den Solarausbau zu beschleunigen, empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die unterschiedlichen Vorschriften und Vergütungen in der Schweiz anzugleichen. «Die ausgeprägten föderalistischen Strukturen führen im Falle der Photovoltaik dazu, dass eine Mehrheit der Kantone deren Ausbau zu wenig aktiv fördert.
Eine Harmonisierung über verbindliche und ambitiösere Standards wäre nötig», sagte Mitautorin Isabelle Stadelmann von der Universität Bern in der Mitteilung der ETH Zürich. Insbesondere brauche es dafür eine Angleichung der Einspeisetarife der Netzbetreiber. Zudem schlagen die Studienautorinnen und -autoren vor, Solaranlagen in allen Kantonen von Steuern zu befreien.
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