Fragen und Antworten

Das ist über das Affenpocken-Virus bekannt

uri/gbi

4.6.2022

Videografik: Affenpocken – Wissenswertes zur Virus-Erkrankung

Videografik: Affenpocken – Wissenswertes zur Virus-Erkrankung

Videografik: Affenpocken – Wissenswertes zur Virus-Erkrankung

01.06.2022

Die Pocken des Menschen gelten seit mehr als 40 Jahren als ausgerottet. Nun werden immer wieder neue Fälle der Affenpocken in Europa nachgewiesen. Was hat es mit dem Erreger auf sich? Und was sind die Symptome?

uri/gbi

4.6.2022

Hinweis: Dieser Artikel wird regelmässig ergänzt und aktualisiert.

Was sind die Affenpocken?

Bei den Affenpocken (offiziell Monkeypox virus, MPV) beim Menschen handelt es sich um eine Viruserkrankung, die für gewöhnlich in Afrika vorkommt. Die Viren gehören zu einer Unterfamilie der herkömmlichen Pockenviren und haben ihr Reservoir vermutlich in Nagetieren, sind aber auch auf Menschen übertragbar. Affen, woher die Erreger ihren Namen haben, gelten indes lediglich als sogenannte «Fehlwirte».

Auch beim Menschen können die Viren eine pockenähnliche Erkrankung auslösen, die sich meist mild äussert, aber «auch tödlich verlaufen kann», wie das deutsche Robert-Koch-Institut mitteilt.

Was sind die Symptome?

Zu den ersten Krankheitsanzeichen der Affenpocken zählen Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Erschöpfung. Es kann sich ein Ausschlag entwickeln, der sich oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile ausbreitet, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) festhält

Eine Gürtelrose oder Syphilis könnten dem Krankheitsbild von Affenpocken manchmal ähneln.

Anders als bei den Windpocken («Wilde Blattern») dagegen könnten die Hautveränderungen bei Affenpocken gleichzeitig in unterschiedlichen Stadien auftreten, also Bläschen neben Pusteln und Krusten stehen. 

A skin lession caused by the monkeypox virus is shown on the hand of a child infected with the virus two weeks after being bit by a prairie dog in Wisconsin in this May, 27, 2003 photo. Federal health officials investigating an outbreak of monkeypox that apparently spread from pet prairie dogs to people in three Midwestern states said Monday, June 9, 2003, that the number of possible cases has risen to at least 33. (KEYSTONE/AP Photo/Marshfield Clinic) === ===
Ausschlag an der Hand eines Kindes nach einer Affenpocken-Infektion. (Archiv)
Bild: Keystone

Wie verläuft die Krankheit?

Zwischen Ansteckung und dem Beginn der Erkrankung (= Inkubationszeit) vergehen gemäss WHO in der Regel fünf bis 21 Tage. Die Infektion selbst dauert gemäss der US-Behörde CDC für gewöhnlich zwischen zwei und vier Wochen. Infektionsgefahr besteht dabei, bis die Krusten des Ausschlags abfallen. Zudem sollen nur symptomatisch Erkrankte ansteckend sein.

Die Krankheit verlaufe «in der Regel mild», schreibt das BAG. Die meisten Betroffenen würden sich innerhalb weniger Wochen. Personen mit geschwächtem Immunsystem, Schwangere, Kinder und ältere Menschen scheinen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf zu haben. Es scheine, so heisst es weiter, dass ausserdem Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr hätten, ein erhöhtes Risiko hätten. Das sei aber nicht erwiesen und und gefährde alle Betroffenen, wehrt man sich bei der Organisation Pink Cross, die sich für die Rechte der LGBTQ-Gemeinde einsetzt.

Wo treten die Affenpocken auf?

In den vergangenen Wochen sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit mehr als 550 Fälle von Affenpocken in 30 Ländern aufgetreten, die von der Krankheit bislang kaum betroffen waren. Dazu zählen Deutschland, Spanien, Portugal, Griechenland, Irland, Grossbritannien, Kanada, die USA und andere Länder mehr.

In der Schweiz wurden insgesamt sieben laborbestätigte Affenpocken-Fälle gezählt. Zwar müsse davon ausgegangen werden, dass weitere Fälle auftreten. Trotzdem gehe das BAG zurzeit nicht von einer Gefahr für die Bevölkerung aus. Die epidemiologischen Daten wiesen vielmehr auf eine «Begrenzung der Ausbrüche» hin.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Normalerweise wird das Affenpockenvirus von Tieren auf den Menschen übertragen, laut dem deutschen Robert-Koch-Institut «vor allem durch Kontakt mit den Hauteffloreszenzen, Blut, Gewebe oder Ausscheidungen infizierter Tiere und dem Umgang mit dem Fleisch erkrankter Tiere».

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei zwar selten, sei aber «durch engen Kontakt» möglich, hält das BAG fest. Sicher sei, dass das Virus durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen werden könne, also zum Beispiel beim Sex, über die Nase und den Mund. Weiter wird das Virus über Hautverletzungen oder Gegenstände, die vor Kurzem kontaminiert wurden, weitergegeben. 

Warum wird vor dem Sommer gewarnt?

«Das Potenzial für eine weitere Übertragung in Europa und anderswo im Sommer ist hoch», heisst es in einer Erklärung des WHO-Regionaldirektors für Europa, Hans Henri Kluge. Das hat aber nichts mit den klimatischen Bedingungen im Sommer zu tun, sondern mit dem Umstand, dass im Sommer viele Konzerte und Festivals anstehen – an denen sich junge, sexuell aktive Menschen sehr nahe kommen, wie Kluge sagt.

Was sind die Behandlungsmöglichkeiten?

Es gibt keine spezifische Therapie und hierzulande keine zugelassene Impfung gegen Affenpocken. Allerdings existieren medikamentöse Optionen, um die Symptome abzuschwächen. In einem frühen Stadium der Erkrankung kann man etwa den Pockenimpfstoff verabreichen, berichtet das Wissenschaftsmagazin «Spektrum». Zusätzlich können demnach auch antivirale Medikamente eingesetzt werden, um den Verlauf der Erkrankung zu dämpfen.

Laut «Spektrum» reduziert eine herkömmliche Pockenimpfung auch die Wahrscheinlichkeit einer Affenpocken-Infektion um etwa 85 Prozent. Da seit dem Ende der Pocken-Impfkampagne weltweit allerdings auch der Anteil der Ungeimpften kontinuierlich ansteige, hätten es nun auch die Affenpocken leichter, Menschen zu infizieren, schreibt das Magazin.

Wie gefährlich ist die Krankheit?

Die Viruserkrankung ruft laut Gesundheitsbehörden verschiedener Länder meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Insgesamt sei die «Prognose als günstig zu bewerten», teilt das deutsche RKI mit, allerdings beobachte man auch eine Sterblichkeit von bis zu elf Prozent bei Kindern unter 16 Jahren mit zentralafrikanischen Virusvarianten.

«Zurzeit gehen wir von keiner Gefahr für die Bevölkerung aus», hält das BAG fest. Alle Akteure im Gesundheitswesen sollten jedoch wachsam bleiben, um Fälle frühzeitig zu erkennen infizierte Personen in die Isolation schicken zu können. 

Was soll ich tun, wenn ich mich infiziert habe?

Das Bundesamt für Gesundheit rät, dass man sich zu Hause isolieren sollte. Wenn andere Personen im selben Haushalt wohnen, in einem eigenen Zimmer. Kontakt mit anderen sollte vermieden werden, ausserdem dürfe man sich Handtücher, Geschirr oder Ähnliches mit anderen teilen. Wäsche sollte bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. 

Hände regelmässig waschen und desinfizieren. Wer dennoch das Haus verlassen müssen, könnte eine Atemmaske tragen und sollte auf keinen Fall den öffentlichen Verkehr benutzen. 

Diese Isolation sollte solange aufrechterhalten werden, bis die Krusten abgefallen seien und sich eine neue Hautschicht gebildet habe. 

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP