Reaktion auf Gen-Babys

Gen-Forscher wollen «abtrünnige» Kollegen hart bestrafen

dpa

30.4.2019

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui hat den Zorn seiner Kollegen auf sich gezogen: Der Gen-Forscher hatte der Welt im November 2018 eröffnet, dass zwei Babys mit von ihm manipulierten Genen geboren worden sind.
Bild: AP

Strafen mit ausreichend Biss sollten Wissenschaftler bekommen, die abtrünnige Gen-Experimente machen und etwa genmanipulierte Babys herstellen. Das fordern Forscher.

Mit Blick auf die Bekanntgabe der Geburt der weltweit ersten genmanipulierten Babys in China haben Wissenschaftler mehr Achtsamkeit bei der Forschung und eine strengere Aufsicht gefordert. Regulierungen und Strafen bräuchten «ausreichend Biss», um der Öffentlichkeit zu versichern, dass solche «abtrünnige Forschung» keine Zukunft hat, schrieb der Medizin-Ethiker Arthur Caplan von der New York University School of Medicine in einem am Dienstag erschienen Beitrag im Fachjournal «Plos Biology». Es gebe wenig Raum für etwas anderes als eine «lautstarke Verurteilung» für die Experimente des chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui.



He Jiankui hatte im vergangenen November auf Youtube verkündet, er habe mit der Genschere Crispr/Cas9 Embryonen manipuliert, um sie gegen den Aidserreger HIV resistent zu machen. Die Zwillinge Nana und Lulu seien gesund auf die Welt gekommen. In einem Untersuchungsbericht der Regierung hiess es später, der Forscher habe illegal gehandelt. Er habe die finanziellen Mittel für seine Arbeit allein eingesammelt und sich der Aufsicht durch seine Universität entzogen.

Derzeit sei die Bearbeitung von Embryonen, insbesondere in Bezug auf die Reparatur ihrer DNA, noch kaum verstanden, so Caplan. Daher sei ein tieferes Verständnis der Mechanismen und möglichen Nebenwirkungen eine unabdingbare Voraussetzung für jede weitere Diskussion über den Einsatz der Methode.



Kritik am Vorgehen ihres Kollegen übten am Dienstag auch die chinesischen Gen-Wissenschaftler Haoyi Wang und Hui Yang. Das Handeln von He Jiankui und seinem Team sei «äusserst verantwortungslos, sowohl wissenschaftlich als auch ethisch», schrieben sie ebenfalls in einem Beitrag für «Plos Biology». Es sollten «klare und strenge Gesetze» verabschiedet werden.

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