Gefährlichkeit von neuer Virus-Variante – London rudert zurück

dpa/tafi

24.1.2021 - 12:10

Sorgt mit seinen Aussagen für Stirnrunzeln: Boris Johnson.
Sorgt mit seinen Aussagen für Stirnrunzeln: Boris Johnson.
Leon Neal/PA Wire/dpa

Seit Bekanntwerden der Mutation B.1.1.7 in England fragen sich Politiker und Wissenschaftler: Ist die Corona-Variante tödlicher als die bisher bekannte? Genau das behauptete der britische Premier Johnson am Freitag und erntete Verwunderung.

Eine Mutation des Coronavirus, eine rasante Verbreitung – und nun auch eine höhere Sterblichkeit? Was wie der Alptraum jedes Virologen klingt, könnte in England wahr werden. So legen es jedenfalls Aussagen von Premierminister Boris Johnson nahe. Demnach ist die in Grossbritannien entdeckte Variante des Coronavirus möglicherweise tödlicher als die bislang vorherrschende. Die Aufregung ist gross. 

Doch prompt sah sich Johnson Kritik ausgesetzt. «Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, dass die Nachricht auf einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde», sagte Mike Tildesley, Mitglied des wissenschaftlichen Expertengremiums Sage, der BBC. «Ich mache mir Sorgen, dass wir Dinge voreilig melden, wenn die Daten noch nicht wirklich besonders aussagekräftig sind.»

Nun rudert die Regierung etwas zurück. Es sei «nicht wirklich sicher, wie tödlich» die Mutation B.1.1.7 ist, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag dem Sender Sky News. Studien hätten unterschiedliche Daten ergeben. Das Risiko bestehe aber, dass mehr Menschen wegen der zuerst in Südostengland entdeckten Variante sterben. Erwiesen sei, dass diese sich schneller übertrage.

Johnson hatte am Freitag gesagt, es gebe «einige Hinweise» dafür, dass die neue Variante mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sei. Dies betreffe Männer in ihren Sechzigern. Wissenschaftler hatten sich über Johnsons Aussagen verwundert gezeigt. Es lägen noch nicht ausreichend Daten vor.

Der stellvertretende medizinische Chefberater der Regierung für England, Jonathan Van-Tam, forderte auch geimpfte Menschen auf, sich weiter an die Corona-Regeln zu halten. Es sei noch nicht erwiesen, ob die Impfung auch die Übertragung des Virus verhindere.

«Wenn Sie ihr Verhalten ändern, könnten Sie das Virus weitergeben, somit die Zahl der Fälle auf hohem Niveau halten und andere gefährden», schrieb Van-Tam in der Zeitung «Sunday Telegraph». Mittlerweile erhalten jeden Tag Hunderttausende Menschen eine Dosis, insgesamt sind es bereits mehr als 5,8 Millionen der insgesamt 66 Millionen Einwohner.

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