Hören Büsi auf ihren Namen? 

Valentin Frimmer, dpa/uri

4.4.2019 - 16:03

Für Katzenhalter eine klare Sache, nun auch wissenschaftlich erwiesen: Katzen erkennen, wenn man sie beim Namen ruft. (Archivbild)
Bild: Keystone

Für viele Katzenfreunde ist klar: Ihr Stubentiger kennt seinen Namen und reagiert auch darauf. Aber stimmt das wirklich? Forscher sind der Frage nun auf den Grund gegangen. 

Wenn Minka gerufen wird, kommt Minka auch. Zumindest wenn es ein Leckerli oder eine Kuscheleinheit mit Herrchen oder Frauchen abzustauben gibt und sie gerade Lust hat. Auch wenn Stubentiger ihren eigenen Kopf haben: Dass Katzen ihren Namen erkennen und darauf reagieren, ist für ihre Halter ausgemachte Sache. Bislang fehlten aber wissenschaftliche Belege. Die legen nun japanische Forscher vor.

Hauskatzen (Felis silvestris catus) können tatsächlich ihren Namen aus anderen Wörtern heraushören. Das schreiben Atsuko Saito von der Sophia-Universität in Tokio und sein Team im Fachmagazin «Scientific Reports». Es sei der erste experimentelle Nachweis, dass Katzen verbale Lautäusserungen von Menschen verstehen können.



Es funktioniert auch bei Fremden

Den japanischen Forschern zufolge wird erst seit kurzer Zeit die Fähigkeit von Katzen erforscht, mit Menschen zu kommunizieren. Dabei habe man beispielsweise herausgefunden, dass es Katzen verstehen, wenn ihnen ihr Halter mit dem Finger den Weg zu ihrem Fressen zeigt. Zudem ändern Katzen – zumindest zum Teil – ihr Verhalten, je nachdem ob ihr Herrchen grimmig oder freundlich guckt.

Das Team um Saito untersuchte nun insgesamt 78 Katzen. Die Forscher schauten sich unter anderem an, wie die Tiere reagieren, wenn sie zunächst hintereinander vier allgemeine japanische Wörter vom Band hören. Dabei nahm die Aufmerksamkeit der Katzen immer weiter ab. Dann wurde ihnen ihr eigener Name vorgespielt. Die Forscher achteten darauf, dass die Wörter einen ähnlichen Klang wie der jeweilige Name der Katze hatten und dass sie gleich betont wurden.



Das Ergebnis: Mehrheitlich reagierten die Katzen auf ihren Namen. Sie bewegten ihre Ohren oder den Kopf mehr. Der Effekt war auch zu beobachten, wenn nicht der Katzenbesitzer selbst zu seinem Tier sprach, sondern eine fremde Person. Mit einem anderen Experiment konnten die Forscher zeigen, dass Katzen aus Haushalten mit mehr als einem Stubentiger vermutlich ihren Namen von denen der anderen unterscheiden können.

Wie könnte man das Potenzial der Tiere nutzen?

Der anerkannte Katzenexperte Dennis Turner hält die Studie für «seriös durchgeführt», überrascht ist er allerdings nicht so richtig. «Katzen sind sehr intelligente und lernfähige Tiere – wenn sie bereit sind mitzumachen», sagt Turner, der nicht an der Studie beteiligt war. Allerdings verlören die meisten Halter die Geduld, bevor ihr Liebling etwas gelernt habe.

In der Schweiz gibt es laut SRF rund 1,7 Millionen Katzen. Dabei existiert im Kanton Waadt die höchste Katzendichte. Hier kommen 50 Tiere auf 1'000 Einwohner. Am wenigsten Katzen im Verhältnis zu Menschen leben im Kanton Appenzell Innerrhoden. Hier sind es nur sechs Katzen auf 1'000 Einwohner.

Die Ergebnisse aus Japan dürften auch auf die Schweiz übertragbar sein, denn Turner meint: «Ich erwarte keine Unterschiede im Vokalverhalten oder bei der Fähigkeit, Namen zu erkennen.»

Das Können der Katzen resultiere aus dem täglichen Umgang von Mensch und Tier, schreiben die japanischen Forscher. Sie schlagen vor, das Potenzial zu nutzen: «Vielleicht können wir Katzen dazu bringen, zu lernen, dass sie gefährliche Gegenstände oder Orte mit bestimmten Lautäusserungen in Verbindung bringen.»

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