Lava und Asche bieten den Bewohnern Neuland voller Chancen

tsha

14.1.2022

Drei Monate lang spuckte der Vulkan auf La Palma Feuer, zerstörte Dörfer und Felder. Nun stehen die Bewohner vor einem weiteren Problem: Wohin mit all der Lava und Asche?

tsha

14.1.2022

Für Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez und sicherlich auch für die Bewohnerinnen und Bewohner von La Palma war es «das beste Weihnachtsgeschenk»: Am 25. Dezember 2021 wurde der Vulkanausbruch auf der kleinen Kanaren-Insel für beendet erklärt, drei Monate, nachdem sich am 19. September die Erde mit einer gewaltigen Explosion geöffnet hatte.

85 Tage lang spuckte der Vulkan Asche und Lava, die über grossen Teilen der Insel niedergingen. 7'000 der 80'000 Einwohnerinnen und Einwohner La Palmas mussten in Sicherheit gebracht werden, mittlerweile sind rund 2'000 von ihnen zurückgekehrt. Fast 2'900 Wohnhäuser und andere Bauten wurden in den Tagen und Wochen nach der Eruption zerstört, auch viele landwirtschaftliche Flächen wurden unter den Lavamassen begraben. Schäden in Höhe von 900 Millionen Euro sollen entstanden sein.



Heute steht La Palma vor dem Wiederaufbau – und vor der Frage, wohin mit den Unmengen an Asche und Lava, die über der Landschaft niedergegangen sind. Rund 1'200 Hektar der Insel – also umgerechnet etwa 1'700 Fussballfelder – sind mit einer meterdicken Lavaschicht bedeckt, die erst langsam auskühlt. Teilweise beträgt die Temperatur in den Lavafeldern noch immer 100 Grad Celsius, und bis zum völligen Erkalten könnten Monate vergehen. Auch ins Meer hat sich die Lava ergossen; Unterwasseraufnahmen zeigten mit Asche bedeckte Meeresbewohner. 

Blick ins alte Rom

Vor allem aber die Zerstörungen an Land bereiten Sorge. Anstatt zu versuchen, die Lavamassen abzutragen, sei es möglicherweise besser, auf ihnen zu bauen, sobald sie erkaltet sind. Das sagte die Geologin Inés Galindo im Gespräch mit dem britischen «Guardian».

Die Geschichte der Insel Lanzarote, so Galindo, habe ausserdem gezeigt, dass ein mit Lava bedeckter Boden ganz neue landwirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen könne. Auf der Nachbarinsel von La Palma hatte im 18. Jahrhundert ein rund sechs Jahre andauernder Vulkanausbruch eine Fläche von etwa 167 Quadratkilometern mit Lava bedeckt. «Die Partikel waren porös und in der Lage, das Wasser im Boden zu halten», so Galindo. «Sie nutzten dies, um Weinberge anzulegen.» Derzeit untersucht die Wissenschaftlerin mit ihrem Team, ob das auch für die Lava-Felder auf La Palma eine Möglichkeit wäre.



Ein Blick auf einen anderen historischen Vulkanausbruch könnte hingegen eine Lösung bieten für die Unmengen an Asche, die nach der Eruption auf La Palma gefallen sind: Bereits die Römer hatten gelernt, nach einem Vulkanausbruch aus der Asche Strassen, Brücke und Gebäude zu bauen. «Die Römer arbeiteten mit der Asche des Vesuv und nutzten sie zum Bau ihrer Basiliken und Gebäude», sagte der Ingenieur Javier Juvera, der für die lokale Verwaltung arbeitet, dem «Guardian».

Nun müsse allerdings noch herausgefunden werden, ob die Asche des Vulkans von La Palma dafür geeignet sei, Steinfragmente zu binden und so als Baumaterial zu dienen. Schon länger wird auf den Kanarischen Inseln eine Mischung aus Zement und Vulkankegeln gewonnenem Material zum Bau von Häusern verwendet – Erfahrung mit diesem ungewöhnlichen Rezyklieren von Vulkan-Überresten hat man auf La Palma also reichlich.