Geld macht auch nicht glücklich – oder vielleicht doch? 

SDA/jka

20.1.2021 - 10:01

US Dollar, Franken und Euro Banknoten fotografiert am 15. Juni 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Macht Geld etwa doch glücklich? 
Bild: Keystone

Bislang geht man davon aus, dass Geld alleine auch nicht glücklich macht. Ein US-Forscher zeigt nun aber: Die Lebenszufriedenheit und das emotionale Wohlbefinden steigen mit dem Lohn. 

Menschen mit eher kleinem Einkommen konnten sich bislang damit trösten, dass ein hoher Lohn auch nicht glücklicher macht. Das schienen zumindest mehrere wissenschaftliche Studien nahezulegen. Ein US-Forscher widerspricht dem nun mit einer grossen Untersuchung im Fachblatt «PNAS».

Für die Arbeit des Psychologen Matthew Killingsworth von der University of Pennsylvania wurden über 33'000 erwerbstätige Erwachsene in den USA an zufälligen Zeitpunkten des Tages über eine App gefragt: «Wie fühlen Sie sich gerade?»

Das Ergebnis der 1,7 Millionen Einzeldaten: Die allgemeine Lebenszufriedenheit und auch das tägliche emotionale Wohlempfinden stiegen mit dem Lohn und das weit über ein jährliches Haushaltseinkommen von 80'000 US-Dollar (71'000 Franken) hinaus. Einige Forscher gingen zuvor von rund 75'000 Dollar oder weniger aus, an dem das emotionale Wohlbefinden nicht mehr steigt. Killingsworth gibt keinen oberen Wert an.

Mehr Kontrolle dank mehr Geld

Als einen der Gründe nennt er, dass reiche Menschen das Gefühl hätten, mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben. Killingsworth sieht seine differenziertere Methodik als Grund für die abweichenden Resultate an: So seien die Probanden mithilfe des Smartphones quasi in Echtzeit befragt worden. Zudem wurden deren Emotionen mit einer breiten Skala abgefragt.

«Die insgesamt bessere Methode könnte tatsächlich zu dem neuen Ergebnis geführt haben», kommentiert der Soziologe Jan Delhey von der Universität Magdeburg.

Erlebnisse machen glücklicher

Wichtig sei aber nicht nur, wie viel Geld man habe, sondern auch, wofür man es ausgebe. Erlebnisse machen laut Delhey glücklicher als Güter, weil sie sich weniger abnutzen. Ebenso mache es glücklich, wenn man Geld nicht nur für sich, sondern auch für andere ausgebe.

Und er betont: Reiche hätten lediglich eine grössere Chance auf höhere Zufriedenheit. «Im Einzelfall finden wir kreuzunglückliche Hocheinkommensbezieher genauso wie Menschen mit geringerem Einkommen und hohem Wohlbefinden.»

Zurück zur Startseite

SDA/jka