Was bringen Antikörpertests ausser einem 90-Tage-Zertifikat überhaupt?

Von Uz Rieger

25.11.2021

Für einen Corona-Antikörpertest muss Blut abgenommen werden.
Für einen Corona-Antikörpertest muss Blut abgenommen werden. (Symbolbild)
Bild: dpa

Die Nachfrage nach Antikörpertests ist riesig. Und das obwohl sie teuer sind und selbst bezahlt werden müssen. Eine Virologin klärt auf, was die Tests neben einem 90-Tage-Zertifikat noch leisten können. 

Von Uz Rieger

25.11.2021

Seit rund einer Woche kann man über einen Antikörpertest das Schweizer Covid-Zertifikat erlangen. Und das Angebot kommt an: Den Apotheken wird förmlich die Tür eingerannt – es bilden sich bereits lange Schlangen und in manchen ist das Test-Kontigent sogar bereits aufgebraucht, wie die Tamedia-Zeitungen berichten.

Das rege Interesse an den Antikörpertests verwundert nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass man sie selbst bezahlen muss und sie mit Preisen zwischen 50 und 100 Franken alles andere als billig sind.

Dafür gibt es dann – im Idealfall – ein Zertifikat, das nicht nur zwei Tage gilt wie ein offizieller Antigen-Schnelltest oder drei Tage wie ein PCR-Test, sondern 90 Tage. Im Vergleich zu einer vollständigen Impfung, die ein Zertifikat für ein volles Jahr ermöglicht und dazu noch gratis ist, ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis allerdings schlecht.

Was ein Antikörpertest neben einem Zertifikat sonst noch leisten kann, hat blue News bei der Virologin Alexandra Trkola nachgefragt. Sie ist die Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie der Universität Zürich.

Frau Trkola, ist ein positiver Antikörpertest eigentlich sicher genug, dass man dafür auch ein Covid-Zertifikat über 90 Tage erhalten sollte?

Bei einem eindeutigen Resultat ist es sicher, dass eine Antikörperantwort entweder durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder eine Impfung gebildet wurde. Ist eine hohe Aktivität im Antikörpertest vorhanden, kann man davon ausgehen, dass die Antikörperantwort 90 Tage anhalten wird.

Leider liefern viele der angewandten Tests aber keine Aussage über die Stärke der Antikörperantwort. Unsicherheiten bestehen zum Teil auch beim Zertifikat für Genesene. Es gibt Genesene, die sehr wenig Antikörper ausbilden und diese rasch wieder verlieren. Bei solchen Personen wären nach 90 Tagen keine Antikörper mit einem Test messbar.

Erfährt man durch einen Antikörpertest, ob genug Schutz vor einer Infektion besteht?

In der Regel nicht. Es gibt bestimmte Tests, die eine gewisse Abschätzung des Impfschutzes erlauben. Insbesondere durch den Vergleich mit Neutralisationstests, also Tests, die untersuchen, wie gut vorhandene Antikörper die Coronaviren neutralisieren. Dennoch ist es noch nicht möglich, absolut geltende Grenzwerte für den Infektionsschutz zu etablieren.

Macht es Sinn, anhand eines solchen Tests zu entscheiden, ob man einen Booster braucht?

Nein. Liegt die letzte Impfung mehrere Monate zurück, profitiert man von einer Auffrischimpfung. Sie stimuliert die gegen SARS-CoV-2 gebildeten Gedächtniszellen, sodass der Immunschutz wieder hochgefahren wird.

Können die Tests Aussagen darüber machen, wie gut man auch gegen Virus-Varianten geschützt ist?

Nein. Es gibt experimentelle Verfahren, die das können, aber nicht die breit angewandten Diagnostiktests.

In welchen Fällen und zu welchem Zeitpunkt macht ein Antikörpertest dann am meisten Sinn?

Wenn Bedenken bestehen, dass bei einer Person kein Impfschutz aufgebaut werden konnte, beispielsweise aufgrund einer Immunsuppression – einer Medikamententherapie, die das Immunsystem unterdrückt. In solchen Fällen sind frühere Booster-Impfungen angezeigt.