Was Zürich mit den frischgebackenen Chemie-Nobelpreisträgern zu tun hat

sda/phi

3.10.2018 - 15:49

Zwei Amerikaner und ein Brite teilen sich den diesjährigen Chemie-Nobelpreis. Weil alle drei in Zürcher Wissenschaftskreisen wohlbekannt sind, ist in der Limmatstadt die Freude über die Preisträger gross.

Erst Ehrendoktorin der ETH Zürich, dann auch noch der Chemie-Nobelpreis: Frances Arnold ist eeine hochdekorierte Wissenschaftlerin.
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Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr zur Hälfte an Frances Arnold aus den USA und zu je einem Viertel an dessen Landsmann George Smith und den Briten Gregory Winter. Sie werden für ihre Beiträge zur Entwicklung einer grünen chemischen Industrie geehrt.

Für Professor Andreas Plückthun von der Universität Zürich sind die Preisträger, die er persönlich kennt, keine Überraschung. Das Gebiet der gerichteten Evolution sei seit längerem ein heisser Anwärter auf die höchste Chemie-Auszeichnung. 

Ihre Methoden würden seit Mitte der 80er-Jahre auch in seinem Labor benutzt, wie der Biochemiker der Agentur Keystone-SDA verriet. Dass das Nobel-Komitee so lange mit einer Auszeichnung gezögert hat, führt er darauf zurück, dass man wohl habe warten wollen, bis hilfreiche Anwendungen gefunden worden seien.

Darum sind die Wissenschaftler so wichtig

Mit dem unschätzbaren Nutzen der Verfahren bei der Herstellung jeglicher Chemikalien von Dünger über Biotreibstoffe bis hin zu Medikamenten sei das nun hinlänglich bewiesen. Frances Arnold habe früh erkannt, dass Enzyme geeignet sind, um neue Substanzen herzustellen, Arnold habe «mit grossem Ehrgeiz» in diese Richtung geforscht. Die 62-Jährige sei die Erste gewesen, die darin auch erfolgreich war, vorher seien die molekularbiologischen Techniken eben noch nicht so weit gewesen.

Von den drei Laureaten gönnt Plückthun George P. Smith den Preis am meisten. Er sei ein «wahnsinnig bescheidener» Mensch und die Bedeutung seiner bahnbrechenden Forschung über Phagen-Display sei nur von wenigen erkannt worden. Es sei höchste Zeit, dass der 77-Jährige ins Rampenlicht rücke.

George Smith erfährt am Telefon von einem Reporter, dass er gewonnen hat.
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Die Bedeutung des dritten Preisträgers, dem Molekularbiologen Greg Winter, sieht Plückthun darin, dass der 67-Jährige die Methoden der beiden anderen kombiniert und so ermöglicht habe, dass man heute Antikörper herstellen könne, ohne dazu Tiere immunisieren zu müssen.

Der dritte im Bunde: Greg Winter.
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Ehrendoktorwürde der ETH Zürich

Arnold hat 2015 auch die Ehrendoktorwürde der ETH Zürich erhalten. Die Innovationskraft ihrer Arbeit habe «viele Forschende weltweit geprägt, auch an der ETH Zürich», sagte damals Professor Ralph Müller, Vorsteher des Departements Gesundheitswissenschaften und Technologie, bei der Verleihung. «Frances Arnold war und ist auch für zahlreiche führende Firmen als Beraterin tätig und hat so die Brücke zwischen Akademie und Industrie geschlagen.» 

«Die Evolution ist das stärkste Entwicklungsverfahren der Welt, und das sollten wir nutzen, um neue biologische Lösungen für Probleme zu finden», sagte Arnold 2016, als sie in Helsinki den hochrenommierten Millennium Technology Prize entgegenahm. Die neue Technologie ersetze teure, toxische und nicht nachhaltige chemische Verfahren bei der Herstellung von Pharmazeutika, Kosmetika, Textilien, Lebensmittel und Papier.

Bilder aus der Schweiz
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