Wertvolle Krebsart bedroht – ein Liter ihres Blutes kostet 16'000 Franken

tsch

6.11.2018

In Laboren der Pharmaindustrie an der US-Ostküste müssen jährlich etwa 430'000 Pfeilschwanzkrebse bis zu 30 Prozentes ihres Blutes lassen. Die urzeitlichen Tiere überleben den Aderlass nicht mehr lange.
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Ihr Blut kostet bis zu 16'000 Franken pro Liter, für die Gesundheit der Menschen sind Pfeilschwanzkrebse allerdings unbezahlbar. Trotzdem stehen die Dinosaurier der Meere kurz vor dem Untergang.

Sie haben die Dinosaurier und das Massensterben während der letzten Eiszeit überlebt: Nach 450 Millionen Jahren auf der Erde könnte allerdings die Zeit für Pfeilschwanzkrebse abgelaufen sein. Schuld ist einmal mehr der Mensch. Dabei ist er ziemlich abhängig von den blaublütigen Tieren, die an eine Mischung aus dem Facehugger in den «Alien»-Filmen und einer Riesenlaus erinnern.



Aus dem Blut der Pfeilschwanzkrebse, das durch den Kupfer-basierten Sauerstofftransporter Hämocyanin blau gefärbt ist, wird von der Pharmaindustrie das Limulus-Amöbozyten-Lysat (LAL) hergestellt. Was den es so wertvoll macht: Kein Stoff der Welt zeigt Bakterien besser an. LAL-Tests werden bei der Zulassung von neuen Medikamenten angewandt und dienen der Identifizierung von Verunreinigungen in chirurgischem Besteck, bei Anpassungen von Herzschrittmachern und vielen Impfungen.

Die Gesundheit des Menschen ist quasi abhängig von dem urzeitlichen Tier. Und dennoch könnten die Menschheit schaffen, was fast eine halbe Milliarde Jahre Erdgeschichte nicht vermochten: den Pfeilschwanzkrebs zur Aufgabe seiner Existenz bringen. Noch kommen die lebenden Fossilien an der Ostküste der USA und in Südostasien vor. Exzessive Fischerei, der Verlust von Lebensräumen, der Klimawandel und Rotalgen-Epidemien bedrohen jedoch ihren Fortbestand.

Noch kann man die American Horseshoe Crab (Limulus polyphemus), eine Art der Pfeilschwanzkrebse, an der US-Ostküste finden. Doch die Art gilt mittlerweile als stark gefährdet.
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Und dann ist da noch die Pharmaindustrie. Allein an der US-Küste werden jedes Jahr etwa 430'000 Pfeilschwanzkrebse (American Horseshoe Crab) gefangen und zur «Blutspende» gezwungen, berichtet der englische «Guardian». Ein lukratives Geschäft: Das aus dem Blut hergestellte Lysat ist eine der wertvollsten Flüssigkeiten der Erde. Ein Liter kostet bis zu 16'000 Franken.

Für soviel Geld nimmt die Industrie allerhand in Kauf. Etwa dass bis zu einem Fünftel der Pfeilschwanzkrebse die «Blutspende» nicht überlebt. Bei der Prozedur wird die Schale der Tiere in der Nähe des Herzens durchbohrt. 30 Prozent ihres Blutes müssen die Tiere im Labor lassen, bevor sie wieder ausgesetzt werden.

Bedrohte Tierarten

Noch vor drei Jahrzehnten gab es reichlich Pfeilschwanzkrebse an der Atlantkiküste der USA. 2016 wurden sie von der Uno auf die rote Liste für gefährdete Arten gesetzt. Wissenschaftler sagen, der Rückgang der Art ist ein Symbol für die enormen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Kosten des weltweiten Biodiversitätsverlustes.

Seit 1992 sind ein Drittel des ökologischen Reichtums der Erde – Arten, Wälder, Flüsse und Böden – verloren gegangen. Dies hat tiefgreifende Folgen nicht nur für Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen, sondern auch für ihren Fortbestand.

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