Zufällig entdeckt – neue Bakterienart ernährt sich von Metall

tafi

17.7.2020 - 18:09

Am California Institute of Technology neu entdeckte Bakterien haben einen erstaunlichen Stoffwechsel: Sie ernähren sich von Mangan und gewinnen aus dem Metall die nötige Energie für ihre Zellen.
Hang Yu/Caltech

Forschende in Kalifornien entdecken eine neue Art von Bakterien, die sich von Metall ernährt. Der Zufall und ein verschmutztes Glas bringen die Mikrobiologen auf die Spur.

Mehr als hundert Jahre hat die Wissenschaft vermutet, dass es Metallfresser-Bakterien gibt. Nur nachgewiesen werden konnten sie nicht. Nun half das Glück nach. Mikrobiologen vom California Institute of Technology (Caltech) entdeckten die Bakterien zufällig, nachdem sie ein verschmutztes Glas monatelang in einem Waschbecken vergessen hatten, wie CNN berichtet.

Dr. Jared Leadbetter, Professor für Umweltmikrobiologie am Caltech in Pasadena, hatte das Glas zuvor bei Experimenten mit Mangan genutzt und wollte es in Leitungswasser einweichen, um es von den Metallresten zu reinigen. Weil er aber wegen anderer Verpflichtungen mehrere Monate nicht im Büro arbeitete, geriet das Glas in Vergessenheit.

Mangan als Nahrungsquelle

Bei seiner Rückkehr stellte Leadbetter fest, dass das Gefäss mit einem dunklen Material beschichtet war. «Ich fragte mich, ob lang gesuchte Mikroben dafür verantwortlich sein könnten.» Neugierig geworden, begannen der Wissenschaftler und sein Team systematische Experimente durchzuführen.

Dabei entdeckten die Forschenden, dass der schwarze Überzug auf dem Glas oxidiertes Mangan war und neu entdeckten Bakterien erzeugt worden war, die häufig im Leitungswasser gefunden werden können. In ihrer Studie, die in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht wurden, schrieben die Wissenschaftler, dass es sich dabei um die ersten Bakterien handelt, die Mangan als Energiequelle nutzen.

Erstaunlicher Aspekt der Natur

Es sei ein erstaunlicher Aspekt der Natur, sagte Leadbetter, «dass Lebewesen unwahrscheinlichste Materialien verstoffwechseln können und dabei für die Zelle notwendige Energie gewinnen.» Die Forschungsergebnisse zeigten auch, dass die Bakterien Mangan für einen Prozess namens Chemosynthese nutzen können, bei dem Kohlendioxid in Biomasse umgewandelt wird.

Die Forschenden hoffen nun, dass ihre Entdeckung dabei helfen werde, Grundwasser und Wassersysteme, die durch Manganoxide leicht verstopfen können, besser zu verstehen. Auch für das Verständnis von Manganknollen könnten die Forschungsergebnisse eine Rolle spielen. Diese Metallkugeln, die die Grösse einer Grapefruit erreichen können, sind auf dem Boden der Tiefsee zu finden und enthalten oft seltene Metalle.

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