Berner Gemeinderat will Carterminal Neufeld ausbauen

24.6.2019 - 16:51, SDA

Das Berner Carterminal Neufeld ist ein Provisorium. So präsentierte es sich Anfang November 2017.
Source: KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Berner Stadtregierung will gemeinsam mit der Autoeinstellhalle Waisenhausplatz AG (AWAG) den Carterminal Neufeld ausbauen. Der Gemeinderat wird dafür dem Stadtrat einen Investitionsbeitrag zur Genehmigung vorlegen.

Wie die Berner Stadtregierung am Montag mitteilte, hat das Neufeld im vergangenen Jahr bei einer Prüfung von Arealen für einen Fernbus-Terminal am besten abgeschnitten. Es gibt auch schon ein Vorprojekt für das neue Carterminal.

Dieses sieht 14 ungedeckte An- und Abfahrtsplätze für die Busse auf einer Ebene vor, dazu sechs Bus-Abstellplätze und ein Terminalgebäude, das Wartende vor Regen schützt. Auch Taxiparkplätze und eine sogenannte «Kiss & Ride-Zone» sind in diesem auf 6,6 Mio. Franken veranschlagten Vorprojekt vorgesehen.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) ist gewillt, das Areal der AWAG längerfristig zur Verfügung zu stellen. Dem Bund gehört das Gelände.

Die AWAG ist bereit, die Verantwortung für den Bau und den Betrieb des ausgebauten Terminals zu übernehmen. Vorstudien haben laut dem Berner Gemeinderat jedoch gezeigt, dass die Investitionskosten für die AWAG nicht allein zu tragen sind. Deshalb hat sie die Stadt Bern um finanzielle Unterstützung angefragt.

Nach Vorliegen des definitiven Bauprojekts wird der Gemeinderat dem Stadtrat einen Investitionsbeitrag von 70 Prozent der Baukosten – maximal 4,62 Mio. Franken – zur Genehmigung vorlegen. Die Stadt Bern ist Mehrheitsaktionärin der AWAG.

Mehrfach kritisierte Einrichtungen

Der heutige Carterminal Neufeld steht seit Langem in der Kritik. Fünf Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaftsbund der Stadt Bern verlangten Ende 2016 in einem Offenen Brief rasch einen angemessenen Terminal in Bern. Die heutigen Einrichtungen seien der Stadt Bern «unwürdig».

Auch der deutsche Reisebusbetreiber Flixbus kritisierte den Carterminal Bern-Neufeld Anfang 2017 als «nicht zeitgemäss». Das sieht auch die Berner Stadtregierung so: In der Mitteilung vom Montag spricht sie von einer «unbefriedigenden» und «unattraktiven» Ankunftssituation für Fernbusgäste.

19 mögliche Standorte liess die Stadt Bern im vergangenen Jahr im gesamten Stadtgebiet auf ihre Eignung für einen Fernbus-Terminal hin überprüfen. Das Neufeld schnitt am besten ab. Vorteile dieses Geländes sind unter anderem, dass es direkt an der Autobahn liegt und der Busverkehr kein Wohnquartier belastet. Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist vorhanden. Das Areal bietet genügend Platz.

Nach dem Ausbau soll Berns ausgebauter Carterminal ein «zeitgemässer und attraktiver Ort des Willkommens» sein, wie Berns Gemeinderat schreibt.

Volksabstimmung nötig

Der heutige Car-Terminal im Neufeld ist ein provisorischer. Er wird ausserhalb der Bauzone betrieben. Für die definitive Nutzung muss die Stadt deshalb baurechtliche Anpassungen vornehmen. Dies durch eine Zonenplanänderung und/oder eine Überbauungsordnung. Dafür ist eine Volksabstimmung nötig.

Baustart für die Ausbauarbeiten ist laut Berner Stadtregierung frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrs 2022. Parallel zur Terminal-Planung erarbeitet die Stadt Bern ein neues Fernbus-Regime, das die Innenstadt zusätzlich vom Busverkehr entlasten soll.

Astag zufrieden

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag begrüsst den Entscheid der Berner Stadtregierung laut einer Mitteilung. Der Astag gehört zusammen mit der Astag-Sektion Bern und dem Carverband Bern-Solothurn zu den heutigen Trägern des Car-Terminals. Diese drei Organisationen bilden die Trägerorganisation «Gesellschaft Car-Terminal Neufeld».

Laut dem Astag verzeichnet das Berner Terminal stetig steigende Nutzerzahlen und pro Tag durchschnittlich 38 Ankünfte von Cars. In der Ferienzeit sind es mehr.

Astag-Vizedirektor André Kirchhofer sagte auf Anfrage, der Astag sei froh, wenn die AWAG den Betrieb des Berner Terminals übernehme. Die Astag sei der Meinung, der Betrieb eines Bus-Terminals gehöre nicht in die Hand von Privaten, sondern der öffentlichen Hand.

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