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Historisches Museum Bern beleuchtet Migrationsbewegungen

SDA

6.11.2019 - 11:26

Neandertaler im Berner Oberland, vertriebene Täufer aus dem Emmental, italienische Gastarbeiter am Lötschberg und syrische Asylsuchende in Biel: Migration hat viele Gesichter und eine lange Geschichte. Das Historische Museum Bern leuchtet sie aus.

«Homo migrans. Zwei Millionen Jahr unterwegs» heisst die neue Ausstellung des Hauses am Berner Helvetiaplatz. Sie dauert bis Ende Juni 2020.

«Die Ausstellung bietet einen historischen Hintergrund zu einem aktuellen und oft emotional diskutierten Thema», begründet Museumsdirektor Jakob Messerli die Wahl des Ausstellungsthemas. «Wenn wir nicht selbst aus- oder eingewandert sind, dann sind es – wenn wir in unseren Familiengeschichten nur weit genug zurückblicken – mit Sicherheit unsere Vorfahren.»

Schwerpunkt Schweiz

Das Historische Museum Bern spannt in seiner neuen Ausstellung den zeitlichen Bogen weit, von den ersten Menschen in Afrika vor vier Millionen Jahren über den Beginn ihrer Verbreitung über die ganze Welt vor rund zwei Millionen Jahren bis in die Gegenwart. Das Gebiet der heutigen Schweiz bildet in der Ausstellung einen inhaltlichen Schwerpunkt.

Elf Themenbereiche mit über 200 Exponaten sowie Audio- und Videoinstallationen machen die vielfältigen Migrationsbewegungen, ihre Ursachen und Auswirkungen erlebbar, wie das Museum in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt.

Die ersten Menschen erreichten während der Eiszeit die Schweiz. Davon zeugt in der Ausstellung ein Faustkeil aus Prattelen. Er gilt als ältester bisher gefundener Beweis menschlicher Präsenz in unserer Gegend.

Grosse Migrationsbewegungen lösten auch Glaubenskonflikte aus. Als Beispiel dafür wird der sogenannte «Hugenottenteppich» gezeigt. Die Tischtapisserie aus dem Berner Rathaussaal veranschaulicht die Geschichte der im 16. und 17. Jahrhundert in Massen in die Schweiz geflüchteten Hugenotten.

Viele der aus Frankreich stammenden protestantischen Flüchtlinge verfügten über gute Handwerks- und Kunsthandwerkskenntnisse, was die hiesige Wirtschaft und Kultur beflügelte.

Doch auch Schweizerinnen und Schweizer sahen sich im 19. Jahrhundert zur Auswanderung gezwungen. Davon zeugt das ausgestellte «Hungerbrötchen», aus den Hungerjahren 1816/17. Damals wurde das Brotmehl mit Holzspänen, Baumrinde oder Heublumen gestreckt.

Rund eine halbe Million Menschen versuchte, den hiesigen Wirtschafts- und Armutsrisiken zu entkommen und ihr Auskommen anderswo zu finden.

Heute hat rund ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz einen Migrationshintergrund. Mehr als jede zehnte Person mit Schweizer Pass lebt als Teil der Fünften Schweiz im Ausland.

Ahnenforschung mit dem Wattestäbchen

Ahnenforschung hat die Menschheit immer umgetrieben. Mit den heutigen Möglichkeiten ist ein Markt für DNA-Selbsttests entstanden. Die wissenschaftliche Aussagekraft solcher Tests ist umstritten.

Im Rahmen der Ausstellung haben fünf Probandinnen und Probanden die Probe aufs Exempel gemacht. Die Ergebnisse werden in der Ausstellung thematisiert.

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