Kantonsrat LU

Parlament bemängelt Bildungsbericht und gibt Regierung Hausaufgaben

kad, sda

16.5.2022 - 10:54

Berufsbildungsstätten wie die Schweizerische Hotelfachschule Luzern sollen bekannter werden. (Symbolbild)
Keystone

Der Planungsbericht über die tertiäre Bildung der Luzerner Regierung hat im Parlament ungenügende Noten erhalten. Der Kantonsrat bemängelte den fehlenden Blick in die Zukunft und ergänzte den Bericht mit Aufträgen etwa zu Anreizen für Firmen, Vernetzung der Bildungsinstitutionen und Werbung für die Angebote.

kad, sda

16.5.2022 - 10:54

Der Regierungsrat zeigte in dem Bericht auf, wie er die höhere Berufsbildung und die Hochschulen im Kanton weiterentwickeln und stärken will. Im Kanton Luzern studieren rund 20'000 Personen an einer Hochschule oder absolvieren eine höhere Berufsbildung. Der Rat nahm den Bericht mit 109 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen bloss neutral zur Kenntnis.

Die Regierung habe es verpasst, Akzente zu setzen, sagte Kantonsrat Gaudenz Zemp (FDP) am Montag bei der Beratung im Parlament. Er sprach von einem «enttäuschenden Bericht». Rahel Estermann (Grüne) bemängelte als Präsidentin der Kommission Erziehung, Bildung und Kultur (EBKK), dass der Bericht zu stark auf den Status Quo fokussiere. Ihre Kommission wünsche sich eine aktivere Rolle des Kantons, sie formulierte daher sieben Anträge.

Das Parlament stimmte all diesen zu, obwohl sich Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) mit Händen und Füssen gegen die meisten der Anmerkungen wehrte.

Meisterprüfung gleichwertig mit Master

So muss die Regierung etwa ein Fachhochschul-Angebot im Gesundheitsbereich prüfen in Kooperation mit dem Bildungsinstitut Xund. Auch soll sie Anreize prüfen für Firmen, die Studierende der Höheren Fachschule beschäftigt, und sie muss sich für die bessere internationale Anerkennung der Abschlüsse stark machen. Oder wie es Zemp formulierte, politischen Einfluss nehmen, damit eine Meisterprüfung als Schreiner gleichwertig sei mit einem Master-Abschluss.

Einstimmig beauftragte der Rat die Regierung, mit Kommunikationsmassnahmen, die Bekanntheit der höheren Berufsbildung zu verbessern. Dem opponierte Schwerzmann mit dem Verweis, es sei Aufgabe der Anbieter dieser Ausbildungen. «Wer ein Angebot anbietet, muss das auch selber bewerben.»

Ferner müssen höhere Fachschulen und Hochschulen vertieft zusammenarbeiten, das diene auch der Abgrenzung ihrer Angebote, sagte Estermann. Schwerzmann betonte zwar, Kanton und Schulen würden dies längst und auch weiterhin tun, fand aber kein Gehör. Offen war der Bildungsdirektor hingegen für mehr Qualitätssicherung der höheren Berufsbildung mittels Befragung von Schulabgängerinnen und -abgängern.

Umstrittene Uni-Finanzierung

Kritik seitens der Ratslinken gab es an der Haltung des Kantons, wonach der Aufbau der neuen Fakultäten für Gesundheitswissenschaften und Medizin und Verhaltenswissenschaften und Psychologie mit Drittmitteln finanziert werden soll. Die akademische Freiheit sei ein Grundrecht, sagte Gisela Widmer (SP). Bei fehlender Grundfinanzierung bestehe die Gefahr von Abhängigkeiten.

Dem widersprach Schwerzmann. Mit den Drittmitteln werde nicht die Forschung sondern der Aufbau finanziert. Damit sei sichergestellt, dass die Universität diese Fakultät auch wirklich wolle, und dass ein ein Markt dafür bestehe, sonst würden Private nicht bezahlen. Der Antrag wurde mit 28 zu 81 abgelehnt.

Auch bei anderen Einzelanträgen gab sich der Rat zurückhaltend. Er lehnte eine Bildungsoffensive zur digitalen Transformation, die Urban Sager (SP) forderte genauso ab wie mehr Geld für Infrastruktur für die digitale Transformation, für die sich Jonas Heeb (Grüne) stark machte.

Das Thema Digitalisierung sei bei den Institutionen längst angekommen, sagte Bildungsdirektor Schwerzmann. Es gebe bereits «massive Projekte» bei den Schulen mit tollen Angeboten. «Im Grundsatz läuft diese Digitalisierung hervorragend», die Regierung sehe keinen Grund, hier einzugreifen und wie «die alte Fasnacht» hintan zu kommen.

kad, sda